Trier

Kommentar: Ukas aus Rom

Die Entscheidung der römischen Kleruskongregation zur geplanten Trierer Bistumsreform befreit Bischof Ackermann aus einer misslichen Lage.

Bischof Stephan Ackermann
Hat bereits angekündigt, dass er aufgrund der Entscheidung der Kleruskongregation die Errichtung der ersten 15 Pfarreien und Kirchengemeinden zum 1. Januar zurücknehmen wird: der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Foto: Arne Dedert (dpa)

Die römische Kleruskongregation hat das Bistum Trier und Bischof Ackermann zum Auftakt der neuen Kirchenjahrs in letzter Minute aus einer misslichen Lage befreit. Alle Dekrete zur Aufhebung der bisherigen Pfarreien, die bereits in den Briefkästen der Pfarrhäuser lagen und die Ortskirche in den Kriegszustand zwischen Bischof und Pfarreien versetzt hätten, sind vorerst Makulatur. Offene Rebellion gegen den Ukas aus dem Vatikan ist in Trier nicht zu befürchten. Bischof Ackermann hat bereits angekündigt, dass er aufgrund der Entscheidung der Kleruskongregation die dekretierte Errichtung der ersten fünfzehn Pfarreien und Kirchengemeinden zum 1. Januar zurücknehmen wird.

Roms Intervention war keine Selbstverständlichkeit

Dass Rom überhaupt auf die Beschwerde aus den Reihen des Trierer Klerus reagiert hat war keine Selbstverständlichkeit : Sowohl im Kleruskongregation als auch im Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte kann man ein Lied über deutsche Sonderwege bei Pfarreireformen singen. Beispiel Aachen: Auch die Organisation der "Gemeinschaft der Gemeinden" überschritt seinerzeit aus Sicht etlicher Diözesane die Grenzen des kirchenrechtlich Zulässigen und führte zu Beschwerden in Rom. Aufzuhalten war der Prozess durch die rote Karte aus Rom allerdings nicht.

Dass Bischof Ackermann im Gegensatz zu Bischof Mussinghoff einlenkt ist nicht nur ein Sieg der Beschwerdeführer. Es gibt mehrere Gewinner: Zunächst Bischof Ackermann selbst. Ihm wird eine Klärungsphase geschenkt. Der im Zug der Neuerrichtung der Pfarreien unausweichlich lodernde Zorn im Kirchenvolk wäre keine gute Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit gewesen. In Trier steht viel auf dem Spiel: das priesterliche Amtsverständnis, die Seelsorge, für die es Pfarreien statt einer Art Servicestation braucht und das Kirchenbild selbst.

Dass sich der Bischof im Vorfeld der Neuordnung von Pfarreien offensichtlich nicht ausreichend über die Grenzen des Zulässigen beraten hat, ist nun zweitrangig. Das Bistum Trier hat nun Zeit für einen Relaunch seines missglückten Reformversuchs. Wer nun empört den Schwarzen Peter nach Rom schiebt, disqualifiziert sich selbst.

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