Würzburg

Pro & Contra zum Synodalen Weg: Gehen oder bleiben?

Nach dem Ausstieg des Kölner Weihbischofs Schwaderlapp aus dem Synodalforum zur Sexualmoral steht der Synodale Weg an einer Wegscheide.

Pro & Contra zum Synodalen Weg
Mit dem Ausstieg des Kölner Weihbischofs Dominik Schwaderlapp aus dem Synodalenforum „Leben in gelingenden Beziehungen“ steht einmal mehr die Frage im Raum, ob sich die weitere Teilnahme am Synodalen Weg rechtfertigen lässt. Foto: KNA

Mit dem Ausstieg des Kölner Weihbischofs Dominik Schwaderlapp aus dem Synodalenforum „Leben in gelingenden Beziehungen“ steht einmal mehr die Frage im Raum, ob sich die weitere Teilnahme am Synodalen Weg rechtfertigen lässt.

Schwaderlapp verteidigt seine Entscheidung, sich aus der Debatte um eine Reform der katholischen Sexualmoral zurückzuziehen, damit, dass die im Synodalforum mehrheitlich verfolgte Linie auf eine Veränderung der kirchlichen Sexualmoral abziele. Im Widerspruch zur geltenden kirchlichen Lehre vertrete die Forumsmehrheit die Ansicht, dass Sexualität nicht nur Fruchtbarkeit und Liebe, sondern auch andere Werte wie Lust und Identität integriere.
Schwaderlapp zeigt sich dagegen überzeugt, dass einzig die klassische Position der christlichen Sexualmoral „zur Freiheit, Liebe und Glück führt“. Die Position der Forumsmehrheit dagegen sei auf „Treibsand“ gebaut.

Für die „Tagespost“ diskutieren nun Rudolf Gehrig, der Chefkorrespondent fürs deutschsprachige Europa bei CNA Deutsch ist, und Dorothea Schmidt als Teilnehmerin des Synodalen Wegs die Optionen, die jenen Katholiken bleiben, die an der überlieferten katholischen Glaubenslehre festhalten wollen.

Gehrig plädiert für den Rückzug aus den Gremien des Synodalen Weges, während Schmidt für den Verbleib im Reformprozess der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken wirbt.

DT/ska

 

Pro: Hier gehe ich, und  kann nicht anders
Von Rudolf Gehrig

„Man muss mit den Leuten reden und ihnen zuhören, aber ändern wird sich an der Lehre nichts.“ – Dieser Satz, den ich im Vorfeld oft von Teilnehmern des Synodalen Weges hörte, könnte sich als Trugschluss erweisen. Mittlerweile ist klar, dass jener Flügel die Mehrheit hinter sich vereint, der den Synodalen Weg gezielt dafür nutzen möchte, elementare Punkte der Kirchenlehre basisdemokratisch zu ändern.

Kardinal Woelki hatte direkt nach der ersten Synodalversammlung verlauten lassen, dass ihn das ganze Prozedere an ein „quasi protestantisches Kirchenparlament“ erinnere. Die wütenden Reaktionen auf diese Äußerung zeigen ein Grundproblem: Obwohl die eigenwilligen Interpretationen der Lehre Christi in vielen Punkten bereits in der ein oder anderen protestantischen Denomination umgesetzt sind, möchten die sogenannten „Reformer“ gerade das nicht sein: Protestanten.

Was die Reformer nicht sein wollen: Protestanten

Dass es stattdessen um eine Veränderung der Katholischen Kirche von innen heraus geht, sollte jedem Beteiligten spätestens dann klar geworden sein, als festgelegt wurde, dass künftig auch über Punkte der Glaubenslehre abgestimmt (!) werden soll. Doch: Wie soll die Wahrheit den Menschen frei machen, wenn sie von Zweidrittel-Mehrheiten abhängig ist?

Teilnehmer, die sich um die Glaubenstreue der Kirche in Deutschland sorgen, wenden ein: „Aber wenn ich gehe, ist keiner mehr da, der diesem Blödsinn widerspricht“. Aber wie stellen sich die „Verteidiger des Lehramtes“ das in der Praxis vor? Wie man mit Sachargumenten umgeht, musste jüngst Bischof Voderholzer erfahren, der die Ergebnisse der MHG-Studie einer unabhängigen wissenschaftliche Untersuchungen unterziehen wollte. Sein Vorschlag wurde von der Versammlung niedergebügelt.

Wie also soll der Widerstand aussehen? Wer sich an den Abstimmungen beteiligt, legitimiert die Revolte – ein fatales Signal an jene Gläubigen, die am Lehramt der Kirche festhalten. Und am Ende? Tapfer für das Gruppenfoto lächeln und – „aber nur unter Protest!“ – die Unterschrift unter das Schlussdokument setzen?
Die Wahrheit zu suchen kann mühsam sein, sie zu finden ist jedoch oft schmerzhaft. Eine junge Frau hat das Dilemma bei der ersten Versammlung eindrucksvoll verdeutlicht, als sie sich darüber beklagte, dass sie teilweise gar nicht wisse, worüber gesprochen werde, da so viele theologische Fremdwörter vorkämen. Warum nutzen die Bischöfe ihre Ressourcen deshalb nicht lieber für die Gründung einer „Theologischen Taskforce“, die bei der Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen hilft? Warum über das Frauendiakonat in der Urkirche diskutieren, wenn wir nicht einmal mehr wissen, wer Christus war?

