Vatikanstadt

Kommentar : Friedensmoral?

Mächten wie den Vereinigten Staaten, England oder Frankreich mit dem Sündenregister im katholischen Katechismus zu drohen, wenn sie nicht einseitig abrüsten, ist Ausdruck einer moralischen Gesinnung.

Papst Franziskus beendet Besuch in Japan
Auch auf dem Rückflug von Tokio nach Rom erklärte Papst Franziskus, dass nicht nur der Einsatz, sondern auch der Besitz von Atomwaffen abzulehnen sei. Foto: Remo Casilli (Reuters Pool)

Auf dem Rückflug von Tokio nach Rom hat Papst Franziskus wiederholt, was er auch schon in Japan gesagt hat – dass nicht nur der Einsatz, sondern auch der Besitz von Atomwaffen abzulehnen sei.

In Hiroshima sagte der Papst auf eine Journalistenfrage, habe er bekräftigt, „dass der Gebrauch von nuklearen Waffen unmoralisch ist, was deswegen auch in den Katechismus der Katholischen Kirche gehört – und nicht nur der Einsatz, sondern auch der Besitz, weil ein Unglück oder die Verrücktheit irgendeines Regierenden, die Verrücktheit eines Einzelnen die Menschheit zerstören kann.“

"Der vierte Weltkrieg wird mit
Stöcken und Steinen ausgetragen werden"
Albert Einstein

Man solle an den Satz des Physikers Albert Einstein denken, betonte Franziskus: „Der vierte Weltkrieg wird mit Stöcken und Steinen ausgetragen werden.“ Nun sind auch die US-amerikanischen Bischöfe für eine komplette atomare Abrüstung – wie eigentlich jeder Gläubige mit gesundem Menschenverstand.

Zum Besuch von Papst Franziskus in Nagasaki und Hiroshima erklärte Bischof David John Malloy, der Vorsitzende der Kommission „Iustita et Pax“ der amerikanischen Bischofskonferenz, dass der Papst in Japan ein starkes Zeugnis für die „ernsthafte Gefahr“ abgegeben habe, „die Nuklearwaffen für das menschliche Leben darstellen“. Dabei habe er ganz im Sinne seiner Vorgänger im Petrusamt zu einer „Welt ohne Atombomben aufgerufen“.

Besitz von Nuklearwaffen als Sünde in den Weltkatechismus?

Aber auch den Besitz von Nuklearwaffen – wie die Sünden gegen die Umwelt – als Sünde in den Weltkatechismus aufzunehmen, dazu hat der amerikanische Bischof nichts gesagt. Das atomare Gleichgewicht hat die Welt während des Kalten Kriegs vor einer nuklearen Katastrophe bewahrt. Es war Ausruck der Realpolitik.

Jetzt Mächten wie den Vereinigten Staaten, England oder Frankreich mit dem Sündenregister im katholischen Katechismus zu drohen, wenn sie nicht einseitig abrüsten und ihre Atomwaffen entsorgen, ist Ausdruck einer moralischen Gesinnung. Es ist aber eben nicht Ausdruck jener Realpolitik, die auch heute nötig ist, da die Welt auch 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch keinen Deut sicherer geworden ist.

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