Würzburg

Sonderfall Corona: Tipps für die Karwoche und Ostern

In der aktuellen Situation muss das Osterfest anders gefeiert werden als sonst. Dafür bietet die Kirche einen reichen Schatz –– der Beitrag führt zahlreiche Impulse auf, wie dies gelingen kann.

Palmweihe Palmsonntag
Zwei Buben tragen ihre Palmbuschen in die Kirche. Auch in Corona-Zeiten kann man manche alte Bräuche pflegen. Foto: Diether Endlicher (dpa)

Viele Familien stehen vor der Frage, wie sie die heiligen Tage in ihre vier Wände holen können. Für viele ist durch die Online- und Fernsehübertragungen „das Wohnzimmer zur Kirchenbank“ geworden, wie es der Salzburger Erzbischof vorgeschlagen hat. Manche tun sich aber schwer mit dem großen Angebot, und für Familien stellt sich einmal mehr die Frage, ob Übertragungen für alle das Richtige sein kann. Wie also die Betrachtung der Heilsgeheimnisse in die Mitte der Familie holen?

Die Volksfrömmigkeit mit ihren Bräuchen gibt hier vielfältige Möglichkeiten. Aber ein schlichter Hausgottesdienst kann auch Anleihen aus der Liturgie aufnehmen, ohne der Gefahr einer direkten Nachahmung oder Banalisierung zu erliegen. Auf der Internetseite der „Tagespost“ werden in den folgenden Tagen hierzu Anregungen erscheinen. Denn das Läuten der Glocken unserer Kirchen dient seit alter Zeit nicht nur dazu, die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen, sondern das Läuten beim Evangelium und der Wandlung sind auch auditive Zeichen, um die Gläubigen an das Geschehen in der Kirche, dem Zelt Gottes, das unter uns aufgeschlagen ist, zu erinnern. Sie laden ein zum stillen Gebet und zum Rezitieren der betreffenden Texte aus dem „Schott“. So kann man sich, wenn die Priester unter Ausschluss der Öffentlichkeit zelebrieren, mit dem Tun der Kirche verbinden. Kirchenmauern bilden kein Hindernis. Durch Gebet und Taufe sind wir bei der Liturgie dabei!

Der Palmsonntag bietet vielfältige Möglichkeiten

Gerade der Palmsonntag gibt uns als Tor zur Heiligen Woche vielfältige Möglichkeiten mit den gerade für Kinder einprägsamen Bräuchen. Man kann ihnen gut erklären, was die Palmen bedeuten, wie man Jesus zugerufen hat „Hosanna dem Sohne Davids“ und vieles mehr. Eine gehörige Portion Kreativität ist gefragt. Das Bereiten der – wenn es die rechtlichen Umstände zulassen – bereits vom Priester gesegneten Palmzweige, eine Palmprozession mit dem Evangelium vom Einzug Jesu, das Ritual des Anklopfens an unseren Haustüren: Der Herr zieht ein in sein Jerusalem. Auch wenn wir nicht an der Feier der Eucharistie am Gründonnerstag teilnehmen können, sollte der Gedanke an die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums im Mittelpunkt stehen.

Wenn das Wohnzimmer zur Kirchenbank wird, dann sollte es einen „Herrgottswinkel“ oder eine Gebetsecke geben, die Mittelpunkt der nächsten Tage sind. Natürlich ist ein Abendessen für die familiäre Gemeinschaft wichtig, aber es sollte nicht mit dem Letzten Abendmahl in Beziehung gesetzt werden, denn theologisch steht nicht das Mahl als solches im Zentrum, sondern die Vorwegnahme des Kreuzesopfers und die bleibende Gegenwart des Herrn in der Eucharistie. Eine kleine eucharistische Andacht, wie das Gotteslob sie bereithält, kann daher den Eingang des Abends bilden, vielleicht auch ein Besuch des Tabernakels in der geöffneten Pfarrkirche – und die Übung der „Geistlichen Kommunion“.