Die Versuchung, das Ganze einfach auszusitzen

Im Kampf um die Wahrheit gab Gott uns die Freiheit. Auch die Freiheit, einen Weg zu verlassen, der sich verirrt hat. Doch die Versuchung ist da, das Ganze einfach auszusitzen. Die Bischöfe wissen: Egal, was am Ende beschlossen wird, keiner ist gezwungen, davon auch nur eine Silbe in seiner Diözese umzusetzen. Denn in der Synodalordnung heißt es: „Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung. Die Vollmacht der Bischofskonferenz und der einzelnen Diözesanbischöfe ... bleibt durch die Beschlüsse unberührt.“

Doch wer weiß, wieviel Porzellan bis dahin schon zerschlagen sein wird. Darf es ein Bischof nach über zwei Jahren des produzierten Dauerdrucks noch wagen, die trügerischen Hoffnungen zu enttäuschen? Jene Gläubigen, die an der Lehre Christi festhalten, werden sich da vielleicht schon längst von ihren Hirten abgewandt haben. Vielleicht werden die Bischöfe im Rückblick sagen: „Ja, ich bin zwar dabei gewesen, aber immerhin habe ich dagegen gestimmt, doch leider keine Mehrheit gefunden!“

Oder sie handeln schon jetzt und sagen: „Hier gehe ich – ich kann nicht anders.“

 


Contra: Der Dialog bleibt sinnvoll
Von Dorothea Schmidt

Chapeau! Wenn ergebnisorientiert argumentiert und Reformforderungen primär persönliche Vorstellungen sowie der Zeitgeist zugrundegelegt werden, die dem Schöpferwillen Gottes entgegenstehen, dann kann das katholische Glaubensgut keine Verhandlungsmasse sein und man sollte den Hut nehmen. Das ist konsequent, dafür habe ich großes Verständnis und Sympathie. Zugleich lohnt es sich, an die Grenzen des Möglichen zu gehen, solange noch ein Streichholz brennt und Licht ins Glaubensdunkel bringen kann.

Ob jemand aus dem Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen“ aussteigt oder weiter bleibt, hängt auch von der persönlichen Aufgabe ab: Ein Weihbischof ist in einer anderen Position als eine Moraltheologin, die ihre Vorstellungen einbringen will, oder ein Diözesanbischof, der die Letztverantwortung für seine Diözese trägt und – wie im Fall von Bischof Stefan Oster – einer Jugendkommission vorsteht.

Chance zur Verkündigung von Glaubenswahrheiten

Die Bischöfe haben den Eid geleistet, das „Evangelium treu und unermüdlich zu verkünden“ und „das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut der Kirche rein und unverkürzt weiterzugeben“. Daran sind sie gebunden – und gewissermaßen gilt dieses Versprechen für jeden Getauften und jede Gefirmte. In diesem Sinn kann die Teilnahme an einem Forum auch als Chance zur Verkündigung der Glaubenswahrheiten verstanden werden: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet die Frohe Botschaft allen Geschöpfen.“ Dann kann der Dialog eine Möglichkeit bieten, Zeugnis zu geben für die Fülle des Glaubens und für die Zukunft der Kirche mit Christus im Mittelpunkt.

Gerade weil die Foren nicht paritätisch, sondern überwiegend mit Persönlichkeiten besetzt sind, die teils versucht sind, zielorientiert an verschiedenen Stellschrauben der katholischen Lehre zu drehen, braucht es Glaubenszeugen, die einen Kontrapunkt setzen. Es braucht die, die dem allzu offensichtlichen Bemühen der sich dem Zeitgeist andienenden Reformeifrigen mit der  Treue zu den ewigen, unverkürzt bezeugten Glaubenswahrheiten begegnen und so zum (Um)Denken animieren. Es braucht die, die darauf hinweisen, dass die frohe Botschaft vor allem den ganzen Glauben, die sich hingebende Liebe und vom Heiligen Geist inspirierte Hoffnung beinhaltet und nicht Priester-Ehe, Frauen-Weihe und eine oberflächlich verstandene Sexualität ohne Grenzen.

Solange es knirscht, kann der Dialog sinnvoll sein

Solange es knirscht auf dem Synodalen Weg, man im Sinne der Nachfolge Christi denken darf und die eigene Freiheit und Glaubensüberzeugung respektiert werden, solange kann es sinnvoll sein, den Dialog fortzusetzen. Dann besteht eine Chance, dass bei dem einen oder anderen eine innere Erneuerung stattfindet.
Diese Chance sehen einige Mitglieder mancher Foren durchaus. Wer weiß: Selbst, wenn nur ein Einziger berührt wird, hat das Licht nicht vergeblich geleuchtet.
Dafür braucht es Menschen, die andere im Gebet mittragen. Lange musste die Heilige Monika für die Bekehrung ihres Sohnes Augustinus beten, bis dieser als Bischof von Hippo ein bedeutender Heiliger und „Vater der Theologie Europas“ wurde. Genauso können Menschen in den Foren Glaubenszeugen an vorderster Front im Synodalen Weg sein und die Kirche mit ihrem (Gebets)Opfer durch die Zeit der Glaubensbedrängnis tragen. Dieses Opfer könnte der Samen sein, der irgendwann aufgeht und die Kirche lebendig, froh und wirksam aufblühen lässt, weil sie die Wahrheit Gottes in ihrer Mitte hat: Jesus Christus.

Erst, wenn die Einheit mit dem Papst zerstört und die Glaubensüberlieferung mehr und mehr verschüttet wird, wird auch für die letzten Glaubenszeugen die Zeit kommen, ein Zeichen zu setzen und zu gehen. Solange das Gespräch aber offen bleibt für die Erkenntnis der Wahrheit und ein fairer Dialog möglich ist, kann man hoffen. Diese Hoffnung stirbt zuletzt.

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