Vatikanstadt

Wegen Corona: Generalabsolution und Vollkommener Ablass

Bei Notfällen entpflichtet der Vatikan von der Einzelbeichte. Kranke, Ärzte, Pfleger und Angehörige können den Nachlass der Sündenstrafen gewinnen.

Beichten in Zeiten des Coronavirus
Rom: Ein Priester nimmt nach einem Gottesdienst im Freien am zweiten Sonntag der Fastenzeit die Beichte einer Besucherin entgegen. Foto: Andrew Medichini (AP)

Wegen der Corona-Pandemie hat der Vatikan den Priestern erlaubt, in allen Krisengebieten die Generalabsolution zu erteilen. Außerdem soll es die Möglichkeit gehen, dass die Kranken sowie das ärztliche und pflegerische Personal in den Krankenhäusern einen vollkommenen Ablass gewinnen kann. Beide Dekrete stammen aus der Apostolischen Groß-Pönitenziarie des Vatikans und wurden am Fest des heiligen Joseph, am 19. März, vom Großpönitentiar Kardinal Mauro Piacenza und dem Reggente Prälat Krzysztof Nykiel unterzeichnet.

Die Einzelbeichte bleibt dem Dekret zufolge weiterhin die gewöhnliche Form des Empfangs des Sakraments der Buße. Die Generalabsolution kann aber gerade in der Vorbereitung auf das Osterfest bei Todesgefahr und einer „schweren Notwendigkeit“ erteilt werden, was dem Urteil des Ortsbischofs anheimgestellt ist. Die Groß-Pönitenziarie verweist in dem Dekret ausdrücklich auf die Notlagen wegen der Corona-Epidemie. Dem Ortsbischof obliegt es auch, den Priestern die Umstände mitzuteilen – der nötige Abstand zu Gläubigen, das Tragen von Schutzmasken oder die Wahl der Orte, etwa in den Eingangsbereichen der einzelnen Stationen der Krankenhäuser. Es können dafür auch „außergewöhnliche Gruppen von Krankenhaus-Kaplänen“ gebildet werden. Diese könnten „in Absprache mit den Gesundheitsbehörden, aber auch auf freiwilliger Basis und unter Einhaltung der Normen zum Schutz vor Ansteckung die notwendige geistliche Unterstützung der Kranken und Sterbenden gewährleisten“.

Sündenvergebungen für die Gläubigen vor Ostern

Auch da, wo sich Gläubige nicht in der Lage sehen, die Einzelbeichte wegen der Notfall-Situation abzulegen, kann die Generalabsolution erteilt werden – unter den üblichen Bedingungen: vollständige Reue angesichts der eigenen Sünden, die der Liebe zu Gott entstammt, und der innere Vorsatz, zur Einzelbeichte zu gehen, wenn das wieder möglich ist.

Was die Generalabsolution betrifft, legt die Groß-Pönitentiarie fest, dass der Priester den Diözesanbischof über die konkreten Einzelfälle informieren muss – vorher oder jedenfalls „so bald wie möglich“. Auf diesem Weg könne auch von Todsünden freigesprochen werden.

Auch Sterbende können Ablass gewinnen

Das zweite Dekret der Groß-Pönizentiarie ebenfalls vom Freitag eröffnet angesichts der Corona-Epidemie den Erkrankten, ihren Pflegern und Angehörigen beziehungsweise Menschen in Quarantäne, einen vollkommenen Ablass zu gewinnen. Es reicht, wenn sie das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und ein Mariengebet beten. Andere können zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen: Dazu zählen etwa ein Gebet vor dem Allerheiligsten, eucharistische Anbetung, ein mindestens halbstündiges Lesen der Heiligen Schrift oder das Rezitieren des Rosenkranzes beziehungsweise des Kreuzweges. Der vollkommene Ablass kann auch von den Gläubigen erlangt werden, die im Sterben liegen und nicht in der Lage sind, das Sakrament der Krankensalbung zu empfangen: In diesem Fall wird empfohlen, ein Kreuz zu betrachten.

Papst: Ärzte und Pfleger sind jetzt unsere Säulen

Das Dekret der Groß-Pönitentiarie spricht von einem schwierigen Augenblick, „in dem die gesamte Menschheit von einer unsichtbaren und heimtückischen Krankheit bedroht wird“. Das bringe „qualvolle Ängste, Unsicherheiten und vor allem physisches und moralisches Leiden“ mit sich. Niemals zuvor in ihrer Geschichte habe die Kirche so wie heute die Macht der „Gemeinschaft der Heiligen“ erfahren. Die Kirche flehe den Herrn an, „dass er die Menschheit von dieser Geißel befreie“.

Zu Beginn der Messe in Santa Marta am Freitagmorgen erinnerte der Papst an die großartige Arbeit, die Ärzte und Mitarbeiter des Gesundheitswesens leisten, insbesondere in den am stärksten von dem Coronavirus infizierten Gebieten: „Gestern erhielt ich eine Nachricht von einem Priester aus Bergamo, der darum bat, für die Ärzte von Bergamo, Treviglio, Brescia, Cremona zu beten, die an der Grenze ihres Arbeitsvermögens stehen. Sie geben ihr Leben, um den Kranken zu helfen, um das Leben anderer zu retten. Und wir beten auch für die Verantwortungsträger. Für sie ist es nicht leicht, diesen Moment zu bewältigen, und sie leiden oft unter Missverständnissen. Ob es sich um Ärzte, Krankenhauspersonal, freiwillige Helfer im Gesundheitswesen oder um die Verantwortungsträger handelt: Im Moment sind sie Säulen, die uns in dieser Krise vorwärts bringen und uns verteidigen. Lasst uns für sie beten.“

In Italien sind landesweit bereits 26 Priester wegen des Corona-Virus verstorben, Dutzende Priester liegen im Krankenhaus. Bischof Francesco Beschi von Bergamo erklärte vor Medien, dass diese Priester gestorben seien, weil sie den Menschen sehr nah kamen, die am Virus erkrankt waren. In der Nähe von Rom wurden am Freitag zwei Ordensgemeinschaften isoliert, in denen sich 59 Schwestern infiziert hatten. Einige hatten in sanitären Einrichtungen gearbeitet. 

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