Würzburg

Kommentar: Erwartbare Spannungen

Die Amazonas-Synode droht missbraucht zu werden. Nicht wenige sehen in ihr die Möglichkeit, einen größeren Umbau der Weltkirche anzutesten.

Interview vor der Amazonas-Synode
"Die Weihe von „viri probati“ ist nutzlos. Es ist, als nähte man neuen Stoff auf alte Kleidung. Der Riss würde nur noch größer", meint Bischof em. Azcona. Foto: (259466563)

Die Amazonassynode weckt, noch ehe sie begonnen hat, gegenläufige Erwartungen. Die einen schauen hoffnungsvoll nach Rom, die anderen befürchten das Schlimmste. Fakt ist: Einflussreiche Kirchenkreise in Lateinamerika wie in Europa – Deutschland vorneweg - sehen in der regionalen Synode den Testlauf für einen größeren Umbau der Gesamtkirche. Dies wäre aber angesichts der geistlichen Not Amazoniens eine verpasste Chance wenn nicht ein Missbrauch der Synode. Fragen wie die der Viri Probati oder gar des Frauendiakonats sind Gegenstände einer allgemeinen Kirchenversammlung, keiner regionalen. Sollte eine Synodenmehrheit in diese Richtung drängen: Die Folgen für die Einheit der Weltkirche wären massiv. Widerspruch etwa aus Afrika ließe nicht lange auf sich warten.

Die Spannungen fordern auch den Papst heraus

Aber schon jetzt ist klar: Dieser Kurs wird auf der Synode selbst nicht ohne Widerspruch bleiben – wie überhaupt mit Spannungen in der Sache zu rechnen ist. Befreiungstheologische Prägung und ein an den Päpsten seit Johannes Paul II. geschultes Denken werden aufeinanderstoßen. Keineswegs alle Bischöfe glauben, dass sich Evangelisierung, wie es das Instrumentum laboris nahelegt, vor allem im Einsatz für Umwelt und Menschenrechte zeigt oder gar erschöpft – wenn es auch Konsens ist, dass kirchliches Handeln natürlich auch diese Themen umfassen muss, will es glaubwürdig sein.

Papst Franziskus ist während der kommenden Wochen in seinem Amt gefordert, die Brüder im Glauben zu stärken und die Einheit der Herde zu wahren. Entscheidend wird sein, den Fokus auf die Evangelisierung zu richten. Kaum etwas betont der Heilige Vater stärker als Mission und Glaubensverkündigung. Dies hat er nicht zuletzt in seinem Brief an die deutschen Katholiken deutlich gemacht. Die Synode wird dann - und nur dann - ein Modell auch für andere Teile der Weltkirche – „Synodaler Weg“ eingeschlossen -, sein, wenn sie einerseits das offene, respektvolle Gespräch pflegt, andererseits um die Prioritäten weiß: Christus als das einzige Heil der Welt zu verkünden und die Begegnung mit Ihm zu ermöglichen. Denn das allein hat sie jeder NGO voraus.