Nizza

An der Côte d’Azur konvertieren viele Muslime zum Christentum

Eine wachsende Anzahl von Muslimen konvertieren in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Nach Angaben des Figaro ist dies kein seltenes Phänomen mehr, sondern eine starke Tendenz, die über die Landesgrenzen hinausgeht.

Trauerfeier nach Anschlag in Nizza
Der amerikanische Jesuitenpriester Mitch Pacwa beobachtet erste Massenbekehrungen von Muslimen zum Christentum. Als Grund dafür sieht er die Gewalt des Islam, vor allem unter den Islamisten. Im Jahr 2020 erschütterten mehrere islamistische Anschläge Frankreich. Foto: Lionel Urman via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Während sich die Spannungen um Bauprojekte von Moscheen in Fréjus oder Nizza weiter verstärken, scheint sich der Islam, dem Figaro zufolge, an der Côte d’Azur und im ganzen Land stark auszubreiten. Seine extremen Strömungen stiegen zwar stark an, seien innerhalb der muslimischen Bevölkerung jedoch auf dem Rückzug. Laut der letzten, im Februar publizierten Studie des „Arab Barometer“, eines überparteilichen Forschungsnetzwerkes, gehe das religiöse Bewusstsein der Muslime deutlich zurück.

Die Ursache für die Konversionen

Die Befragung von 25.000 Personen in zehn arabischen Ländern zeige, dass der Anteil der Atheisten stark zunehme – in Tunesien übersteige er bei den 18 bis 29-Jährigen sogar die 45-Prozent-Marke. Parallel dazu werde eine wachsende Anzahl von Konversionen von Muslimen zum Christentum beobachtet, was für manche wenig überraschend sei. So etwa für den amerikanischen Jesuitenpriester Mitch Pacwa. „Wir erleben derzeit erste Massenbekehrungen von Muslimen zum Christentum“, bestätigt er. Für den Nahostexperten sei „die Gewalt des Islam in ihrer am weitesten verbreiteten Form – bei den Islamisten – ursächlich für die sich häufenden individuellen Austritte“.

Von den 4.468 Erwachsenen, die laut Figaro im Jahr 2020 in Frankreich katholisch getauft wurden, was einer Steigerung von 43 Prozent innerhalb von zehn Jahren entspricht, stammten nach Einschätzung der katholischen Bischofskonferenz Frankreichs sechs Prozent aus muslimischen Familien. Vor zehn Jahren habe dieser Anteil noch bei vier Prozent gelegen – und das, obwohl die neugetauften Erwachsenen damals weniger waren.

Pater Gérard de Martigues aus der Diözese Nizza bemerkt dazu: „Die neuen Konvertiten stammen zu allermeist aus Nordafrika, zu einem geringen Teil aus Subsahara-Afrika und überhaupt nicht aus Kleinasien“. Doch leider sei die katholische Kirche diesen Menschen gegenüber „oft hilflos, ja sogar halbherzig“ eingestellt. Dem Priester zufolge würden die meisten neuen Konvertiten protestantischen Kirchen beitreten, deren Erreichbarkeit die betreffenden Muslime anziehe. Mit 35 neu eröffneten Kirchen jährlich in Frankreich (nach Angaben des Conseil national des évangéliques de France), hauptsächlich in problematischen Stadtvierteln, übersteigen sie zuweilen die Anzahl der neu eröffneten Moscheen. 

Widersprüche der koranischen Erzählung

Die beobachteten „Konversionsszenarien“ ähnelten sich häufig: Sie beginnen mit einer „Ablehnung des Islam, die von einer atheistischen Phase gefolgt wird, die schließlich in einer allmählichen Entdeckung des christlichen Glaubens endet“. Nicht nur der „blutrünstige Islam dschihadistischer Bewegungen“ erschüttere die Überzeugungen mancher Muslime, sondern auch „die Widersprüche der koranischen Erzählung: Das Massaker am jüdischen Stamm Banu Quraiza oder die Eheschließung Mohammeds mit der sechsjährigen Aischa schwächen das ‚schöne Vorbild‘ des Propheten, wie es seit der Kindheit ein gehämmert wurde“. 

In der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur im Südosten Frankreichs und besonders im Departement Var hat sich die katholische Kirche entschieden, bedrohten Muslimen entgegen zu gehen: „Das Forum Jésus le Messie, die Landesorganisation für die Aufnahme von durch den christlichen Glauben angezogenen Muslimen, hat sich in Toulon niedergelassen, wo die Konvertiten zusammenströmen. Die Mission Ismérie – ein von engagierten Katholiken initiiertes Gemeinschaftswerk – setzt sich an ihrer Seite ebenfalls ein“. 2005 hat sich hier auch die „Gemeinschaft der Missionare der göttlichen Barmherzigkeit“ niedergelassen. Von Bischof Dominique Rey und Abbé Fabrice Loiseau gegründet, wirkt sie nunmehr in Marseille und Draguignan. Die Angehörigen dieser Gemeinschaft verfügten laut Figaro über eine „Spitzenausbildung in Bezug auf den Islam“. Bisweilen würden Seminaristen nach Nordafrika geschickt: „Strukturen, die bei den Konversionen weniger eine Rolle als Katalysator spielen, sondern die sich eher bei der Begleitung von Muslimen einschalten, die sich Fragen über ihren Glauben stellen“.  DT/ks

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