Vatikanstadt

Nur Priester leiten die Gemeinde

Eine Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation stärkt die Rolle der Pfarrer. Sie stehen auch an der Hirtensorge beteiligten Diakonen, Gottgeweihten und Laien vor. Die Instruktion kam überraschend.

Messe in Bangui
Unterschiedliche Dienste und Ämter in der Pfarrei sollen keine Missverständnisse über die Leitungskompetenz fördern. Nun hat der Vatikan Klartext gesprochen. Foto: Jean-Matthieu Gautier (KNA)

 Der Pfarrer bleibt der Pfarrer und Leitungsteams mit Laien und Priester können ihn nicht ersetzen. So heißt es in der jüngsten Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation über die Umkehr der Pfarrgemeinde. 

Die deutschen Bischöfe zeigten sich überrascht. Auf der kommenden Sitzung des Ständigen Rats wollen sie sich über zunächst einmal darüber austauschen. Der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, konnte deswegen keinen Kommentar zu der offensichtlich unerwarteten Maßgabe aus Rom abgeben, die den Pfarrer an der Spitze der Gemeindeleitung belässt. Leitungsteams, in denen Laien neben den Priestern wirken und diese auch leiten könnten, wird es laut Kleruskongregation nicht geben. Und auch bei den Zusammenlegungen zu Großpfarreien ist Rom ausgesprochen restriktiv. Papst Franziskus hat das Dokument am 27. Juni dieses Jahres approbiert, die Spitze der Kongregation hat dann zwei Tage später am Hochfest Peter und Paul unterzeichnet. 

Dabei solle die Pfarrei so etwas wie
„ein Heiligtum“ sein, das daran erinnert,
„dass die Armen und die Ausgeschlossenen im Herzen der Kirche
immer einen bevorzugten Platz haben müssen“.

Pfarreien als Orte der Mission

Der Text unter der vollständigen Überschrift „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ stellt die Gemeinde ganz in den Gesamtrahmen der Evangelisation der Kirche: Die Pfarreien sind der gewöhnliche Ort, um „durch die Verkündigung des Glaubens und die Spendung der Sakramente das Evangelium den Menschen zu bringen“, und zwar „durch eine wirkliche und vitale Zusammenarbeit zwischen Priestern, Diakonen, Gottgeweihten und Laien“. Wenn die Pfarrgemeinde „nicht die der Evangelisierung innewohnende spirituelle Dynamik lebt, läuft sie Gefahr, selbstbezogen zu werden und zu verkalken“, mahnt die Instruktion. 

Dabei solle die Pfarrei so etwas wie „ein Heiligtum“ sein, das daran erinnert, „dass die Armen und die Ausgeschlossenen im Herzen der Kirche immer einen bevorzugten Platz haben müssen“. In dem Prozess der Erneuerung und der Neuordnung, den die Gemeinden durchlaufen, „muss die Pfarrei die Gefahr vermeiden, einer exzessiven Bürokratie und Servicementalität zu verfallen, die nicht die Dynamik der Evangelisierung, sondern das Kriterium des Selbsterhalts aufweisen“. 

Deutsche Entwicklungen angesprochen

Auch wenn die Instruktion die ganze Weltkirche im Blick hat, spricht sie dennoch einige deutsche Entwicklungen an. Sie wendet sich gegen eine „Klerikalisierung der Pastoral“: Die Sendung, die die Pfarrei als pulsierendes Zentrum der Evangelisierung habe, betreffe das ganze Volk Gottes in seinen verschiedenen Teilen: die Priester, die Diakone, die Gottgeweihten, die Gläubigen, alle gemäß ihren Charismen und der entsprechenden Verantwortung. Da sind zum einen die Zusammenschlüsse von Pfarreien. Sie können föderativ erfolgen, auf diese Weise würden die zusammengeschlossenen Pfarreien ihre unterschiedliche Identität bewahren. Aber es gebe auch wirkliche Fusionen und Aufhebungen von Pfarrei. Diese habe nach dem im kanonischen recht vorgesehenen Normen zu geschehen. Dann muss der Ortsbischof „für jede Pfarrei, die er aufheben möchte, ein spezifisches mit entsprechenden Begründungen versehenes Dekret erlassen“. Als Gründe für die Aufhebung einer Pfarrei lässt die Instruktion einen „Mangel an Klerikern in einer Diözese“, die Zahl der Gläubigen oder die fehlende finanzielle Unabhängigkeit nicht gelten. 

Laien können Priester nicht ersetzen

Laut der Instruktion, die bestehendes kanonisches Recht nochmals organisch zusammenfasst und erklärt, kann kein Laie den Pfarrer bei der Gemeindeleitung ersetzen. Das Amt des Pfarrers könne „nicht einer aus Klerikern und Laien bestehenden Gruppe übertragen werden“. Daher seien Bezeichnungen wie „Leitungsteam“, „Leitungsequipe“ oder ähnliche Benennungen, die eine kollegiale Leitung der Pfarrei zum Ausdruck bringen könnten, zu vermeiden. „Wegen Priestermangels oder anderer Umstände kann aber die Sorge für mehrere benachbarte Pfarreien demselben Pfarrer anvertraut werden“, heißt es in dem Dokument. Wenn der Pfarrer ernannt worden sei, bleibe er „mit allen Rechten und mit der gesamten Verantwortung im vollen Besitz der ihm anvertrauten Funktionen, bis er sein pastorales Amt rechtmäßig beendet hat“. In „problematischen pastoralen Situationen“ kann der Pfarrer Diakone, Gottgeweihe oder Laien an der Ausübung der Hirtensorge beteiligen. Dann bleibt aber der Priester „Moderator der Hirtensorge“ und ausschließlich „ihm kommen die Vollmacht und die Funktionen des Pfarrers mit den entsprechenden Pflichten und Rechten zu, obwohl er dieses Amt nicht innehat.“ 

 

 

Illegitim und nicht ihrem kirchlichen Stand entsprechend seien laut Instruktion im Hinblick auf die genannten Laien und Diakone Formulierungen wie „übertragen der Hirtensorge einer Pfarrei“, „die Pfarrgemeinde leiten“ und andere ähnliche, die sich auf die Eigenart des priesterlichen Dienstes, die dem Pfarrer zusteht, beziehen. Als passender erschienen beispielsweise die Bezeichnungen „diakonaler Mitarbeiter“ und für die Gottgeweihten und die Laien „Koordinator für ... (einen pastoralen Teilbereich)“, „pastoraler Mitarbeiter“, „pastoraler Assistent“ und „Beauftragter für … (einen pastoralen Teilbereich)“. 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .