Vatikanstadt

Ratzinger-Schüler gehen an die Öffentlichkeit

Mit Blick auf die Amazonas-Synode: Botschaft zur Aufrechterhaltung des Zölibats.

Päpstliche Sternwarte in Castel Gandolfo
Zum ersten Mal sind der „Schülerkreis“ und der „Neue Schülerkreis Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.“ an die Öffentlichkeit gegangenen. Foto: Michael Kappeler (dpa)

Zum ersten Mal sind der „Schülerkreis“ und der „Neue Schülerkreis Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.“ an die Öffentlichkeit gegangenen. Im Anschluss an ein Symposium der beiden Schülerkreise über das Weiheamt in der Kirche, an dem auch auswärtige Gäste teilnehmen konnten, verlas Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Einheitsrat, am vergangenen Samstag in Rom eine Botschaft, in der die Ratzinger-Schüler ihre Sorge über die Krise des Priestertums angesichts der Missbrauchskrise und über den Fortbestand des Zölibats zum Ausdruck brachten: „In einer Zeit des Leidens, überschattet durch den Skandal des Missbrauchs, stellen wir uns dieser Herausforderung, um nach Worten und Wegen der Hoffnung zu suchen, damit in den Zeiten der kirchlichen Reinigung von neuem die Schönheit und Bedeutung des kirchlichen Weiheamtes als ein Geschenk des Herrn an seine Kirche erkannt und angenommen werden kann.“

Im Einklang mit dem Lebensstil Christi

Die Gleichgestaltung mit Christus, so heißt es in der Botschaft weiter, unterscheide sich nicht allein dem Grade, sondern dem Wesen nach vom gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen. Der Priester handle „in der Person Christi, des Hauptes der Kirche“, er sei kein Funktionär, vielmehr vollzieht er im Sein mit Christus seine von Gott her kommende Sendung. „Dies wird besonders deutlich in der heiligen Vollmacht, von Sünden loszusprechen, Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi zu verwandeln, sowie die anderen Sakramente zu feiern.“ Von daher müsse auch der Lebensstil der Priester im Einklang mit dem Lebensstil Christi stehen.

Und diese Präsenz Christi dürfe nicht allein auf die sakramentale Handlung beschränkt werden, sondern müsse im täglichen Leben erkennbar und wirksam werden. „Daraus ergeben sich die Verpflichtungen zum Gehorsam und zum Zölibat als Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, die menschlicher und geistlicher Ausdruck der sakramentalen Gleichgestaltung des Priesters mit Christus sind.“ Der Zölibat sei daher gemäß der ständigen Tradition der lateinischen Kirche „ein sprechendes Zeugnis der glaubenden Hoffnung und der großherzigen Liebe zu Christus und seiner Kirche“.

Mahnung an die Amazonas-Synode

Die Tagung der Ratzinger-Schülerkreise fand unmittelbar vor der Amazonas-Synode statt. Auf ihr stehen nicht nur die „viri probati“ auf der Tagesordnung. Aber in dieser Frage wird sie von den Veränderern gemessen werden, wie es bei den beiden Synoden zu Ehe und Familie 2014 und 2015 signalhaft um die Kommunionzulassung der Wiederverheirateten ging. Einflussreiche Protagonisten wie der Generalrelator der Bischofsversammlung, der brasilianische Kardinal Cláudio Hummes, oder der emeritierte Amazonas-Bischof Erwin Kräutler treten dafür ein, in priesterarmen Regionen wie dem Amazonasgebiet bewährte ältere Männer zu Priestern zu weihen, die verheiratet sind. Auch auf dem „Synodalen Weg“ in Deutschland wird man über die „viri probati“ diskutieren.

DT/gho

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