Vatikanstadt

Kommentar: Die Stunde der Macher

Mit der sechsten Welle an Kardinalserhebungen am kommenden 5. Oktober werden die meisten Purpurträger "Kreaturen" von Papst Franziskus sein.

Papst Franziskus ernennt neue Kardinäle
Eine kommende Papstwahl wird ganz im Zeichen von Franziskus stehen, auch wenn er nicht mehr dabei sein wird. Foto: Vadim Ghirda (AP)

Franziskus bestellt sein Feld. Mit der sechsten Welle an Kardinalserhebungen am kommenden 5. Oktober werden die meisten Purpurträger im wohl erlesensten Club der Welt „Kreaturen“ des amtierenden Papstes sein. Von den derzeit 118 bei einem Konklave Wahlberechtigten haben Johannes Paul II. 19 und Benedikt XVI. 42 Kardinäle ernannt. Nach dem kommenden Konsistorium wird Franziskus insgesamt 67 konklaveberechtigte Purpurträger und damit mehr als die Hälfte des Kollegiums berufen haben.

Papst Franziskus ist ganz seinen Vorlieben gefolgt

Vor allem bei der Auswahl der am 5. Oktober zu kreierenden Kardinäle ist der Argentinier ganz seinen Vorlieben gefolgt. Eine kommende Papstwahl wird daher im Zeichen von Franziskus stehen, auch wenn er nicht mehr dabei sein wird. Nach dem kommenden Konsistorium wird die Zahl der Papstwähler kurzfristig auf 128 ansteigen, noch im Oktober scheiden vier wegen des Erreichens der Altersgrenze von 80 Jahren aus.

Viele der dann 124 Mann starken Truppe kennt man nicht – viele wirken an den „Peripherien“ der Welt. Aber sehr viele von ihnen sind „Macher“, Streiter für die Rechte der Unterdrückten, Männer des Dialogs mit dem Islam oder Vertreter einer offeneren Migrationspolitik. Politik und Pastoral stehen bei den Auswahlkriterien von Papst Franziskus ganz oben. Ob auch Männer eines tiefen Glaubens, Meister der Theologie und Kenner der Kirchenväter und der Tradition unter den von Franziskus berufenen Kardinälen sind, weiß man nicht. Als Begründungen für die Berufung wurden stets andere genannt.

Es geht mehr um das Machen, als um den Glauben

Auch einen anderen „Macher“ seines Vertrauens hat Franziskus jetzt geschickt installiert. Nach der Veröffentlichung eines manipulierten Briefs des emeritierten Papstes musste Medienpräfekt Dario Edoardo Vigano seinen Hut nehmen und konnte nur noch als „Assessor“ hinter den Kulissen der Vatikanmedien wirken. Jetzt wird er Vizekanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften und steht als Nachfolger von Kanzler Sánchez Sorondo bereit. Auch so ein Posten, auf dem es mehr um das Machen, als um den Glauben geht.