Würzburg

Marienheiligtum von Knock: "Schau, Jimmy, ich kann gehen!"

Vor 140 Jahren ereignete sich im irischen Knock eine Marienerscheinung. Nun hat die katholische Kirche erstmals ein Heilungswunder im Marienheiligtum offiziell anerkannt.

Papst Franziskus vor Marienschrein in Knock
Papst Franziskus betet vor dem Marienschrein in der Wallfahrtskirche im Marienwallfahrtsort Knock. Foto: Paul Haring (KNA)

In der kleinen Ortschaft Knock, in einer der ärmsten Gegenden Irlands, sahen am 21. August 1879 mehrere Menschen gleichzeitig eine Erscheinung der Gottesmutter Maria mit dem heiligen Joseph, dem Evangelisten Johannes und dem Lamm Gottes. Hier steht heute das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Knock, einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Europas. Am 2. September verkündete der irische Fernsehsender RTE in seiner Nachrichtensendung, dass die katholische Kirche ein hier erfolgtes Heilungswunder offiziell anerkannt habe. Dies sei, so die Nachrichtensprecherin mit etwas skeptischen Worten, „der Höhepunkt einer jahrzehntelangen Kampagne von Marion Carroll“, einer „Großmutter aus Athlone, die behauptet, vor 30 Jahren im nationalen Marienheiligtum eine Wunderheilung erlebt zu haben“.

"Ein Gespräch von Frau zu Frau"

Es folgte ein Filmbericht mit einem Ausschnitt aus der Messe in Knock am 1. September, in der der Bischof von Ardagh und Clanmacnoise, Francis Duffy, unter dessen Jurisdiktion der Ort Athlone steht, im Beisein von Marion Carroll, ihrem Ehemann Jimmy, ihren drei Kindern und weiteren Angehörigen das Heilungswunder bestätigt. „Als Marion am 1. September 1989 hierherkam, sah ihre Zukunft düster aus“, so Bischof Duffy. „In ihrem Buch ,Ich wurde in Knock geheilt‘ gibt Marion die Worte wieder, die sie an jenem Morgen an die Gottesmutter richtete: ,Auch du bist eine Mutter, und du weißt, was ich fühle bei dem Gedanken, Mann und Kinder zu verlassen.‘ Es war kein Gebet, sondern ein Gespräch von Frau zu Frau.“

Bischof Duffy fuhr fort: „An jenem besonderen Tag hatte Marion ihr Schlüsselerlebnis bei der Krankensegnung: ,In diesem Augenblick hatte ich dieses wunderbare Gefühl, wie ein leiser Windhauch, der zu mir sagte, ich sei geheilt. Ich hatte dieses wunderschöne Gefühl, das mir sagte: Wenn jemand die Gurte meiner Krankenbahre löst, kann ich aufstehen und umhergehen‘.“ Bischof Duffy fügte hinzu: „Und genau das tat Marion.“

Dann folgte die offizielle Erklärung des Bischofs: „Ich erkenne an, dass Marion von ihrer langjährigen Krankheit geheilt wurde als sie sich auf einer Wallfahrt an diesem heiligen Ort befand. Marions Heilung ist eine gute Nachricht für sie, für ihren Ehemann Jimmy, für ihre Familie und Freunde. Marions Heilung hat das Leben verändert. Viele bezeugen die dramatische Veränderung, die in Marion vorgegangen ist, hier und nach ihrer Rückkehr nach Athlone im Jahr 1989. Ganz sicher hat es eine Heilung gegeben von der Krankheit, die Marion über mehrere Jahre hinweg befallen hatte. Marion wurde von der Krankheit und von ihren Auswirkungen auf sie und auf ihre Familie befreit“, so der Bischof abschließend. „Für diese Heilung gibt es gegenwärtig keine medizinische Erklärung. Sie ist dauerhaft und entbehrt jeder medizinischen Erklärung.“

Gutachter bestätigen wundersames Verschwinden der Symptome

Vorausgegangen war eine Beratung zwischen Bischof Duffy, dem Erzbischof von Tuam, Michael Neary, zu dessen Diözese das Heiligtum von Knock gehört, und dem Leiter des medizinischen Büros von Knock, Diarmuid Murray. Dieser zitierte in dem Fernsehbericht zwei medizinische Gutachten. Ein Gutachter schrieb: „Ganz gleich, ob ihr Leiden organischer oder psychologischer Natur war – es gibt keine Erklärung für die dramatische Besserung, die seit der Zeit ihres Besuchs in Knock eingetreten ist. Meines Erachtens ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich die Verbesserung ihres Gesundheitszustands durch konventionelle medizinische Erkenntnisse erklären lässt.“

