Köln

Umgang mit Bischöfen: Man misst mit zweierlei Maß

Immer mehr entsteht der Eindruck, innerhalb des Synodalen Wegs werde der mehrheitskonforme Teil des Episkopats nach anderen Maßstäben beurteilt als die Minderheit. Ein Kommentar.

Osnabrücker Bischof Bode
Bischof Bode sah den Geist von Frankfurt auch im digitalen Format wirken. Er bedankte sich für die zahlreiche Mitwirkung. Foto: Friso Gentsch (dpa)

Der Synodale Weg kanalisiert den Unmut der Gläubigen über Missbrauchsfälle in Kirchenkreisen auf mehrheitskonforme Wege. Wie der Ruf nach Standards, nach denen Amtsträger Rechenschaft über ihr Verhalten ablegen sollen, bald gegen die episkopale Minderheit ausgelegt werden könnte, hat die Digitalversammlung gezeigt.

Fehler einheitlich bewerten

Die im Vorfeld der Veranstaltung erhobene Forderung des Bonner Stadtdechanten, mit den Bischöfen von Essen und Osnabrück, die beide Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen eingeräumt haben, nicht anders zu verfahren als mit dem Kölner Kardinal, wurde wie selbstverständlich übergangen. Mehr noch: Mit der Ankündigung, seine einschlägigen Erfahrungen aus dem Umgang mit Missbrauchsfällen in den Synodalen Weg einfließen zu lassen, beflügelte Bischof Bode indirekt den Eindruck, innerhalb des Synodalen Wegs werde der mehrheitskonforme Teil des Episkopats nach anderen Maßstäben beurteilt als die Minderheit.

Warum sollte die katholische Kirche in Deutschland Fehler im Umgang mit Missbrauchfällen, die in deutschen Bistümern eingeräumt wurden, nicht einheitlich bewerten? Verdient es der Erzbischof von Köln nicht, dass seine Bitte um Verzeihung ebenso ernst genommen wird wie diejenige Bodes? Der Ruf nach Verantwortung als Kriterium bischöflicher Amtsausübung im Umgang mit Missbrauch scheint ein neues Ventil für kirchenpolitische Machtspiele zu werden.

Ausreichend kompetentes Personal in den Ortskirchen?

Man darf bezweifeln, dass die Ortskirchen ausreichend kompetentes Personal haben, um die Qualität bischöflicher Amtsführung angemessen und vorurteilsfrei zu beurteilen. Die Causa Köln wird derzeit zum Lehrstück, inwieweit sich selbst die akademische Theologie von Affekten und Meinungen leiten lässt. Beispiel Thomas Schüller: Noch bevor der Vatikan eine aktenkundige Entscheidung zum Fall Köln bekanntgegeben hat, übt der Münsteraner Kirchenrechtler Kritik. Schüller selbst lehrt an einem Institut, das derzeit nicht auf der Liste der von der römischen Bildungskongregation approbierten Institute und Fakultäten steht. Wie er ohne Aktenzugang urteilen kann, bleibt sein Geheimnis.

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