Augsburg

Bertram Meier

Mit 60 Jahren im besten kirchlichen Mannesalter. Ein Vermittler zwischen Deutschland und Rom. Ein Porträt des neuen Bischofs von Augsburg.

Bertram Meier:  Mit 60 Jahren im besten kirchlichen Mannesalter
Bertram Meier, Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog im Bistum Augsburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) in Bayern. Foto: Barbara Mayrhofer (KNA)

Mit 60 Jahren ist Augsburgs neuer Bischof Bertram Meier seit Montag im besten kirchlichen Mannesalter. 15, vielleicht 20 aktive Bischofsjahre liegen nach menschlichem Ermessen damit noch vor ihm – genügend zeitlicher Spielraum also, das sich zwischen Allgäu und Mittelfranken erstreckende, in römische Zeiten reichende Flächenbistum mit 1,3 Millionen Katholiken zu prägen. Das erfordert Weitsicht. Auch die Diözese des heiligen Ulrich befindet sich schließlich in der Übergangsphase von einem volkskirchlichen Gestern mit heute noch sichtbaren lokalen Restbeständen zu einem sich noch ungenau abzeichnenden kirchlichen Morgen. Meier ist selbst gebürtiger Diözesane. Hirt und Herde stammten jetzt aus demselben Stall, meinte er nach seiner Ernennung. Befürchtungen, hinter solchem um Sympathie werbenden Lokalpatriotismus könne sich ortskirchliche Selbstgenügsamkeit verstecken, sind bei Meier allerdings fehl am Platz. Zu weltkirchlich und römisch ist er nach Ausbildung und Ausrichtung. 

Ein um Ausgleich bemühter Moderator

 Das Studium in der Ewigen Stadt und die Ausbildung an der Diplomatenakademie prägen ihn bis heute. Gewiss, als Leiter der deutschen Abteilung im Staatssekretariat zur Hochzeit des Streits um die Schwangerenkonfliktberatung brachte er päpstliche und ortskirchliche Positionen ins Gespräch. Und auch heute will er Dolmetscher sein zwischen Rom und der auf dem Synodalen Weg wandelnden Ortskirche. Briefträger Bätzings für die begriffsstutzigen „Römer“ also? Nein, wer denkt, dass für Meier der Rhein nur eine Fließrichtung hin zum Tiber kenne, täuscht sich: Die Weihe der Frau zur Priesterin schließt Meier ebenso aus wie den Frauendiakonat.

Er tut dies nicht butterweich mit Verweis auf positives Kirchenrecht und der Entschuldigung, dass man in Rom noch nicht so weit sei, sondern führt die endgültige Entscheidung des hl. Johannes Paul II. und die Lehre des Konzils von der Einheit des dreistufigen Weihesakraments an. Auch der Zölibat steht für ihn nicht als solcher zur Diskussion. Vielmehr gelte es zu überlegen, wie er fruchtbarer lebbar sei. Den Synodalen Weg lehnt er dabei keineswegs ab. Aber er verweist auf lehramtliche Grenzen und hofft auf eine geistlichere Ausrichtung des Unternehmens. Bislang hat Meier auf seinem Weg als Bischof eines nicht erst unter seinem Vorgänger Walter Mixa polarisierten Bistums wie als Mitglied einer gespaltenen Bischofskonferenz die Balance gewahrt: verbindlicher, um Ausgleich bemühter Moderator einerseits, Hirte mit klaren Prinzipien andererseits. Eine Mischung, die Bistum wie Ortskirche sicher nicht schlecht bekommt. 

 

 

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