Der zweite Gutachter mahnte zwar zur Vorsicht im Hinblick auf die Frage, ob es sich tatsächlich um eine Heilung von Multipler Sklerose handle, bestätigte jedoch das unerklärliche Verschwinden der Symptome, unter denen sie bis zu ihrer Heilung gelitten hatte: „Es wäre fair zu sagen, dass sie von neurologischen Symptomen geheilt wurde, nicht von Multipler Sklerose. Mir scheint, dass Mrs. Carroll unter medizinisch unergründeten Symptomen litt, die jetzt dankenswerterweise verschwunden sind.“ „Beide Gutachter kamen zu dem Schluss“, so Murray, „dass Marion zweifellos neurologische Symptome einer Behinderung hatte, deren Ursachen nicht bekannt oder nicht vollständig diagnostiziert waren, sie aber eine dramatische Heilung erfahren hat.“

Als Marion Carroll am 1. September 1989 an der Wallfahrt ihrer Diözese nach Knock teilnahm, war sie eine dreifache Mutter Ende 30, die bereits seit 17 Jahren an einer neurologischen Erkrankung litt, hinter der Multiple Sklerose vermutet wurde. „In den letzten drei Jahren meiner Krankheit war ich praktisch bettlägerig und an den Rollstuhl gefesselt“, erklärt Marion Carroll. „Ich hatte keine Kraft in den Beinen, in meinem rechten Arm und in der rechten Hand, war auf dem rechten Auge blind und konnte auf dem linken Auge sehr schlecht sehen. Mein Sprachvermögen war eingeschränkt, meine Kehle schwer betroffen. Mein Essen musste zerkleinert oder verflüssigt werden. Ich musste gefüttert, gewindelt und bewegt werden wie ein Baby im Kinderwagen.“

Nach der Messe konnte sie wieder gehen

Auf einer Krankenbahre wurde sie ins Heiligtum gerollt. „Bei meiner Ankunft war ich völlig gelähmt und litt unter doppelter Inkontinenz“, so Marion Carroll. „Ich konnte nicht richtig sehen, nicht richtig sprechen, nicht richtig lesen. Die Muskeln waren betroffen, das Gehirn war betroffen, ich konnte mich nicht an Dinge erinnern. Um 14.20 Uhr kam ich in die Basilika, um an der Messe zur Krankensalbung und Krankensegnung teilzunehmen.“ Ihre Bahre wurde bei der weißen Statue der Gottesmutter abgestellt, mit der Marion Carroll ein inneres Zwiegespräch begann.

Sie beschreibt, dass sie in dem Moment, in dem ihr Bischof mit der Monstranz zu ihr kam, um sie mit dem Allerheiligsten zu segnen, tiefen inneren Frieden verspürte: „Als die Messe zu Ende war, war ich geheilt.“ Nachdem eine Krankenschwester ihre Bahre aus der Basilika in einen anderen Raum gerollt hatte, bat sie diese, die Gurte zu lösen, erhob sich und begann zu gehen. „Schau, Jimmy, ich kann gehen!“, rief sie ihrem hinzukommenden Ehemann entgegen, der sie zunächst entsetzt davon abhalten wollte, dann aber in Tränen ausbrach und auf die Knie fiel, um dem Herrn zu danken. „Es haute mich einfach um“, sagte ihr Mann. „Zu sehen, wie sie dort stand – nach all den Jahren.“ Auch die anderen Symptome waren vollkommen verschwunden.

Marion Carroll ist heute eine lebensfrohe, sehr gepflegte Dame Ende 60, die dankbar ist für ihre gute Ehe und ihre Familie. Sie hat ihr Leben in den Dienst der Kranken gestellt, denen sie durch ihre Geschichte Mut macht und mit ihnen Heilungsgebete spricht. „Aber ich kann nicht heilen. Nur Jesus kann heilen“, sagt sie. „Wenn ich mit ihnen bete, dann gebe ich ihnen nur das Rezept. Aber er ist der Arzt.“