Vatikanstadt

Portrait der Woche: Kardinal Robert Sarah

Sarah wirkt mit seinen Buchveröffentlichungen. Die letzte zu Priestertum und Zölibat erwies sich als medialer Super-Gau.

Kardinal Robert Sarah
Kardinal Robert Sarah ist mit seiner jüngsten Buchveröffentlichung an den Finessen des vatikanischen Parketts gescheitert, das mit "zwei Päpsten" nochmals rutschiger geworden ist. Foto: KNA

Als Nachfolger des Märtyrerbischofs Raymond-Maria Tchidimbo wurde Robert Sarah 1979 mit 34 Jahren der jüngste Erzbischof der Weltkirche. In Guinea herrschte der Diktator Sékou Touré, der junge Kirchenmann erlebte die Endphase dieser Schreckenszeit noch als Oberhirte – und hatte dabei stets seinen Vorgänger vor Augen, der fast neun Jahre im Kerker verbrachte.

Robert Sarah hat unter anderen Umständen zum Priestertum gefunden als die behüteten Kleriker und Theologen des Westens, deren schlimmstes Erlebnis in ihrem jungen Leben vielleicht eine kleine Intrige im Seminar ist. Die Gottesfrage hat sich für Sarah immer sehr radikal gestellt. Und er hat sie in seinen Büchern immer mit jener Unbedingtheit und Klarheit beantwortet, wie sie für einen Gotteszeugen typisch sind.

Franziskus in absoluter Treue verbunden

Doch Sarah ist nicht nur ein spiritueller Meister, als den ihn der emeritierte Papst Benedikt schätzt, sondern auch ein aufrechter Mann. Seine vatikanische „Karriere“ begann 2001, er wurde Sekretär der Missionskongregation „Propaganda Fide“, 2010 dann Präsident des Rats „Cor unum“ und Kardinal. Unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. war er in Rom auch geistlich zu Hause, mit seiner Berufung zum Präfekten der Gottesdienstkongregation durch Papst Franziskus begann dann ein gewisses Fremdeln mit dem neuen Kurs der Kirchenführung.

Franziskus hat Respekt vor der Ausstrahlung Sarahs und der Kardinal aus Guinea ist dem heutigen Papst in absoluter Treue verbunden. Doch in seinen Redebeiträgen während des synodalen Prozesses zu Ehe und Familie schlug er sich auf die kritische Seite der afrikanischen Bischöfe. 2016 wollte er im Alleingang eine Reform der Liturgiereform anstoßen – und wurde vom Vatikan zurückgepfiffen; 2017 dann sogar vom Papst persönlich, als Sarah als zuständiger Präfekt eine restriktive Lesart des päpstlichen Motu proprio zur Formulierung liturgischer Texte in den Landessprachen anordnen wollte.

An den Finessen des vatikanischen Parketts gescheitert

Seither wirkt Sarah mehr mit seinen Buchveröffentlichungen. Und die letzte zu Priestertum und Zölibat erwies sich als medialer Super-Gau, weil Benedikt XVI. im letzten Moment auf Druck aus der Neben-Kurie in Santa Marta seine Mitautorenschaft zurückzog. Sarah scheiterte an den Finessen des vatikanischen Parketts, das mit „zwei Päpsten“ noch einmal etwas rutschiger geworden ist.

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