Köln

Von fremden Göttern zu Jesus

Eine Kindheit in Japan, eine Heilige Messe, die alles verändert, der Weg zur Taufe und die Suche nach „Mehr“: Ein Seminarist erzählt von Gottes Spuren im eigenen Leben.

Mein Leben mit Gott: Johannes Shimizu
Mit seiner Großmutter besuchte Johannes Shimizu als Kind einen shintoistischen Tempel, um dort zu den Gottheiten zu beten. Seine religiöse Heimat hat er dort jedoch nicht gefunden. Foto: Adobe stock

Wenn ich auf die nun 26 Jahre meines Lebens zurückblicke, kann ich sagen, dass Gott mir in vielen Situationen nahe gewesen ist. Allerdings habe ich sein Wirken nicht in den jeweils spezifischen Augenblicken gespürt, sondern es wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Gott handelt an jedem Menschen unterschiedlich, denn „jeder von uns ist Frucht eines Gedanken Gottes. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht“, so sagte Benedikt XVI. in seiner ersten Ansprache als Papst. Wie diese konkret aussieht, ist bei jedem anders. Wie spürte ich das in meinem bisherigen Leben?

"In Japan lernte ich schon als Kind zu beten"

Ich bin in Japan geboren, lebe seit 20 Jahren in Deutschland und wuchs in einer nicht-christlichen Umgebung auf. Zwar besuchte ich den schulischen Religionsunterricht, aber ich kam nie auf die Idee, mich taufen zu lassen. Allerdings lernte ich in Japan schon als Kind zu beten und tat dies auch, besonders in schwierigen Situationen. Zu wem? Zu Göttern, die ich nicht kannte! Mit meiner Großmutter ging ich in einen shintoistischen Tempel und wir beteten zu den Gottheiten um Gesundheit für uns selbst oder auch für andere. Obwohl mich das Gebet begeisterte, fand ich dennoch im Shintoismus nicht meinen Glauben.

Erst im Jahr 2010 lernte ich die katholische Kirche näher kennen und besuchte zum ersten Mal eine sonntägliche Heilige Messe. Sofort war ich von der Liturgie, von der Gemeinschaft und vom Priester angetan, sodass ich mich einige Zeit danach erwartungsvoll bei einem Priester vorstellte und ihm meinen Wunsch, getauft zu werden, mitteilte. Er bereitete mich ein Jahr lang auf die Taufe vor, dazu gehörte auch eine Ministrantenwallfahrt nach Rom. Während dieser Fahrt erhielt ich sozusagen einen Grundkurs in die Geschichte der Kirche und erlebte zum ersten Mal die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden.

Glaubensweg endet nicht mit der Taufe

Am letzten Abend entschied ich mich an der päpstlichen Basilika San Paolo fuori le Mura bewusst für den katholischen Glauben. Dabei wurde mir klar, dass mein Glaubensweg nicht mit der Taufe enden würde. Ich empfing in der Osternacht 2011 die Sakramente der Taufe, der Firmung und der Eucharistie. Christus, der mich in die Gemeinschaft der Kirche gerufen hatte, durfte ich nun persönlich in der heiligen Kommunion empfangen, nicht ein gewöhnliches Brot, sondern IHN selbst. Weil der menschgewordene Sohn Gottes mein Herz berührt hatte, ging ich von da an nicht nur am Sonntag, sondern oft auch werktags zur Heiligen Messe, dann bald meistens als Ministrant.

Wenige Monate nach der Taufe nahm ich am Weltjugendtag in Madrid 2011 teil. Hier lernte ich die Kirche nochmals von einer anderen Seite kennen: als Weltkirche. Kirche und Glaube sind nicht geographisch begrenzt, sondern überall erfahrbar. Gläubige aus aller Welt trafen sich, beteten und sangen miteinander.

Christus und seiner Kirche dienen

Sowohl vor als auch nach der Taufe spürte ich: Mein Weg mit Gott ist noch nicht zu Ende. In Berufungsgeschichten lese ich oft, dass Einzelnen die Frage nach „Mehr“ und „Darüber hinaus“ immer präsent war: Was kann meine Suche und meinen Durst nach Gott stillen? Was den Menschen letztlich glücklich macht, ist das „bonum universale“, das Gute im Ganzen. Bei Thomas von Aquin liegt es allein in Gott. Kurz vor meinem Schulabschluss stand ich dann vor der Frage: Wie geht es nun für mich weiter? Mir war eindeutig klar: Da ich in der Kirche eine neue Heimat gefunden hatte, dass ich Christus und seiner Kirche dienen möchte. Ein Jahr nach der Taufe fand ich in meiner Gemeinde eine Einladung zum Informationswochenende „Priester – ein Weg für mich?“. Weil ich bis dahin schon einige Priester kennengelernt hatte und ich vom Beruf des Priesters angezogen war, wollte ich an dieser Veranstaltung in Bonn teilnehmen. Ich ging zu meinem Pfarrer, der mich in meinem „Übereifer“ bremste und mir riet, damit noch ein Jahr zu warten. So nahm ich 2013 an dem Wochenende im Collegium Albertinum in Bonn teil. Nach diesem Wochenende war in mir der Entschluss gereift, nach meinem Abitur 2016 in das Priesterseminar einzutreten.

Auf diesem Weg kamen aber immer wieder Zweifel auf, ich hatte eine Freundin und begann das Thema zu verdrängen. In diesen drei Jahren nahmen mein Messbesuch, das tägliche Gebet und das Gottvertrauen stark ab. Dennoch lernte ich viele gute Priester kennen, die in mir den Wunsch, Priester zu werden, immer wieder weckten. Und nach dem Abitur begann ich mit dem Theologiestudium und trat ein Jahr später ins Collegium Albertinum in Bonn ein.
Mein Weg mit Gott verlief allerdings nicht immer geradlinig. Es war immer ein Suchen und Fragen, bei dem Kirche und Glaube mir manchmal fremd, alt und langweilig vorkamen. Ich erinnere mich noch sehr genau an die Dienstagabende in meiner Heimatgemeinde: Vor der Abendmesse betete die Frauengemeinschaft den Rosenkranz. Ich setzte mich oft dazu, versuchte das Gebet mitzubeten, das für mich zunächst immer eine Geduldsprobe war. Heute bete ich den Rosenkranz gerne und regelmäßig.

Auf meinem bisherigen Glaubensweg wurde mir mehr und mehr bewusst, wie wichtig und entscheidend die persönliche Freundschaft mit Christus ist. Das haben uns die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus immer wieder ans Herz gelegt. Und (statt über Strukturen zu debattieren) gäbe es „.. nichts Schöneres als anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken“ (Benedikt XVI.).

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.