Der Karfreitag als stiller Feiertag ist eine Herausforderung

Die Ölbergandacht basiert auf der Aufforderung Jesu an die Jünger, mit ihm zu wachen und zu beten. Stattdessen schlafen sie bekanntlich ein. Die bereitete Gebetsecke könnte beispielsweise nur mit Kerzen erleuchtet sein, um die Nacht auch spürbar werden zu lassen. Wenn es nicht zu spät für die Kinder ist, wäre ein Gang in den eigenen Garten – falls vorhanden – oder zu einem Bildstock ansprechend. Die Apostel sind Jesus aus dem Obergemach hinaus in den Ölgarten gefolgt und haben so den Kontrast von Wärme und Nähe zu Kälte und Distanz wahrgenommen. Prinzipiell eignen sich immer bekannte passende Lieder, um eine solche Andacht zu strukturieren und aufzulockern. Im Mittelpunkt könnten eine Abschiedsrede Jesu und das Hohepriesterliche Gebet aus dem Johannesevangelium stehen.

Der Karfreitag ist als stiller Feiertag in der Familie sicherlich auch eine Herausforderung. Was kann über den Kreuzweg hinaus getan werden? Wie kann die Sterbestunde Christi mit Kindern und Jugendlichen ausgestaltet werden? Mancherorts finden sich Kreuzwegstationen im Freien oder man kann einen Wegkreuz oder Bildstock aufsuchen. In den eigenen vier Wänden wäre eine bewusste Verehrung des Kreuzes empfehlenswert. Klassisch gilt der Karfreitag als paraliturgisch, da an ihm keine Heilige Messe gefeiert wurde. Der Tabernakel war leer, die Altäre abgedeckt und die Kirche kahl. Dies bewirkt eine große Faszination nicht nur auf die Kinder. In Analogie zur Krippe wäre in der „Gebetsecke“ ein „Heiliges Grab“ denkbar; ein Ort, wo man das Kreuz hinlegen und schmücken könnte, um dort zu beten und beim Herrn zu sein.

Erwecken der vollkommenen Reue anstelle der Osterbeichte

Der Tag der Grabesruhe, der Karsamstag, geht sonst für viele im Trubel der Ostervorbereitungen unter. Dieses Jahr wird es anders sein. Wie kann der Tag in der Familie aussehen? Sollte ein Heiliges Grab eingerichtet sein, würde es sich anbieten, die Gebetszeiten hier fortzusetzen. Diese Tage haben ja immer auch einen ganz persönlichen Charakter: Jesus hat dies alles für mich getan. Wie kann ich ihm dafür danken? Wie kann ich mich bessern. Eine Bußandacht mit Gewissenserforschung, das Beten des Schuldbekenntnisses, ist mit Sicherheit ein gutes Element. Für viele wird in diesem Jahr das Erwecken der vollkommenen Reue an die Stelle der Osterbeichte treten. Das Heilige Grab sollte dann bis zum frühen Abend verräumt und der Ort für Ostern hergerichtet sein.

Die Osternacht ist der Schlusspunkt des Triduums. Auch in den Familien durchleben wir diese Stunden. Wie kann man stimmig, ohne ins Banale zu rutschen, diese Stunden erleben, gerade mit jüngeren Jugendlichen? Die Vigil von Ostern ist eine Zeit des Wachens. Früher dauerte sie die ganze Nacht hindurch und während des Gebetsgottesdienstes wurden die Täuflinge getauft. Es ist eine Nacht voller Sehnsucht, weil der Erlöser von den Toten auferstanden ist. Eine Wache von der Dunkelheit ins Licht. Darum hat das Feuer eine so große Bedeutung. Ist ein Osterfeuer, wenn möglich, ein Ort, die Osterkerze zu entzünden, die Texte aus Genesis, Exodus und das Osterevangelium zu lesen? Man könnte darum im Garten ein Feuer machen, oder sich am Kamin versammeln oder einfach nur Kerzen entzünden und bei deren Licht wachen. Weihwasser sollte bereitgehalten werden und eine Tauferinnerung mit dem Bekreuzigen mit dem Weihwasser und das Singen von Osterliedern dürfte nicht fehlen. Ein „risus paschalis“, ein Osterwitz, könnte mit einer Agapefeier das Ende bilden.
Der außergewöhnliche Charakter dieser Tage darf ruhig auch die Sehnsucht nach dem regulären Gottesdienst steigern. Da nichts ohne Gottes Zulassung geschieht, dürfen wir uns alle fragen, welche besondere Gnade Gott hier bereithält.

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