Vatikanstadt

Kommentar: Spontis der Tradition

Man mag noch so oft betonen, dass die Kirche nicht zu einer Nichtregierungsorganisation werden dürfe. Die Amazonas-Synode aber hat gezeigt: Eine säkulare und globalistische Agenda beherrscht die Kirchenpolitik.

Umstrittene indigene Holzfigur
Eine "Pachamama"-Figur in der Kirche Santa Maria in Traspontina in Rom. Foto: Paul Haring (KNA)

Die Amazonassynode musste selbst dem arglosesten Beobachter deutlich machen, dass sich mancher in Rom kosmopolitischen Utopisten andienen wollte, was im unreflektierten Umgang mit indigener und mithin synkretistischer Symbolik einen schwer überbietbaren Ausdruck fand. Sicherlich kann man zur Entwendung der Pachamamastatuetten und ihrer Versenkung im Tiber unterschiedlicher Meinung sein. Aber es müsste eigentlich unstrittig sein, dass gerade Pachamama als Synodenaccessoire eben doch mehr war als „eine Darstellung nackter schwangerer Frauen“, und deren Versenkung im Tiber kein Akt der Prüderie, wie beispielsweise der Wiener Erzbischof den Aktivisten vorwarf.

Nicht ausblenden, wer die Radikalisierung anstieß

Dabei sollte auch nicht ausgeblendet werden, wer die Radikalisierung anstieß. Denn man mag noch so oft betonen, dass die Kirche nicht zu einer Nichtregierungsorganisation werden dürfe. Dass aber ganz im Gegenteil eine säkulare und globalistische Agenda die Kirchenpolitik beherrscht, ist Tatsache. Auch das mag Kardinal Walter Brandmüller dazu verleitet haben, die Aktivisten als „Makkabäer“ zu preisen, die dem heidnischen Kult ein Ende bereiten möge.

Die Spontis der Tradition, die in Rom zur Tat schritten, erlauben sich einen Aufstand gegen eine entzauberte Welt, in deren Bann sie die Kirche sehen. Im revolutionären Frankreich nannte man sie die „Refraktären“, die Nicht-Beeinflussbaren, die aus dem Glauben heraus an der alten Ordnung festhielten. Mit ihrer Tat gaben die „Makkabäer“ nun einer traditionellen Bewegung gegen Selbstaufgabe und Säkularisierung des Christentums ein Gesicht, die weltweit bemerkbar wird.

Gegen eine politische Instrumentalisierung des Glaubens

Ihre Tat, die sich gegen eine politische Instrumentalisierung des Glaubens wendet, dürfte als Initial empfunden werden, was die panikartigen Reaktionen progressistischer Theologen und Vatikanisti in den sozialen Medien erklärt. Einmal mehr haben gerade sie ihr Feindbild klar umrissen: Notwendigkeit dogmatischer Überzeugungen und geistlichen Kampfes. Kurz: Alles was nicht in die fluide Postmoderne passt. Brandmüllers „Makkabäer“ dürften sie mit ihrer revolutionierten Kirche nicht überzeugen.