Fulda

Corona Weltjugendtag: Fest des Glaubens in Zeiten des Lockdowns

Anstelle der üblichen Diözesanen Weltjugendtage fand dieses Jahr nur ein "Corona Weltjugendtag" statt: Die GiG-Konferenz. Der Initiator der Veranstaltung, Pater Paulus Maria Tautz, möchte mit der Konferenz den Weg für den geistlichen Aufbruch in der Kirche bahnen.

GiG Konferenz Fulda
Das Unmögliche wurd einmal mehr möglich gemacht: Trotz des Lockdowns fand in Fulda vergangenes Wochenende die GiG (Gott ist gut) Konferenz statt. Auch die blinde Sängerin und ehemalige "The Voice of Germany" Kandidatin war wieder mit dabei. Foto: Amadeus Kuhn ama.derkuhn@web.de

Trotz des Corona-Lockdowns hat nach einem halben Jahr Vorbereitung die GiG (Gott ist gut)-Konferenz in Fulda am Vorabend des Palmsonntag Jugendliche, junge Familien und Geistliche begeistert. Unter der Leitung von Pater Paulus–Maria Tautz von den Franziskanern der Erneuerung stellten siebzig junge Leute ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine. Von Konzerten über die Vorstellung verschiedener Initiativen bis zur „Holy Hour“ mit Bischof Michael Gerber spannte sich ein Bogen um die Heilige Messe.

Weg aus der Krise aufzeigen

Traditionell ist der Palmsonntag der kleine Weltjugendtag, der in den Diözesen weltweit begangen wird. In diesem Jahr sind die Feiern ausgeblieben, doch mit der großzügigen Unterstützung des Bistums Fulda mit ihrem Jugendpfarrer Alexander Best konnte hier eine Alternative geboten werden, die zumindest über Radio Horeb und das Internet viele Interessierte ansprechen konnte. Pater Paulus freut, dass viele junge Leute und auch Priester und Ordensleute mit dem Engagement ein Zeichen für einen geistlichen Aufbruch in der Kirche setzen wollen – nach allen Skandalen und den nicht abreißenden Debatten um die innerkirchlichen Debatten um den Zölibat, Sexualmoral oder den Synodalen Weg. Er möchte einen Weg raus aus der Krise weisen.

Gegenüber der Tagespost stellt er fest, dass viele junge Menschen eigentlich nur von der Kirche erfahren wollten, wie sie denn ein christliches Leben führen könnten. Dagegen vergeudeten die meisten innerkirchlichen Debatten lediglich Zeit und Energie. „Wir zeigen den Weg“, so zeigt sich Pater Paulus überzeugt.

Nicht die Selbsterhöhung wird die Kirche voranbringen

Fernab der bedauerten „Gottvergessenheit“ setzen seine Mitarbeiter Gegenakzente – vor allem die auftretende Sängerin Bernarda Brunovic, die von ihrer Gotteserfahrung singt: „Um das zu realisieren braucht es natürlich Demut und es gibt diese schöne Stelle im Evangelium, wer sich erhöht wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt wird erhöht werden – wir brauchen nicht diese Selbsterhöhung, er will uns erhöhen zu unserer wahren Größe, zu der wir berufen sind.“

Mit der Filmemacherin Nathalie Saracco gab eine junge Französin von ihrer wundersamen Errettung aus einem fatalen Verkehrsunfall Zeugnis – die Anlass zur Bekehrung einer Freundin wurde, die auf dem Beifahrersitz saß. Schwester Clarissa von den Schwestern der Johannesgemeinschaft übersetzte das Zeugnis von der Nahtoderfahrung, die Nathalie Saracco in die Nähe des Herzens Jesus führte: Sie habe gehört, wie Gott „traurig ist, weil er uns so liebt, und so wenig Liebe und Gleichgültigkeit empfängt.“ Von der gesehenen Liebe, die Nathalie Saracco in diesen Momenten erfahren hatte, wollte sie Zeugnis geben auf Erden. Sie wurde wunderbar errettet.

 

Für die Erlösung benötigt es das Eingestehen von Fehlern

Danach wurde unter anderem die Hosea-Initiative vorgestellt, die sich dem Engagement für das Ungeborene Leben verschrieben hat. Aufbauend auf das Zeugnis des Chefarztes einer der größten Abtreibungskliniken der USA, Bernard Nathason, der zum Katholizismus konvertierte und erkannte, dass sein langjähriges Tageswerk Mord gewesen ist. Auf dem Sterbebett hinterließ er die Botschaft: „Stoppt das Töten, denn Abtreibung ist keine Liebe.“ Gleichzeitig wollte er, dass diese Botschaft in alle Welt getragen werde – durch die Hosea-Initiative.

Die Präsidentin der Hosea-Initiative wurde per Video-Botschaft zugeschaltet. Terry Beatly ordnet vor den Teilnehmern die Bekehrungsgeschichte Nathasons als Mittel ein, um die Menschen zu heilen und Gott näher zu bringen: „Es ist eine Geschichte des persönlichen Mutes, dass Richtige zu tun und den Stolz beiseite zu nehmen und Fehler einzugestehen, der dann die Tür zur Erlösung öffnen.“ Christus  mache alles neu, einschließlich eines Arztes, der als Amerikas Abtreibungskönig bekannt war.

Im Gespräch freut sich Pater Paulus Tautz über das kleine Wunder, dass das Bistum Fulda unter den Bedingungen der Pandemie die Konferenz ermöglichen konnte – mitten im Lockdown. Als Zeichen der Hoffnung erhofft er sich eine Botschaft des Glaubens und für das Leben: „Du bist nicht nur ein Kohlendioxid-Fußabdruck, sondern ein Freudenmacher für Gott und die Menschen. Es geht ums Leben. Um die Liebe.“

Kirchen in anderen Ländern können Vorbild sein

Gerade in einer Zeit, wo viele isoliert werden, sei es wichtig, an die Familie zu erinnern: „Die Familie hält alles zusammen!“ Und auch die Kirche sei eine Familie, die vom Zusammenkommen lebe. Insofern freut er sich auch, dass Bischof Gerber zum Höhepunkt, der Holy Hour, der eucharistischen Anbetung am Abend, mit dabei ist. „Es ist sehr sehr wichtig, dass der Hirte eine Stimme gibt“, so Pater Paulus, „es wäre komisch, wenn es andersherum wäre.“

Pater Paulus schaut daher vor allem auf die Kirche in den USA, die im Vielem weiter sei.  Die Kirche dort sei jung und mutig. Auch mit Youtube und Instagram müsse Evangelisierung arbeiten – und dennoch gelte: „Das ist nicht einfach eine Frage der Methodik, sondern des Glaubens. Glaubst du nicht, so bleibst Du nicht. Wir müssen wieder glauben, auf die Knie fallen und wieder über die Lippen bringen: ,Ja Herr, ich glaube, aber hilf meinem Unglauben‘!“

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