Archivar: Vatikan bot 9 600 Juden Schutz

Vatikanstadt (DT/KAP) Der Vatikan hat eigenen Angaben zufolge 1943/44 mehreren tausend Juden systematisch Schutz geboten. Der am Vatikan tätige Archivar Johan Ickx legte am Freitag in Rom dazu konkrete Zahlen vor, wie „Radio Vatikan“ berichtete. Fast 5 000 Juden hätten demnach in 280 Klöstern Unterkunft gefunden, 3 000 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, 1 460 in katholischen Privathäusern, 60 in Gebäuden auf extraterritorialem Grund und 40 im Vatikan. Diese Zahlen gingen aus den Akten des vatikanischen Archivs hervor, sagte Ickx bei einer Tagung mit dem Titel „Refugee Policies from 1933 until Today: Challenges and Responsibilities“ (Flüchtlingspolitik von 1933 bis heute: Herausforderungen und Verantwortlichkeiten). Ein Abkommen von Oktober 1943 mit den Nationalsozialisten sicherte Ickx zufolge den vatikanischen Gebäuden einen neutralen Status zu. Die seit Donnerstag laufende zweitägige Tagung wurde von der „International Holocaust Remembrance Alliance“ (IHRA) organisiert. Zu dem von Ickx angeführten „Abkommen mit den Nationalsozialisten“ im Oktober 1943 hatte die italienische Historikerin Anna Foa im Oktober 2013 in einem Beitrag für die vatikanische Tageszeitung „Osservatore Romano“ Details genannt. Der damalige deutsche Botschafters beim Heiligen Stuhl, Ernst von Weizsäcker, könnte in Gesprächen mit Pius' Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione ausdrücklich oder implizit „eine Art Pakt mit dem Vatikan“ geschlossen haben, schrieb Foa. Daran hätten sich die deutschen Besatzer allerdings allenfalls teilweise gehalten. Weizsäcker hatte bei den Verhandlungen mit Maglione Außenminister Joachim von Ribbentrop konsultiert. Dieser habe der „Neutralität des Vatikans“ zugestimmt, falls der Heilige Stuhl den deutschen Truppen in Rom „gutes Benehmen“ bestätige.

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