Frankfurt/Main

Synodaler Weg diskutiert Priestertum und Zölibat

Bischof Bode spricht sich dabei für verheiratete Priester im Nebenberuf aus.

Bischof Franz-Josef Bode
Der Osnabrücker Bischof Bode sprach sich bei der Synodalversammlung für eine Lebensform von Priestern mit Familie und Beruf aus. "Ich weiß nicht, wie wir sonst mit dem Priestermangel umgehen sollen.“ Foto: Guido Kirchner (dpa)

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat sich für die Einführung von verheirateten Priestern mit Zivilberuf ausgesprochen. „Ich bin der Meinung, dass es beide Formen geben kann: den Zölibat für hauptamtlich tätige Priester und daneben eine Lebensform von Priestern mit Familie und Beruf. Ich weiß nicht, wie wir sonst mit dem Priestermangel umgehen sollen.“ Bode äußerte sich am Samstagmorgen im Rahmen der Vollversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt.

Online-Umfrage zeigt hohe Wertschätzung für zölibatäre Lebensform

Bei der Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse der vorbereitenden Kommission zu „Priesterliche Existenz heute“ stellte Pfarrer Arno Zahlauer zunächst Ergebnisse einer Online-Umfrage vor, an der sich 5.300 Personen beteiligt hatten, allerdings kaum junge Menschen. Zahlauer zeigte sich überrascht, wie hoch die Wertschätzung für die priesterliche zölibatäre Lebensform in den eingegangenen Rückmeldungen sei. Zwar habe sich eine knappe Mehrheit für einen optionalen Zölibat ausgesprochen. Dennoch hätten sich viele Menschen vom Zölibat des Priesters beeindruckt gezeigt.

Priesterpersönlichkeiten, die sich um die Seelsorge kümmerten und im Gebet stünden, würden ersehnt, so Zahlauer. Viele Menschen hätten aber den Eindruck, dass der Priesterberuf durch bürokratische Verpflichtungen verunmöglicht werde. Einzelne Rückmeldungen vermissten eine gemeindliche Gebetskultur, in der Berufungen zum Priestertum wurzeln könnten. Zahlauer zufolge sei die Frage des Frauenpriestertums relativ selten angeschnitten worden. Die Frage des Missbrauchs habe in den ihm vorliegenden Rückmeldungen keine Rolle gespielt.

Weihbischof Schwaderlapp: Ich lebe gerne den Zölibat

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp zeigte sich beeindruckt von den Rückmeldungen der Internet-Umfrage. „Ich lebe gerne den Zölibat mit seinen Höhen und Tiefen. Die gibt es in einer Ehe auch. Beide sind herausfordernd.“ Schwaderlapp fragte weiter, wie man Formen von gemeinschaftlichem Leben von Priestern einrichten könne.  

Professor Eberhard Tiefensee vom Priesterrat des Bistums Dresden-Meißen rief dazu auf, auf die schwärende, ja stinkende Wunde misslingenden Priestertums zu blicken und erst danach in Dogmatiklehrbücher und kirchliche Lehrtexte zu schauen. 

"Bevor man an die Lehre geht, muss man sie verstanden haben"

Dorothea Schmidt von Maria 1.0 gab zu bedenken, dass man in erster Linie nicht über die Probleme mit dem Zölibat sprechen solle, sondern über dessen Schönheit. Wörtlich sagte sie: „Bevor man an die Lehre geht, muss man sie verstanden haben.“ Sie habe viele einsame Priester kennengelernt. „Wie können wir diese Priester unterstützen?“ 

Professor Matthias Sellmann vom ZdK fragte in seiner Wortmeldung, was er als Gemeindechrist für einsame und überforderte Priester tun könne. „Es kann nicht sein, das wir über Priester sprechen, ohne über desolate Gemeindlichkeit zu sprechen.“ Pfarrer Markus Konrad vom Priesterrat des Bistums Mainz stieß sich am Begriff des Pflichzölibats. „Wir sprechen ja auch nicht von einer Pflichtehe. Beiden Lebensformen liegen Entscheidungen zu Grunde.“ Konrad fragte indes, ob in einer zunehmend von Single-Haushalten geprägten Gesellschaft eine überzeugend gelebte Priesterehe nicht ein überzeugendes Zeichen sein könne.  

Diskrepanz zwischen Leben und Lehre

Esther Göbel vom Berufsverband der PastoralreferentInnen bezog sich in ihrem Redebeitrag auf eine Umfrage in ihrer Berufsgruppe. Danach seien 95 Prozent der Befragten nicht der Meinung, dass der Zölibat die einzige angemessenene Lebensform für Priester sei. „Es gibt hier eine Diskrepanz zwischen Lehre und Leben“, so die Pastoralreferentin aus dem Erzbistum Berlin. „Wir möchten die Erfahrung der Vereinbarkeit von Berufung uns selbstgewählter Lebensform einbringen.“ 

Berlins Erzbischof Heiner Koch mahnte, die Seminaristen nicht zu vergessen, die sich auf die Priesterweihe vorbereiteten. „Diese werden oft nur wenig von der Gemeinde mitgetragen. Das komme zu den belastenden Reaktionen hinzu, die die Entscheidung für den Priesterberuf bei Freunden und Familie auslöse. 

DT/om

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