Bad Gögging

In der Einsamkeit erkennen wir die Nähe Gottes

Die zweite GiG-Konferenz fand in Bad Gögging statt. Trotz äußerer Distanz war die Nähe im Gebet spürbar. Gäste wie Sängerin Bernarda Bruno oder Bischof Oster ermutigten durch ihr ehrliches Zeugnis. Dieses Mal herrschten besondere Bedingungen.

GiG-Konferenz
Die GiG-Konferenz wurde durch eucharistische Anbetung vertieft. Foto: Romano Casanova

Die Leute betreten nacheinander den Saal. Es wird nicht viel miteinander geredet, es wird Abstand gehalten, die Masken bleiben den ganzen Tag auf. Statt Gemeinschaft ist die Veranstaltung eher von Distanz geprägt. „Aber ich glaube, gerade darin, dass weniger Gemeinschaft spürbar ist, liegt die Chance, zum Wesentlichen zurückzukommen“, sagt die 25-jährige Teilnehmerin Maria Berktold aus dem Allgäu.

In Beziehung treten

Die GiG-Konferenz 2020 in Bad Gögging steht unter dem Motto „Erlebe die Schönheit des Glaubens“. Als eine der sieben Schönheiten der Glaubenswahrheiten bezeichnet Pater Karl Wallner aus Heiligenkreuz das in-Beziehung-Treten Gottes mit den Menschen: „Der transzendente Gott geht ins Gegenteil seiner selbst; der Unendliche geht ins Endliche. Religion ist die Suche des Menschen nach Gott. Im Christentum sucht Gott die Menschen.“ Als wichtigste Chance, diese Glaubenswahrheiten und -schönheiten neu in das Zentrum der Kirche zu rücken, sieht Pater Karl Wallner aus Heiligenkreuz das persönliche Zeugnis. „Nirgendwo lernst du mehr für dich selber, als wenn du reden musst, wenn du etwas auf den Punkt bringen musst. Es wäre mir so ein Anliegen, dass wir von einer stummen Kirche zu einer missionarischen und verkündigenden Kirche kommen.“

Nachmittags geht es mit einem Auftritt der blinden Sängerin Bernarda Bruno aus der Schweiz weiter. Die 27-Jährige belegte vor zwei Jahren den zweiten Platz bei „The Voice of Germany“, zuletzt schrieb sie einen Song zum Thema Lebensschutz. Mit den Stücken „The rock that doesn't roll“ von Larry Normann und dem selbstgeschriebenen Song „No one can compare“ begeistert sie die Teilnehmer. Ihre donnernde Stimme geht unter die Haut, sie erschüttert fast schon. Man merkt, dass die junge Frau sich ausschließlich über ihre Stimme ausdrückt.

Talente kommen von Gott

Obwohl Bruno selbst leidenschaftlich Musik macht, sieht sie im Musikbusiness auch die Gefahr der Vergötterung der Künstler. „Klar kann man die Menschen für ihre Talente bewundern. Man darf aber nie vergessen, dass die Talente von Gott kommen. Die Künstler haben das Privileg, die Herrlichkeit Gottes in sich zu tragen, aber auch die Aufgabe, den Fans klarzumachen, dass wir alle auch nur Menschen sind.“ Gerade die Corona-Krise zeige, wie schnell den sogenannten „Kings/ Queens of Pop“ der Thron entrissen werden könne. „Aber an uns liegt es, keine Angst zu haben, denn wir wissen, wer die Krone trägt: Nicht das Corona-Virus, nicht die Leute, die Macht haben in dieser Welt, sondern Jesus Christus.“


Die Konferenz steht auf Youtube in voller Länge zur Verfügung:


Begeisterung für den Glauben

Den Menschen diese Hoffnung, das Feuer des christlichen Glaubens weiterzugeben ist auch das Anliegen von Ingrid Wagner, Leiterin des Referat für Neuevangelisierung in Passau. Sie strahlt vor Freude, ihre positive Ausstrahlung ist beinahe greifbar. Wagner hat bereits für die Jugend2000 im bischöflichen Jugendamt gearbeitet, sie ist außerdem Leiterin des Adoratio-Kongresses in Altötting. Doch diese Begeisterung für den christlichen Glauben hatte die Leiterin des Referat für Neuevangelisierung nicht immer. Obwohl sie in einer katholischen Familie aufgewachsen war, verlor der Glaube in ihrer Jugend an Bedeutung für sie, Partys waren ihr lieber als die heilige Messe.

Leben mit Gott

Als eine Freundin ihr erzählte, dass sie ins Kloster eintreten würde, war sie regelrecht geschockt. „Ich habe mich gefragt, wie man so etwas tun kann.“ Auf Empfehlung ihrer Freundin ging sie aber zum Weltjugendtag 1993 nach Denver mit über 600 000 Jugendlichen. „Als ich dort war, dachte ich: Entweder die spinnen alle oder ich. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass diese jungen Gläubigen ihr Leben entschieden mit Gott leben und ich nicht.“ Als Wagner sich nach langem Ringen entschieden hatte, zur Beichte zu gehen, verstand sie, „dass es da jemanden gibt, der mich so mag, wie ich bin und der mir auch das verzeiht, was ich schlecht gemacht habe in meinem Leben.“

Nähe und Trost

Diese Erfahrung der Annahme und der Nähe Gottes konnten die Teilnehmer zuletzt ganz persönlich in der Messe und in der Anbetung machen, denn „in dieser Gabe, in diesem Stück Brot, gibt Gott sich ganz als der Geber, der in der Gabe ganz gegenwärtig ist“, betont Bischof Stefan Oster SDB aus Passau. Ebenso wie am Kreuz zeige Gott in der Eucharistie, dass er sich frei schenke ohne Bedingungen, ohne Gegenleistungen zu erwarten. „Aber du wirst tiefer du selbst, wenn du diese Gabe so annimmst, wie er sie gedacht hat.“

Denn gerade in Zeiten der Einsamkeit und des Leidens entfaltet sich die Schönheit unseres Glaubens: Dass wir einen Gott haben, der keine Distanz, sondern nur Nähe kennt, der Trost spendet in Schwierigkeiten und der sich uns ganz schenkt.

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