"Zurück zu den Wurzeln"

Die Europäische Föderation Marianischer Kongregationen lädt zum Glaubensforum in Köln ein.

Prozession Beisetzung Kardinal Meisner
Die Kölner Männerkongregation beim Begräbnis Kardinal Meisners. Foto: E. Wetzig

Wer das eigene Haus nicht pflegt, darf sich nicht wundern, wenn es zerfällt.“ Europa ist in der Krise und der Verlust des christlichen Selbstverständnisses führe zu einer fortschreitenden Entchristlichung. Die Europäische Föderation Marianischer Congregationen tritt nun mit der Einladung zu einem Glaubensforum zur europäischen Identität nach außen, um den Gedanken der Neuevangelisierung und die Begeisterung für die Verkündigung zu vertiefen.

Vorab hieß es, dass der „derzeitige Versuch der politischen Parteien, die Einheit mit Großbanken, Geheimbünden, sogenannten Gelehrten, Gewerkschaften, erreichen zu wollen“, in die Irre führe. Fast alle Akteure seien materialistisch und letztlich atheistisch eingestellt, so die Föderation. Der Verlust des Gottesbezuges gehe mit dem Verlust christlicher Inhalte und der eigenen Kultur einher, wodurch der Umgang mit fremden Kulturen in Europa „auf Naivität, Ratlosigkeit und Unvermögen zur kritischen Auseinandersetzung“ basiere.

Der Präfekt der Kölner Kongregation, Wilfried Becher, legt Wert darauf, dass es darum gehe, als Laienbewegung „zurück zu den Wurzeln zu gelangen“. Impulse für das Apostolat zur Neuevangelisierung und vor allem eine Vertiefung des Glaubens und des sakramentalen Lebens sind ihm wichtig. Die Kirche sei schließlich kein Verein, es gehe darum, durch Maria zum Kreuz zu gelangen, wie er den Kern der Spiritualität der marianischen Kongregationen formuliert.

Somit wird auf der Feier der Eucharistie und der Marienweihe am Abend der geistliche Hauptakzent des Glaubensforums liegen, daneben werden theologische und politische Perspektiven zum Thema „Europa im missionarischen Aufbruch“ ausgelotet. Neben dem Augsburger Dogmatiker Thomas Marschler und dem Trierer Kanonisten Christoph Ohly konnte mit Ministerpräsident a.D. Werner Münch auch ein erfahrener Referent aus der Politik gewonnen werden. Schirmherr ist Kölner Generalvikar Markus Hofmann, der auch Sodale der Kölner Marianischen Männerkongregation ist.

Einst hatten die marianischen Kongregationen eine große Bedeutung, besonders in der Zeit der Gegenreformation. 1563 verpflichtete Pater Jean Leunis SJ 1563 seine Schüler vor einem Bild der Verkündigung Mariens zu einem ernsten Streben im Beruf und im Alltag, sowie zum Dienst und Leben an und in der Kirche. Bald wurden in ganz Europa marianische Kongregationen in der Obhut der Jesuiten gegründet, die über ihre Mutterkongregation „Prima Primaria“ in Rom miteinander verbunden waren. Diese Mutterkongregation war zentral im Leben der sogenannten Sodalitäten, der lokalen Kongregationen, da ihnen über diese die selben Ablass-Privilegien zuteil wurden. In Köln gründete sich bereits 1608 die heute noch existierende marianische Männerkongregation, die in der Wallfahrtskirche St. Maria in der Kupfergasse ihr geistliches Zentrum hat. Johann von Tilly, der große Feldherr des 30-jährigen Krieges, fand als junger Mann in Köln auch seinen Weg zu einer der vielen marianischen Kongregationen der Stadt.

Das Streben nach Heiligkeit, die geistliche Sorge um Mensch und Welt, wie die Verehrung der Gottesmutter sind auf der Grundlage der Apostolischen Konstitution „Bis Saeculari“ von Pius XII. bis heute die Grundsätze, deren Einhaltung von den Sodalen eingefordert wird. Das Zeugnis in Familie, Beruf und Kirche soll mit marianischem Geist dem jesuitischen Wahlspruch „Alles zur größeren Ehre Gottes“ entsprechen.

