Koblenz

Norbert Martin: Lehrer im Dienst Johannes Pauls II.

Mit Norbert Martin verliert die katholische Kirche in Deutschland einen bedeutenden Vermittler der „Theologie des Leibes“.

Norbert Martin
Wie kaum ein zweiter hat sich Norbert Martin wissenschaftlich lehrend und forschend sowie praktisch-konkret für das katholische Ehe- und Familienverständnis weltweit eingesetzt. Foto: Archiv

Papst Johannes Paul II. vertraute ihm und schätze ihn sehr: als leidenschaftlichen Wissenschaftler, als gläubigen Katholiken, als Person, die sich brennend für Ehe und Familie interessiert und engagiert. Nicht von ungefähr berief er das Ehepaar Norbert und Renate Martin 1980 als Laienauditoren zur Welt-Bischofssynode über die Familie nach Rom. Seit 1981 waren beide, Norbert und Renate Martin, Mitglieder des Päpstlichen Rates für die Familie, einer Institution, die 2016 im Rahmen der Kurienreform in das neue Dikasterium für Laien, Familie und Leben einging.

Vielmehr Lebemeister als Lesemeister

Norbert Martin starb am 18. Juni 2020 um drei Uhr nachmittags im Kreise seiner Familie und gestärkt durch die Sakramente der Kirche. Wie kaum ein zweiter hat er sich wissenschaftlich lehrend und forschend sowie praktisch-konkret für das katholische Ehe- und Familienverständnis weltweit eingesetzt. Er rekurrierte dabei immer wieder auf die Ehe- und Familienlehre des heiligen Papstes. Mehr noch, er studierte und internalisierte so sehr die Theologie des Leibes nach Johannes Paul II., dass er ihn in einem seiner wissenschaftlichen Artikel kurzerhand, aber mit guten Argumenten zum „Papst der Familie“ erhob.
Geboren wurde Norbert Martin 1936 in Herschbach im Westerwald. Er studierte Germanistik, Katholische Theologie und Christliche Soziallehre an den Universitäten Münster und Freiburg. Nach seinem Staatsexamen erwarb er bei Joseph Höffner das Diplom in Christlicher Soziallehre und nahm ein Promotionsstudium in Soziologie, Philosophie und Pädagogik in Münster, Freiburg, Bochum und an der Universität des Saarlandes auf. 1967 wurde er mit einer religionssoziologischen Arbeit zum Dr. phil. promoviert. Unter dem Titel „Der Ordenspartisan“ untersuchte er aus soziologischer Sicht die Säkularinstitute der katholischen Kirche.

Als Norbert Martin dem Gründer der Internationalen Schönstattbewegung, Pater Joseph Kentenich (1885–1968), seine Doktorarbeit offerierte, rief dieser ihm das Diktum Meister Eckharts in Erinnerung: Wir müssen nicht so sehr Lesemeister, als vielmehr Lebemeister werden!

Und genau darum ging es Norbert Martin bei aller Wissenschaftlichkeit vor allem: um das Leben. Von 1971 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 hatte er den Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Koblenz-Landau inne. Doch verkroch er sich keineswegs im wissenschaftlichen Elfenbeinturm. Vielmehr betätigte er sich vierzehn Jahre lang nicht nur als wissenschaftlicher Berater im „Arbeitskreis Ehe und Familie“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sondern engagierte sich mit seiner Frau vor allem im Schönstatt-Familienbund.

Im Schönstatt-Familienbund engagiert

Das Ehepaar Martin gehört mit seinen vier Kindern zum elften Kurs dieser Familiengemeinschaft in Deutschland. Renate und Norbert standen dieser von 1994 bis 2005 als Bundesführerfamilie vor. Beim ersten Generalkapitel des Internationalen Apostolischen Schönstatt-Familienbundes 2005 wurden sie zur ersten Internationalen Führerfamilie gewählt und trugen als Mitglieder des Generalpräsidiums, der Versammlung der Leitungen der Schönstatt-Gemeinschaften, Mitverantwortung für das gesamte Internationale Schönstattwerk.

Das Leitungsamt im Internationalen Schönstatt-Familienbund hatten Norbert und Renate Martin bis zum zweiten Generalkapitel im Jahr 2009 inne. Ihre Aufgabe führte sie bei vielen Auslandsreisen in Europa nach Österreich und Polen, in Südamerika nach Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Paraguay und Puerto Rico sowie nach Mexiko und in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Anlässlich solcher Reisen hielt Professor Martin stets auch Gastvorträge an verschiedenen lateinamerikanischen Universitäten über „Ehe und Familie“ generell und die „Theologie des Leibes nach Johannes Paul II.“ speziell. Von der Universität Buenos Aires erhielt er für sein Engagement die Verdienstmedaille.
Zwölf Jahre lang war Norbert Martin als ständiger Gastprofessor am Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie der Lateran-Universität in Rom tätig. Außerdem lehrte er als Gastprofessor an der Theologischen Hochschule (Groote Seminar) in Kerkrade (NL) und war sechs Jahre Vizepräsident des dortigen „Wissenschaftlichen Instituts für Ehe und Familie“. Bis vor einem Jahr lehrte er auch noch regelmäßig im Rahmen des Studiengangs „Theologie des Leibes“ an der Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien. Norbert Martin wusste, was er sagte. Überhaupt sagte er – privat wie öffentlich – stets das, was er meinte, und wer ihn kannte, wusste: Er lebte, was er lehrte.

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