Würzburg

Neue Heimat, große Freiheit

Andreas ist Agnostiker. Als er seine Frau kennenlernt, beginnt er, sich mehr mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Und dann verändert ein Wochenende sein Leben.

Skyline von Wien
Das größte Geschenk: Obwohl er sich das früher nie hätte vorstellen können, hat Andreas Schritt für Schritt in der katholischen Kirche Heimat gefunden. Foto: adobe.stock

Der Besuch der heiligen Messe, das Rosenkranzgebet, regelmäßig zur Beichte gehen. Wenn jemand vor einigen Jahren versucht hätte, mir die Schönheit dieser Dinge zur erklären, so wäre meine Meinung dazu gewesen, dass das doch nur etwas für alte Omas in der ersten Kirchenbank ist. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass diese Dinge für mich nicht nur selbstverständlich, sondern auch ein unglaublicher Schatz sein werden.

„Von einem aktiven Glaubensleben weit entfernt“

Die ersten guten 20 Jahre meines Lebens war ich Agnostiker und hatte mit der Kirche zwar ein paar Berührungspunkte, war aber von einem aktiven, praktizierenden Glaubensleben sehr weit entfernt. Dann habe ich meine Frau kennengelernt, die aus einer sehr katholischen Familie kommt, und ihr zuliebe habe ich begonnen, mich mit Gott und dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. Zu Beginn des Jahres 2016, als ich gerade von meinem Auslandssemester in Kanada zurückgekommen war, haben meine Frau und ich von katholischen Exerzitien erfahren, bei denen unter anderem auch um Heilung von Krankheiten und Verletzungen gebeten werden sollte. Da ich infolge eines Sportunfalls schon länger Rückenschmerzen hatte und schon vieles ausprobiert hatte, dachte ich: Warum nicht auch das probieren? Dass sich mein Leben nach diesem Wochenende grundlegend verändern sollte, davon hatte ich nichts geahnt.

Ich wusste ja nicht einmal genau, was katholische Einkehrtage oder Exerzitien überhaupt sind und dementsprechend hatte ich auch wenig Vorstellungen, was dort passieren würde. Die vielen Vorträge, Gebete und die tägliche Heilige Messe waren für mich zu Beginn sehr überfordernd. Aber die offensichtlich tiefe Liebe und Hingabe an Gott haben mich sehr beeindruckt. Ich habe gesehen, wie der Heilige Geist Leute buchstäblich umgehauen hat und Menschen behauptet haben, Jesus hätte sie von ihren Krankheiten geheilt. Ich habe Gottes Gegenwart wie nie zuvor erlebt.

Ich wurde einerseits mit der Liebe und Allmacht Gottes und andererseits auch mit meiner eigenen Sündhaftigkeit konfrontiert. In den Vorträgen habe ich gehört, dass Pornografie, Selbstbefriedigung und vorehelicher Geschlechtsverkehr sündhaft sind und wir damit Gott verletzen und uns selbst schaden.

„Ich war an einem Scheideweg angelangt“

Zuerst konnte ich das nicht fassen, doch Gott hat mir an diesem Wochenende die Gnade der Erkenntnis meiner Sünden geschenkt und ich wusste, dass ich mein Leben ändern musste. Ich war an einem Scheideweg angelangt. Wenn Jesus Christus wirklich der ist, der er vorgab zu sein, und wenn der biblische Gott tatsächlich existiert, so wollte ich ihm mein gesamtes Leben weihen und ich konnte nicht weiter im Kompromiss mit der Sünde leben. Und so ging ich zum ersten Mal seit meiner Erstkommunion zur Beichte und ich durfte die heilende Gnade Jesu erleben. Ich habe bei diesen Einkehrtagen die Heilung meiner Schmerzen gesucht, doch stattdessen habe ich etwas noch viel Wichtigeres gefunden, nämlich die Heilung meiner Seele.

Ich hatte mich also dazu entschlossen, Jesus aufrichtig nachzufolgen und mein Bestes zu geben, um als authentischer katholischer Christ zu leben. Doch vor allem die sexuellen Sünden (Pornografie, Selbstbefriedigung, Verhütung, Unkeuschheit et cetera) haben mir nach wie vor sehr zu schaffen gemacht und es war nicht leicht, von ihnen loszukommen. Die Lehre der Kirche ist, vor allem im Bereich der Sexualmoral, so stark gegensätzlich zu unserer modernen Kultur, dass ich bei diesen Fragen lange kein Verständnis dafür finden konnte. Ebenso habe ich jahrelang mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen gekämpft und auch diesbezüglich mit Gott gehadert. Doch über die Jahre habe ich gelernt, Gott und der Lehre seiner Kirche zu vertrauen und mich eindringlich zu bemühen, auch die Gebote zu halten, die ich nicht verstehe und auch inmitten des Leides die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu suchen.

Andreas W.
Andreas W., 26 Jahre, studiert Wirtschaftspädagogik in Wien. Foto: privat

Und Gott hat mein Vertrauen nach und nach mit immer mehr Verständnis und Einsicht belohnt. Heute vermag ich, durch Gottes große Gnade die Freiheit zu erkennen, die in der Einhaltung seiner Gebote und in einer aufrichtigen Nachfolge Christi liegen. Auch mein Leiden und meine gesundheitlichen Probleme konnte ich mehr und mehr in Demut annehmen und auch darin die Liebe Gottes erkennen, der mich gerade in meiner Schwäche liebt und für mich sorgt.
Jesus hat mich vor Sünde und Verzweiflung gerettet und die katholische Kirche ist meine Heimat geworden. Dies ist das größte Geschenk, das ich jemals erhalten habe. Deo gratias!

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