Denn bis nach dem 2. Vatikanischen Konzil waren die marianischen Kongregation Rückgrat jesuitischer Pastoral. Doch nach dem Konzil wurden die meisten marianischen Kongregationen und auch die Mutterkongregation der Prima Primaria in die Gemeinschaft christlichen Lebens GCL überführt, unter dem Verlust des marianischen Weihewesens und der besonderen Ablassprivilegien. Damit war der innere Zusammenhalt der übrig gebliebenen Kongregationen und Sodalitäten auf nationaler und internationaler Ebene aufgegeben. Lediglich die Polen behielten ihr Nationalsekretariat bei.

Um die Lücke zumindest vorerst organisatorisch zu schließen, gründete sich 2017 ein europaweiter Zusammenschluss unter dem Namen Europäische Föderation Marianischer Congregationen, vor allem durch die Regensburger und Kölner Marianischen Männerkongregationen vorangetrieben. Dem schlossen sich Kongregationen und Sodalitäten aus Polen, dem Elsass, Tirol und Bayern an. Zur Rückgewinnung des Ablasswesens wurde 2010 ein erster Schritt von der Kölner Kongregation erwirkt: Auf Betreiben des Kölner Kardinals Joachim Meisner wurden den Kölnern die Ablassprivilegien auf der Basis der Ordnung der Prima Primaria von 1563 wieder gewährt. Bereits in den letzten Jahren konnte im Hinblick auf die Kölner Kongregation ein Aufschwung durch den Beitritt jüngerer Sodalen festgestellt werden. Wilfried Becher, der Präfekt der Kölner Kongregation, berichtet von 14–15 Interessenten jüngeren Alters. Mit dem Forum erhofft er sich nun, dass die Männerkongregation über die Gemeinde in der Kölner Kupfergasse hinaus das Interesse der Gläubigen weckt und auch eine tiefere Zusammenarbeit mit anderen geistlichen Gemeinschaften ermöglicht wird.

Ziel der Europäischen Föderation wird vorerst die Förderung der internationalen Zusammenarbeit sein. Das gemeinsame Gebet, die gemeinsame Unterstützung in allen Fragen der Kongregationen und die Präsentation nach außen, die den Bekanntheitsgrad erhöhen soll, sind dabei leitend. Um den weiteren Zusammenhalt der Kongregationen zu stärken, sollen neben dem jährlichen Glaubensforum fortlaufend gemeinsame Veranstaltungen und Wallfahrten stattfinden. Der Besuch bei den Elsässer Kongregationen mit einer Wallfahrt in das elsässische Marienthal und ein Treffen in Brixen zum Herz-Jesu-Fest des kommenden Jahres werden die nächsten Höhepunkte im Leben der Europäischen Föderation sein.

Samstag, den 26. Oktober 2019

Glaubensforum „Europa im missionarischen Aufbruch“ im Erzbischöflichen Priesterseminar Köln, veranstaltet von der Europäischen Föderation Marianischer Congregationen:

09.00 Uhr Hl. Messe in der Seminarkirche

10.15 Uhr Begrüßung im Pius-Saal durch Präses Msgr. Thomas Schmid

10.20 Uhr Vortrag von Werner Münch: Wachsende Sehnsucht nach Klarheit in Kirche und Gesellschaft

11.50 Uhr Vortrag von Thomas Marschler: Christsein in der säkularen Welt: Gedanken zur Glaubensvermittlung und Glaubensbewahrung in unserer Zeit

14.00 Uhr Eucharistische Anbetung und Beichtgelegenheit in der Seminarkirche

15.30 Uhr Vortrag von Christoph Ohly: An der Hand Mariens in die Zukunft: Marianische Impulse für eine Zeit des Umbruchs

16.40 Uhr Marienweihe durch Präses Msgr. Thomas Vollmer