Tübingen

Die Theologie politisiert sich

Wie eine Rassismus-Debatte das kirchliche Gespräch vergiftet. Ein Kommentar.

Frauen in der Kirche
Natürlich ist es Aufgabe der Theologie, sich durch zeitgenössische Theorien herausfordern zu lassen. All das kann der Vertiefung kirchlicher Positionen dienen. Foto: fotolia.de

Nun hat die katholische Kirche in Deutschland auch noch eine RassismusDebatte am Hals. Mit der unkritischen Anwendung eigentlich kritisch zu hinterfragender Rassismus-Theorien aus den USA auf den innerkirchlichen Diskurs hat die Theologin Johanna Rahner weder sich noch der innerkirchlichen Debatte einen Gefallen getan. Die verbale Aufrüstung wird das ohnehin schon belastete Gespräch weiter vergiften. Die Politisierung der Theologie schreitet damit voran.

Was katholisch ist, wird zur Verhandlungssache

Denn die Theologin Rahner steht mit diesem Vorgehen nicht allein. Längst werden gesellschaftliche Theoriedebatten ohne Umweg über die katholische Lehre und Theologie in das innerkirchliche Gespräch eingeleitet. Lehramtstreue Teilnehmer des Synodalen Weges verzweifeln daran, dass etwa mit Blick auf die Frage der Frauenweihe autistisch die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit erhoben wird, ohne die katholische Anthropologie und das Verständnis sakramentaler Repräsentation Christi durch den geweihten Mann überhaupt noch als Argument zuzulassen, geschweige denn, sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen.

Das Problem besteht dabei nicht darin, dass das Anliegen der Geschlechtergerechtigkeit etwa mit Blick auf die Gesellschaft an sich falsch wäre. Problematisch ist es vielmehr, dass die zuletzt vom Konzil umfassend definierte Verfassung und Eigenart der katholischen Kirche keine Rolle mehr spielt. Was katholisch ist, wird zur Verhandlungssache und zum Spielball der jüngsten woken Theorie. Natürlich ist es Aufgabe der Theologie, sich durch zeitgenössische Theorien herausfordern zu lassen. All das kann der Vertiefung kirchlicher Positionen dienen. Insofern sind etwa bei der Begründung des Ausschlusses der Frau von der Weihe Vertiefungen möglich. Das Urteil der Kirche selber aber steht spätestens seit Johannes Paul II. und Ordinatio sacerdotalis fest.

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