Ansteckende Freude am Glauben

Familien und Jugendliche auf dem Forum Altötting der Gemeinschaft Emmanuel Von Antonia von Alten

Altötting (DT) Der Alltag mit Kindern ist bereichernd, aber gleichzeitig auszehrend. Davon können Väter und Mütter ein Lied singen. Und die sonntäglichen Kirchbesuche bei einschläfernden Predigten werden für Eltern und Kinder oft eine Pflichtübung. Da ist es wichtig für Familien, dass es Oasen gibt, an denen sie wieder auftanken können: An denen sich Eltern gegenseitig im Glauben stärken und Kinder erfahren, dass sie keine Exoten sind, sondern dass es viele andere Familien gibt, denen es wichtig ist, Gott in ihr Leben hinein zu nehmen.

Das Forum Altötting ist ein solcher Ort. Jahr für Jahr – mittlerweile zum 15. Mal – kommen sie in Scharen: Mütter und Väter mit ihren Kindern, Jugendliche, junge und ältere Erwachsene, Priester und geweihte Schwestern: Fast 2 000 waren es im vergangen Jahr, in diesem Jahr rechnen die Veranstalter – die katholische Gemeinschaft Emmanuel und die Stadt Altötting – mit ähnlich vielen Besuchern. Das diesjährige Forum steht unter dem Leitwort „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh. 10, 10).

Ursprünglich war das Forum im oberbayerischen Altötting ein Treffpunkt für junge Leute, die in Turnhallen auf Luftmatratzen schliefen und mit spartanischen Mahlzeiten zufrieden waren. 1991 lud die katholische Gemeinschaft Emmanuel zum ersten Mal nach Altötting ein, auf dem Weg zum Weltjugendtag mit Papst Johannes Paul II. ins polnische Tschenstochau. Aus den Jugendlichen des Jahres 1991 sind Familienmütter und –väter geworden, die einerseits einen anderen Tagesrhythmus haben als die Jugendlichen, andererseits genauso auf der Suche nach geistlicher Nahrung sind. So entwickelte sich im Laufe der letzten Jahre ein Parallel-Forum für junge Familien, das immer größeren Zulauf findet. Vormittags gibt es Vorträge, Gespräche und Zeiten der Stille für die Eltern. In Vorträgen und Workshops geht es um christliche Kindererziehung, Kommunikation unter Ehepartnern und um Versöhnung in der Familie – aber auch brisante Themen wie Abtreibung, Scheidung und Wiederheirat werden nicht ausgeklammert. Eine eigene Diskussionsveranstaltung widmet sich der durch die Missbrauchsskandale angeschlagenen Kirche und sucht nach Wegen aus der Krise. Zum Mittagessen finden sich die Eltern mit Kindern in einer „Turbo-Schlange“ am Essenszelt, so dass lange Wartezeiten vermieden werden.

Das Treffen heißt „Forum“ und hat den Charakter eines Marktplatzes: es gibt kein verbindliches Programm, sondern jeder Teilnehmer sucht sich selber aus, was ihm gefällt. Täglich gibt es feierliche Gottesdienste und Gebetszeiten, Vorträge, kleine Gesprächsrunden. gemeinsame Mahlzeiten, ein buntes Nachmittags- und Abendprogramm mit einem Musical oder einer Lichterprozession, die Möglichkeit, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen, Orte der Stille und Anbetung und immer wieder Zeit fürs Gespräch. So erfahren Jugendliche und Familien lebendigen Glauben. Sie erleben, dass Kirche und Glaube jung und dynamisch sind. Die Kinder haben derweil ein eigenes Spiel- und Abenteuerprogramm – aber auch immer wieder Zeiten, in denen über Gott und den Glauben gesprochen wird.

Ein täglicher Höhepunkt ist bei den Treffen der Gemeinschaft Emmanuel der morgendliche Lobpreis – eine Mischung aus eingängigen Liedern und freiem Gebet. Viele Menschen, die sich mit den üblichen Gebetsformen schwer tun, beginnen hier wieder zu beten und zu singen. Eine weitere Besonderheit der Treffen sind die persönlichen Berichte, sei es beim Abendprogramm oder auch in kleiner Runde in „Talks“ oder „Weggemeinschaften“. Die Mitglieder der Gemeinschaft Emmanuel erzählen dort davon, was ihnen der Glaube an Gott persönlich bedeutet, wie er ihnen Kraft und Mut, inneren Frieden und Hoffnung schenkt. Sie sprechen mit einfachen Worten und machen ihre Zuhörer neugierig auf eine persönliche Begegnung mit Gott.

Besonders eingeladen werden die Teilnehmer immer wieder zur eucharistischen Anbetung. Während der Foren ist das Allerheiligste den ganzen Tag über auf einer Wiese und nachts in einer Kirche ausgesetzt. Priester stehen für das Sakrament der Versöhnung oder auch für Gespräche zur Verfügung.

Zwischen 80 und 140 Euro zahlen die Teilnehmer je nach Herkunftsland für die fünf Forumstage (Tagungsgebühr, Verpflegung und Unterkunft in einer Turnhalle). Für Familien gibt es spezielle Tarife. Dazu kommt die Anreise – viele kommen aus Mittel- und Osteuropa. Dort gibt es viele Jugendliche und junge Familien, deren Herzenswunsch es ist, einmal am Forum Altötting teilzunehmen, die sich aber die Kosten für die Teilnahme und die teure Anreise nicht leisten können. Deshalb ruft die Gemeinschaft Emmanuel in Zeitungsanzeigen – auch in der Tagespost – und im Internet zu Patenschaften und Spenden für diese Teilnehmer auf.

Neben jungen Familien und Jugendlichen aus allen Teilen der Welt kommen auch jedes Jahr Kardinäle und Bischöfe zu den Sommertreffen. In diesem Jahr kommt zum ersten Mal der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Am 7. August feiert er abends auf dem Kapellplatz mit den Teilnehmern des Forums einen Gottesdienst. Ein langjähriger Freund der Sommertreffen ist der holländische Jugendbischof Everard de Jong. Schon 2005 war er gemeinsam mit Emmanuel auf dem Weltjugendtag in Köln und auch in den Jahren 2007 und 2008 war er auf dem Forum in Altötting mit dabei. Zum ersten Mal ist Erzbischof Flavien-Joseph Melki aus Beirut auf dem Forum. Melki kommt aus dem Libanon, einem Land auf der Schnittstelle zwischen Judentum, Islam und Christentum. Die Bischöfe schätzen das Forum als einen Ort, an dem sie junge Kirche erleben und ins Gespräch mit der Jugend kommen können. Der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, bezeichnete das Forum als eines der bewährtesten Jugendforen im deutschen Sprachraum. Dort findet sich, so Schönborn, gelebter Glaube, kulturelle Momente, Begegnung, Fest, Gebet, Gottesdienst, Freundschaft und die Erfahrung von Weltkirche. Schönborn weiter: „Das Forum ist, um es auf Neudeutsch zu sagen, ein Must.“

Das diesjährige Forum Altötting vom 6. bis 11. August besteht aus vier parallelen Treffen, deren Programme sich teilweise überlappen. Das Erwachsenen- und Familienforum mit parallelem Kinderforum, das Teenie-Forum für Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren, das Junge Forum für junge Erwachsene sowie das Priesterforum. Zu den Highlights gehört das Musical „Petrus“, das Studenten der internationalen Akademie für Musik und Evangelisation aus Altötting am Sonntag um 20.15 Uhr aufführen – eine moderne Fassung des Lebens des Apostels Petrus.

www.forum-altoetting.de

Tel.: 0 86 71 / 50 03 7-31

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