Berlin/Frankfurt a. M./Dortmund/Ludwigshafen/München

Der Synodale Weg sucht einen Plan B

Die Regionalkonferenzen des Synodalen Wegs tagten zwar bei milderer Betriebstemperatur als die Auftaktveranstaltung Ende Januar. Doch es bleibt unklar, in welche Richtung es eigentlich gehen soll.

Synodaler Weg
Gesprächsbedarf besteht im Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche. Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer hatte im Vorfeld Bedenken gegen das Arbeitspapier geäußert. Foto: Bert Bostelmann (KNA)

Entspannt im Ton, unüberbrückbar in den Sichtweisen: Die Regionalkonferenzen des Synodalen Wegs in Frankfurt, Berlin, München, Ludwigshafen und Dortmund tagten bei milderer Betriebstemperatur als die Auftaktveranstaltung Ende Januar. Anders als bei der Frankfurter Premiere wurden die Debatten dieses Mal nicht live übertragen. Auch stand kein Votum auf der Tagesordnung, sondern ein Austausch über Erfahrungen der Coronazeit und Arbeitstexte der Synodalforen "Frauen" und "Leben in gelingenden Beziehungen". Die Pandemie-Bilanz fiel vor allem bei den Hauptamtlichen ernüchternd aus: Das Pastoralteam sei schlicht "nicht systemrelevant" gewesen, sagte eine Pastoralreferentin, während der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz bekannte, mit dem Verbot öffentlicher Messfeiern ein "theologisches Problem" zu haben. Nachdenklich zeigte sich auch Kardinal Rainer Maria Woelki: Sterben und Tod seien durch die Pandemie in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt, aber die Kirche habe darauf oftmals keine Antwort gehabt oder "sich nicht getraut, Antworten zu geben".

Es fehlt nicht an Kritik an der Führung

An Kritik an der Führung des Synodalen Wegs fehlte es auch dieses Mal nicht. Der Erfurter Theologe Eberhard Tiefensee monierte die fehlende Transparenz der Prozesse - angefangen bei der Besetzung der Synodalforen bis hin zu mangelnder Information über andere Mitglieder der Vollversammlung. Man kenne sich schlicht nicht. Und auch die Zielsetzung scheint noch immer unklar. Für wen sprechen die Synodalen, fragte der Berliner Generalvikar Manfred Kollig SSCC in die Runde. Für alle Menschen? Für jene mit einer Gottesbeziehung? Oder für Katholiken?

Schlechte Noten erhielten die Arbeitspapiere: sprachlich und methodisch misslungen, zu weitschweifig. Inhaltliche Bedenken zum Papier "Leben in gelingenden Beziehungen" äußerte der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp. Gegenüber dieser Zeitung erklärte er, es sei immer Überzeugung der Kirche gewesen, dass die geschlechtliche Gemeinschaft ihren Platz ausschließlich in der Ehe hat. Ja, das ein Fleisch werden der Eheleute, von dem Christus spricht, besiegelt und verleiblicht buchstäblich den Ehebund. Wörtlich sagte Schwaderlapp: "Das vorgelegte Papier löst das Junktim von geschlechtlicher Gemeinschaft und Ehe ebenso auf wie das Junktim von Liebe und Fruchtbarkeit als nicht zu trennende Sinngehalte der Sexualität. Das ist mit der Lehre der Kirche nicht vereinbar, sondern bedeutet einen Bruch mit ihr. Dieser von der deutlichen Mehrheit des Forums gewollte Weg widerspricht meiner Überzeugung und ich vermag ihn deshalb weiterhin nicht mitzugehen."

Emotionale Reaktionen auf Vatikan-Instruktion

Emotionale Reaktionen überwogen mit Blick auf die von zahlreichen deutschen Bischöfen öffentlich missbilligte Instruktion der Kleruskongregation. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Limburgs Oberhirte Georg Bätzing, leitete den Strom der Empörung über die römischen Maßgaben zur Pfarreireform direkt auf die Mühlen des Synodalen Wegs: Die Instruktion berühre drei der vier einschlägigen Themenfelder: priesterliche Existenz, Macht und Frauen.

Gesprächsbedarf besteht jedenfalls im Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche. Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer hatte im Vorfeld Bedenken gegen das Arbeitspapier geäußert: Er hoffe nicht, dass mit dem Textentwurf versucht werde, "mit einer einseitig verfälschten Bibeltheologie" die Teilnehmer der Regionalkonferenzen in eine bestimmte Richtung zu lenken oder sie in falscher Sicherheit zu wiegen. Der Vorsitzende sprang ihm bei: "Der inhaltliche Teil der Kritik ist sehr berechtigt. Wir brauchen, wenn wir Theologie in diesen Text schreiben, saubere Theologie." Ablehnend äußerte sich Bischof Bätzing über die Aussage des Textes: Jesus breche mit religiösen Regeln, weihe niemanden. Das könne er, Bätzing, nicht unterschreiben: "Da fehlt ein gehöriges Stück Theologie." Dorothea Sattler, Vorsitzende der Arbeitsgruppe, entschuldigte sich und übernahm mit dem Mitvorsitzenden, dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, die Verantwortung für die Vorlage des Textes. Diese sei eine "Missachtung der Absprache" gewesen und nicht manipulativer Absicht, sondern allein Zeitgründen geschuldet. Voderholzer hatte in einem offenen Brief beklagt, dass entgegen früherer Vereinbarungen bereits eine biblische Grundlegung des Textes vorgenommen worden sei, ohne dass die Foristen darüber beraten konnten. Nach der diesjährigen Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe soll der Vorfall eingehender besprochen werden.

Kontinuität der Forderungen

So blieb es bei der Kontinuität der Forderungen: neue Leitungsmodelle, paritätisch besetzte Doppelspitzen, Zulassung von Frauen zu Weiheämtern, die Vergabe des Stimmrechts an Frauen bei Synoden der Weltkirche, die Mitarbeit von "Expertinnen" bei Vollversammlungen der deutschen Bischöfe.
Kämpferischer denn je harrten Vertreterinnen der Initiative Maria 2.0 vor den Tagungsorten aus - manche von ihnen verkleidet mit Bischofsmitren. Auf ihren Plakaten reckte sich die geballte Faust in die Höhe. Wie soll es angesichts dieser schier unüberwindbaren Gräben in der Kirche in Deutschland weitergehen?
Der Münsteraner Bischof Felix Genn wies darauf hin, die weltkirchliche Dimension nicht aus dem Blick zu verlieren. Dort dürfe nicht der Eindruck entstehen, "die Deutschen wollen uns mal wieder belehren". Selbst nach einer roten Karte aus Rom will Birgit Mock, familienpolitische Sprecherin des ZdK und Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes, jedoch nicht aufgeben und ruft die Bischöfe dazu auf, gemeinsam einen Plan B aufzustellen und den Weg fortzusetzen. "Wir brauchen eine starke deutsche Kraft und ich denke, dass dies auch ein Paradigmenwechsel für die Welt sein wird."

Mitarbeiter dieses Beitrags: Simon Kajan (Berlin), Esther von Krosigk (Ludwigshafen), Johannes Wieczorek (München) und Heinrich Wullhorst (Dortmund)

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