Vatikanstadt

Im Blickpunkt: Danke, Heiliger Vater, für das Josefsjahr!

Als Vorbild für eine Erneuerung der Kirche eignet sich der Hl. Josef für eine Wende zum Guten. Denn markanter könnte das Kontrastprogramm zu manchen "Reformprojekten" kaum ausfallen. Die Vorliebe des Papstes für die volkstümliche Verehrung des heiligen Josef als Patron der Sterbenden leuchtet auf. Das entspricht dem Gebot der Seelsorge in Zeiten, in denen die Angst vieler Alter und Kranker wächst.

Heilige Familie
Es geht Papst Franziskus um mehr als Lebenshilfe wider die gedrückte Stimmung. Wer sich mit Gebet und guten Taten engagiert, um mit der Hilfe des heiligen Josef Linderung von den schweren Plagen der Menschheit zu erhalten, arbeitet auch an sich und legt das Fundament zu einer ech... Foto: Philippe Lissac / Godong via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Die Überraschung ist perfekt: Mit einem Josefsjahr ruft der Heilige Vater die Gläubigen dazu auf, der Corona-Krise aktiv entgegenzutreten statt trüben Gedanken nachzuhängen. Anlass des Schreibens „Patris corde“ ist der 150. Jahrestag der Erhebung des heiligen Josef zum Schutzpatron der Kirche im Jahr 1870 durch Pius IX.. Es geht Papst Franziskus um mehr als stimmungsaufhellende Lebenshilfe wider die die allgemein gedrückte Stimmung. Wer sich mit „Gebet und guten Taten“ engagiert, um mit der Hilfe des heiligen Josef „Trost und Linderung von den schweren Plagen der Menschheit und Gesellschaft zu erhalten, die aktuell die Welt peinigen“ arbeitet auch an sich und legt das Fundament zu einer echten Umkehr.

Die Bekehrung des Einzelnen bleibt die entscheidende Voraussetzung für jede echte Reform der Kirche. Als Vorbild für eine Erneuerung der Kirche eignet sich der Nährvater Jesu jedenfalls für eine Hundertachtzig-Grad-Wende zum Guten. Die Evangelisten überliefern zwar kein Wort von ihm, beschreiben aber, wie er sein Leben in absoluter Treue zum Willen Gottes führt. Markanter könnte das Kontrastprogramm zu manchen geschwätzig anmutenden Reformprojekten kaum ausfallen.

Bedeutung der Sterbestunde

Die Handschrift des Papstes leuchtet in dem Dekret auf, als er auf die volkstümliche Verehrung des heiligen Josef als Patron der Sterbenden anspielt: Das Gebet um die gute Sterbestunde hat auch unter praktizierenden Gläubigen an Bedeutung verloren, kann aber die Not der Zeit lindern. Josef als Patron der Sterbenden wieder in den Blick zu rücken entspricht dem Gebot kluger Seelsorge in Zeiten, in denen die begründete Angst vieler Alter und Kranker wächst, ihre letzten Stunden auf dieser Erde völlig allein durchstehen zu müssen. Die gut gemeinte Betriebsamkeit in vielen Pfarreien räumt dem Gebet für die Sterbenden, einem klassischen Werk der christlichen Barmherzigkeit, in der Regel weniger Zeit ein als der Umsetzung der Schutzmaßnahmen vor der Ansteckung. Die Bedeutung der Sterbestunde wird damit unterschätzt. Mit guten Gründen gewährt die Kirche im Josefsjahr eigene Ablässe.

Doch nicht nur das Stichwort „Ablass“ ist es wert, über Josef intensiver nachzudenken. Während Papst Franziskus die fromme Vermutung äußert, „in jedem Gebetbuch“ fänden sich einige Gebete zum heiligen Josef, entpuppt sich hierzulande ein Blick in den Stammteil des neuen Gotteslobs in puncto Josef als Enttäuschung. Auch die im Schreiben „Patris corde“ erwähnte Praxis, jeden Mittwoch, insbesondere während des gesamten Monats März, besondere Bittgebete an den heiligen Josef zu richten, verdient ein Comeback.

Rückkehr der Josefsverehrung in die deutsche Kirche

Dass die in deutschsprachigen Ordinariaten und Fakultäten maßgeblichen Stimmen die Josefsverehrung offensichtlich nicht auf dem Radar haben, kommt allerdings nicht von ungefähr. Ganz im Gegensatz zum spanisch- und englischsprachigen Raum fehlt dem Heiligen nördlich der Alpen ein Platz in der akademischen Theologie. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, spielen deutschsprachige Theologen und Publikationen bei den alle vier Jahre stattfindenden wissenschaftlichen Josefskongressen keine Rolle. Über die fragwürdige Vorstellung, das akademische Schweigen über den Nährvater Jesu sei der in der Heimat Luthers obligatorische Tribut an die evangelische Seite, sollte aber um der Ökumene mit den Orthodoxen willen freimütig diskutiert werden. Im Josefsjahr darf diese Engführung katholischer Theologie in Deutschland klar zur Sprache gebracht werden – dem Heiligen Vater sei Dank.

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.