Vatikanstadt

Wenn aus Communio ein Lagerkampf wird

Statt mit Erklärungen an die Öffentlichkeit zu gehen, die ein Bild der Zerrissenheit erzeugen, sollten die Bischöfe das ruhige Gespräch untereinander suchen.

Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz
Die Wahrung der Einheit ist die genuine Aufgabe der Bischöfe. Georg Bätzing versteht sein Amt als Vorsitzender der Bischofskonferenz nicht als Moderator, sondern als Betreiber einer Agenda und fällt somit aus. Foto: Arne Dedert (dpa)

Dreimal hat der Vatikan jetzt eingegriffen, um falschen Entwicklungen vorzubeugen: Es ging um die Neuordnung der seelsorglichen Strukturen und dabei insbesondere um die Stellung des Pfarrers in der Gemeindeleitung. Federführend war die Kleruskongregation und Anlass war die Pfarreienreform im Bistum Trier. Dann hat die Glaubenskongregation ein klärendes Wort zur Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten gesagt. Wieder ging es um Deutschland. Der Ökumenische Kirchentag nahte und der Ökumenische Arbeitskreis, zu dessen Vorstand der Limburger Bischof Georg Bätzing gehört, hatte einen „theologischen“ Fahrplan hin zur Mahlgemeinschaft vorgelegt. Und jetzt die Note der Glaubenskongregation zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, die nördlich der Alpen natürlich auf besonders sensible Ohren stieß, aber die gesamte Weltkirche im Blick hatte.

Ein Hauen und Stechen auf katholischen und innerkirchlichen Plattformen

Wie immer dieselbe Reaktion: Ein Hauen und Stechen auf katholischen und innerkirchlichen Plattformen und Foren, unverhohlene Enttäuschung bei einigen Bischöfen und Fassungslosigkeit bei manchem Domprobst und Generalvikar. Symptomatisch auch die Reaktion des ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg: Das jüngste Wort aus Rom reihe sich ein in „eine Folge von Störungen des Synodalen Wegs“. Da wird der eigene Horizont zum Maßstab des kirchlichen Denkens. Da geht dann der Blick dafür verloren, dass das Votum der Glaubenskongregation, sowohl die Note als auch der Kommentar, sehr gute Argumente nennt, im Ton äußerst sensibel ist und die gesamte lehramtliche Verkündigung hinter sich weiß, „Amoris laetitia“ eingeschlossen.

Soll das jetzt immer so weitergehen, dass Maßgaben aus Rom, die ja im Zuge des Synodalen Wegs und der Vorlage der Ergebnisse weiter zu erwarten sind, in einem Strudel der Empörung untergehen? Und das in einer Zeit, in der die Kirche im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung verlorenes Vertrauen zurückgewinnen muss, die Menschen an der Corona-Epidemie und ihren Folgen leiden und erleben wollen, dass der Glaube gefeiert wird und nicht als Munition für innerkirchliche Grabenkämpfe dient? Die Kirche in Deutschland braucht dringend mehr Einheit, sonst zerlegt sie sich selbst.

Es geht um das Wesen der Kirche

Die Wahrung der Einheit ist aber die genuine Aufgabe der Bischöfe. Georg Bätzing versteht sein Amt als Vorsitzender der Bischofskonferenz nicht als Moderator, sondern als Betreiber einer Agenda und fällt somit aus. Aber es gibt ja noch 26 andere Ortsbischöfe, von den vielen Weihbischöfen ganz zu schweigen. An die schweigende, breite Mehrheit sei die Frage gerichtet: Es ist ja bekannt, welche Bischöfe sich sachlich, aber deutlich hinter das römische Votum zu den Segnungen gestellt haben: Gregor Maria Hanke, Wolfgang Ipolt, Stefan Oster, Rudolf Voderholzer. Hört euch ihre Argumente an, redet mit ihnen, lasst mal eine Gremien-Sitzung ausfallen und greift zum Telefon. Wobei es ja nicht nur um die Behandlung gleichgeschlechtlicher Paare geht. Es geht um die Sexualmoral, um die christliche Anthropologie und – das weiß man seit dem „Grundtext“ des Synodalforums I – um das Wesen der Kirche. Die Welt des Internets mit ihren Onlinediensten und Echoräumen braucht ihre täglichen Aufreger, sonst gibt es keine Klicks und Zugriffszahlen. Aber die Kirche braucht auch ihre Abreger. Das könnte die Communio der Bischöfe sein.

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