Rom

Papst: Nur wer dem Konzil folgt, ist katholisch

Eine Audienz für das Nationale Katechetische Büro der Italienischen Bischofskonferenz hat den Papst klare Worte bezüglich des Zweiten Vatikanums finden lassen. Und die Kirche Italiens schickt er in einen synodalen Prozess.

Papst Franziskus
Die Verkündigung von Papst Franziskus, dass sich die italienische Kirche auf den Weg einer nationalen Synode begeben soll, mag den italienischen Bischöfen nur so in den Ohren geklingelt haben. Foto: VATICAN MEDIA /CPP / IPA via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Dem „Osservatore Romano“ war das Diktum von Papst Franziskus so wichtig, dass er es in der Samstags-Ausgabe auf die Titelseite hob – mit der Überschrift: „Wer dem Konzil nicht folgt, steht nicht mit der Kirche“. Auch wenn etwas schräg formuliert – eigentlich steht man in der Kirche oder hinter ihr – ist die Aussage des Papstes klar: Das Zweite Vatikanum ist der Maßstab der Rechtgläubigkeit. Wer es in progressiver Gesinnung überholen oder ihm in traditionalistischer Verweigerung nicht folgen will, hat sich selbst aus der kirchlichen Gemeinschaft herauskatapultiert.

Nicht nur die Traditionalisten sind gemeint

Anlass der Klarstellung war eine Audienz für das Nationale Katechetische Büro der Italienischen Bischofskonferenz, das vor sechzig Jahren seine Arbeit aufgenommen hat. In Anwesenheit des Konferenzvorsitzenden, des von Covid-19 genesenen Kardinals Gualtiero Bassetti, sprach Franziskus über die Katechese und deren Bedeutung für die Zukunft, griff einen Satz von Paul VI. auf, der das Konzil 1966 als „großen Katechismus der neuen Zeiten“ bezeichnet hatte, um dann fortzufahren: „Das Konzil ist Lehramt der Kirche. Entweder stehst du mit der Kirche und folgst also dem Konzil, und wenn du dem Konzil nicht folgst und es auf deine Weise interpretierst, stehst du nicht mit der Kirche.“ In diesem Punkt „müssen wir anspruchsvoll und streng sein. Über das Konzil wird nicht verhandelt, um mehrere von ihnen zu haben ... Nein, das Konzil ist dieses eine“.

Und um klarzustellen, dass er nicht nur die Traditionalisten im Sinn hatte, wie sie einem in der Piusbruderschaft begegnen, fügte der Papst an: „Und das ist das Problem, das wir erleben, das der Trennschärfe hinsichtlich des Konzils, sie hat sich im Verlauf der Geschichte bei anderen Konzilien wiederholt. Ich denke dabei sehr an eine Gruppe von Bischöfen, die nach dem Ersten Vatikanischen Konzil weggegangen ist, eine Gruppe von Laien, Gruppen, um mit der ,wahren Lehre‘ weiterzumachen, die nicht die des Ersten Vatikanums war: ,Wir sind die wahren Katholiken‘. Heute weihen sie Frauen.“ Wieder ein kleiner Hinweis darauf, dass die Frauenweihe mit Papst Franziskus nicht zu haben ist.

Italiens Kirche soll sich auf den Weg einer nationalen Synode begeben

Bemerkenswert war, mit welcher Entschiedenheit Franziskus sprach, auch als er noch anfügte: „Das unnachsichtige Verhalten, den Glauben ohne das Lehramt der Kirche zu bewahren, treibt dich in den Ruin. Bitte, keine Konzessionen gegenüber denen, die eine Katechese vortragen wollen, die nicht dem Lehramt der Kirche entspricht.“ Und ebenso entschieden war er auch, als er in derselben Ansprache einen weiteren Punkt ansprach, der den italienischen Bischöfen nur so in den Ohren geklingelt haben mag: Dass sich die Kirche Italiens auf den Weg einer nationalen Synode begeben muss.

Franziskus erinnerte an die fünfte Nationalversammlung der Kirche Italiens im November 2015 in Florenz und zitierte einen Satz aus seiner Ansprache von damals: „Ich wünsche eine Kirche, die immer näher bei den Verlassenen, den Vergessenen, den Unvollkommenen ist ... Eine frohe Kirche mit dem Angesicht der Mutter, die versteht, begleitet, zärtlich ist.“ Und als ein „Muss“, nicht als Bitte oder Option, formulierte er am Samstag seinen Auftrag an die Bischöfe des Landes: „Nach fünf Jahren muss die Kirche Italiens zu der Zusammenkunft von Florenz zurückkehren, und sie muss einen Prozess der nationalen Synode beginnen, Gemeinde für Gemeinde, Diözese für Diözese: Auch dieser Prozess wird eine Katechese sein. Der Zusammenkunft von Florenz lag die eigentliche Intention zugrunde, den Weg dieser Synode zu gehen. Jetzt ist sie wieder aufzugreifen: Es ist der Augenblick. Und anzufangen, zu gehen.“

Kirche in Italien soll sich mehr den Vorstellungen des Papstes anpassen

Bisher waren die Bischöfe dem Wunsch des Papstes, der auch der Primas Italiens ist, immer ausgewichen. Den Vorschlag hatte bereits der Papst-Vertraute Pater Antonio Spadaro SJ im Februar 2018 in der Jesuiten-Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ formuliert. Im November 2019 hatte ihn das Blatt wiederholt. Die Bischöfe verwiesen auf ihr Mittelmeer-Treffen in Bari, das vor einem Jahr stattfand. Das hatte für sie Priorität. Doch jetzt hat Franziskus ein Machtwort gesprochen. Die Kirche Italiens soll sich auf synodale Wege begeben, um sich in ihrem Inneren und ihrem Auftreten nach außen mehr den Vorstellungen von Franziskus anzupassen. Bischöfe, die dabei mit dem Papst an einem Strang ziehen, gibt es inzwischen reichlich. Franziskus hat eine ganze Menge von ihnen ernannt.

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