Würzburg

Mediziner setzen sich für die Mundkommunion ein

Die traditionelle Form der Kommunionspendung wurde von den Bischöfen gebannt. Doch war diese Corona-Maßnahme auch berechtigt und medizinisch geboten?

Mundkommunion  ist die übliche Form der Spendung der Eucharistie
Die Mundkommunion ist die übliche Form der Spendung der Eucharistie. Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Mit dem Beginn der Maßnahmen anlässlich der Coronapandemie wurde in Deutschland und Österreich die bis dahin allein durch ein Indult mögliche Handkommunion zur einzig erlaubten Form des Kommunionempfangs erklärt. Als Begründung für diese Maßnahme wurde eine erhöhte Infektionsgefahr durch die Mundkommunion angeführt. Genau dies wird nun von einer Reihe von Medizinern infrage gestellt. Nachdem sich am Fronleichnamsfest bereits in Österreich Ärzte in einer öffentlichen Petition an die dortige Bischofskonferenz gewandt hatten, ergriffen nun auch in Deutschland 27 Mediziner die Initiative und formulierten im Vorfeld der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz die Bitte um Aufhebung des Verbots der Mundkommunion durch ihre Oberhirten. In der Stellungnahme, die sowohl den Diözesanbischöfen persönlich als auch der Bischofskonferenz per Einschreiben zuging, betonen die Unterzeichner, deren Namen der Redaktion vorliegen, dass sie keine medizinischen Gründe für diese Maßnahme sehen und angesichts des Gewissenskonflikts, der deshalb für viele Gläubige besteht, um deren Beendigung bitten.

Auf der fachlichen Ebene stützen sich die Mediziner auf die Stellungnahme von Experten, darunter einen in der Covid-Krisenintervention tätigen Mediziner und den Münchener Virologen Michael Roggendorf. Deren Einlassungen machen deutlich: Sowohl die Hände als auch der Mund der Kommunikanten tragen Viren und Bakterien. Zwar ist seit der Wiederzulassung von öffentlichen Gottesdiensten die Desinfektion der Hände beim Betreten der Kirche Pflicht. Schon ein kursorischer Blick in die Praxis zeigt aber, dass diese nicht einmal ansatzweise flächendeckend durchgeführt wird.

Spender wird bei Handkommunion stärker gefährdet

Und auch nach einer Handdesinfektion bleiben die Hände der Kirchenbesucher nicht keimfrei, da sie unwillkürlich beim Sitzen und Knien in Kontakt mit den Kirchenbänken kommen. Der Empfang der Kommunion in der Hand kann daher nicht als sichere hygienische Alternative bezeichnet werden. Eine versehentliche Berührung durch den Kommunionspender ist sowohl bei der Mund- als auch bei der Handkommunion nicht auszuschließen. Erfahrenen Kommunionspendern gelingt es in der Regel aber, diese zu vermeiden. Eine Unterbrechung der Kommunionspendung nach einer Berührung zwecks Handdesinfektion ist in beiden Fällen möglich. Die Gefahr einer Tröpfcheninfektion ist bei der Mundkommunion geringer als bei der Handkommunion, da bei der Öffnung des Mundes natürlicherweise leicht eingeatmet wird. Zudem besteht bei der kniend empfangenen Mundkommunion ein größerer Abstand zwischen Empfänger und Spender der Kommunion. Da der Kommunionempfänger auch bei der Handkommunion atmet, dem Kommunionspender dabei aber direkt gegenübersteht, ist dieser durch die Spendung der Handkommunion stärker gefährdet als bei der Spendung der Mundkommunion, weshalb in einer der den Bischöfen vorliegenden Stellungnahmen der kniende Kommunionempfang aufgrund der größeren Sicherheit in jedem Fall, also auch bei der Spendung der Handkommunion empfohlen wird.

Die Mediziner weisen außerdem darauf hin, dass bei einer Eucharistiefeier im traditionellen Ritus, bei dem die Handkommunion nicht vorgesehen ist, die Hygienevorschriften besonders streng sind. Die gründliche Reinigung der Hände des Priesters ist hier nicht den hoffentlich guten Manieren des Zelebranten überlassen, sondern fester Bestandteil der vorbereitenden Riten. Außerdem ist in diesem Ritus von jeher sichergestellt, dass nur der Priester Kelch, Patene und Hostienschale berührt. Die liturgisch vorgeschriebene Handhaltung im ordo vetus – nach der Wandlung hält der Priester Daumen und Zeigefinger geschlossen, berührt also damit nichts mehr außer der geweihten Hostie – trägt zusätzlich zu mehr Sicherheit und Hygiene beim Kommunionempfang bei.

Übertragungsgefahr durch die Mundkommunion ist minimal

Ein weiteres Argument für die Wiederzulassung der Mundkommunion ist die Tatsache, dass die ordentliche Form des Kommunionempfangs in der Schweiz nicht verboten wurde, ohne dass es dort deshalb zu massenhaften Corona-Infektionen kam. In den Stellungnahmen verweisen die befragten Mediziner außerdem auf die Kirchengeschichte, in der die Mundkommunion durchgängig praktiziert wurde. Hätte dies zu massiven Infektionsausbrüchen geführt, würde es hierzu historische Berichte geben. Tatsächlich bewerten die Experten die Übertragungsgefahr durch die Mundkommunion auch bei anderen Erkrankungen wie Grippeviren und Meningokokken als äußerst gering, da etwaig übertragene Viren durch den Vorgang des Schluckens schnell beseitigt würden.

Fazit: Das Verbot der Mundkommunion ist in der Summe der Argumente unnötig, unverhältnismäßig und als unnötige Einschränkung zu bewerten. Es sollte daher baldmöglichst zurückgenommen werden. Eine Stellungnahme der deutschen Bischöfe lag zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht vor.

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