Paderborn

Die Mundkommunion muss wieder erlaubt sein

So sollte es nicht bleiben. Die Mundkommunion als ordentliche Form der Kommunionspendung sollte wieder erlaubt sein. Einige Bistümer gehen voran.

Mundkommunion als ordentliche Form der Kommunionspendung
Ein Verbot der Mundkommunion ist nicht länger aufrecht zu erhalten. Im Bild: Eine Ordensschwester empfängt die Mundkommunion, Foto: Michael Kappeler (dpa)

Die Mundkommunion ist in der katholischen Kirche die ordentliche Form des Kommunionempfanges. Niemand, das ist von mehreren Texten aus dem Vatikan klargestellt worden, muss sich für den Wunsch, die Kommunion stehend oder knieend mit dem Mund empfangen zu wollen, rechtfertigen oder benötigt gar eine Erlaubnis, die über die Disposition, das Sakrament zu empfangen, hinausginge. Umso mehr grenzt der in der Coronakrise vorgenommene Einschnitt an einen Skandal.

Nicht gegeneinander ausspielen

Wenn Bischöfe ihren Gläubigen die ordentliche Form des Kommunionempfanges untersagen und lediglich auf die außerordentliche Form verweisen, ist das ein Unding. Es ist natürlich auch umgekehrt keine Frage, so lange durch ein Indult der Kommunionempfang auf die Hand erlaubt ist, hat niemand das Recht, sich anders als grundsätzlich gegen die Handkommunion auszusprechen. Die Frage der Zulässigkeit mag theologisch diskutabel sein. Die von Bischöfen erlaubte Praxis der Gläubigen nicht.

Kein Unterschied aus hygienischer Sicht

Gläubige, die das wünschen, dürfen die Kommunion auf die Hand empfangen, wenn sie zum Empfang des Sakramentes disponiert sind. Es kann auch hier nicht darum gehen, die eine gegen die andere Form auszuspielen. Es geht allerdings auch nicht an, die Handkommunion aus Gründen der Hygiene erzwingen zu wollen. Die hygienischen Gründe, die zu Beginn des kirchlichen Lockdown noch vor Aussetzung der öffentlichen Gottesdienste gegen die Mundkommunion angeführt wurden, sind mittlerweile obsolet. Inzwischen sollte klar sein, dass von der Mundkommunion unter Einhaltung angemessener Hygiene keine größere Gefahr ausgeht als von der Handkommunion. Während bei der Handkommunion eine Berührung der Hände nicht zu vermeiden ist, berührt ein erfahrener Priester bei dem Mundkommunionspendung weder die Lippen noch die Zunge des Kommunikanten.

Spendung nur unter Auflagen

Es wird später zu klären sein, ob es überhaupt in legitimer Weise möglich ist, die ordentliche Form zu untersagen und nur die Indultform zu gewähren. Besucher der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form waren durch diese Maßnahme jedenfalls gänzlich vom Empfang der Heiligen Kommunion ausgeschlossen. In der außerordentlichen Form des römischen Ritus ist die Form der Kommunionspendung vorgeschrieben. Hier gibt es keine Möglichkeit, auf die Handkommunion auszuweichen. Jetzt haben einige wenige Bistümer die Mundkommunion wieder ermöglicht. Doch die Rahmenbedingungen sind fragwürdig. An einem separaten Ort in der Kirche oder nach der Messe auf besondere Bitte hin wird die Mundkommunion gespendet. Es ist anzunehmen, dass so mancher lieber noch eine Weile verzichtet, als sich solch einer Praxis auszusetzen.

Abgesehen davon dürfte man sich als Mundkommunikant mit einem solchen Ansinnen nicht gerade beliebt machen, dass ein Kommunionspender nach der Messe noch einmal aus der Sakristei kommen, die Hände desinfizieren und eine Mundkommunion spenden muss. Den Verantwortlichen in den Bistümern wäre an dieser Stelle anzuraten, einmal über die Wirklichkeit in den Pfarreien nachzudenken.

Verbot ist ein Manko

Trotz inzwischen ausgeräumter hygienischer Bedenken ist es selbst in der außerordentlichen Form des römischen Ritus noch immer nicht in allen Bistümern gestattet, die Kommunion gemäß den Vorschriften des Ritus zu empfangen. Das ist ein Manko, das es schleunigst abzustellen gilt. Und wenn es schon klar ist, dass Hand- und Mundkommunion im Hinblick auf mögliche Infektionsrisiken gleichermaßen geringe Gefahren bergen, kann man endlich dazu übergehen, der ordentlichen Form der Kommunionspendung wieder ihr Recht einzuräumen. Es ist einerseits lobenswert, wenn einige Bistümer vorangehen. Es ist andererseits hoch an der Zeit, dass alle anderen nachziehen.

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