Kommentar : Der Unbequeme

Am „Fest der Unschuldigen Kinder“ erinnerte der Kölner Kardinal Woelki daran, dass jedes Kind, geboren oder ungeboren, vom Augenblick seiner Zeugung an ein von Gott gewolltes und geliebtes Kind sei.

Kardinal Rainer Maria Woelki
Der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, hat am „Fest der unschuldigen Kinder“ Bluttests auf Down-Syndrom und Werbung für Abtreibung kritisiert. Foto: Federico Gambarini (do)/dpa

Der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, ist ein unbequemer Mann. Einer, der sich – gelegen oder ungelegen – öffentlich für die Aufnahme von Flüchtlingen und gegen die Tötung ungeborener Kinder im Mutterleib ausspricht. Am „Fest der Unschuldigen Kinder“ erinnerte Woelki im Kölner Dom nun daran, dass „jeder Mensch, jedes Kind – geboren oder ungeboren – in den Augen Gottes gut, sehr gut sogar, ist“ und „vom Augenblick seiner Zeugung an – ein von Gott gewolltes und geliebtes Kind“ sei.

Partikulare Sicht nicht verabsolutieren

Dass der Kardinal in seiner Predigt nicht zwischen jenen unterscheiden wollte, die in Deutschland von Abtreibung bedroht werden, und jenen, die in „Syrien, Somalia oder dem Jemen“ Terror und Gewalt zu entfliehen suchten, werden ihm hierzulande einige übel nehmen. Jene, die sich zwar vorbildlich für Flüchtlinge einsetzen, aber meinen, ungeborene Kinder müssten nicht genauso willkommen geheißen werden. Sowie jene, die sich zwar vorbildlich für das Lebensrecht ungeborener Kinder im Mutterleib einsetzen, aber meinen, die Solidarität mit ihren Mitmenschen habe an Staatengrenzen Halt zu machen.

Diesen arg begrenzten Teilperspektiven stellte Woelki die Perspektive Gottes gegenüber: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und es war sehr gut (Gen 1,31)“. Das „einfache Gutheißen des Lebens“ sei keine abstrakte, komplizierte oder gar unverständliche Norm, sondern eine, die zum „Geschöpf-Sein“ des Menschen gehöre und die Gott „in seine Schöpfung eingeschrieben“ habe. Wenn heute nicht wenige den Bedeutungsverlust der Katholiken beklagen und sich wehmütig an Zeiten erinnern, in denen diese die Kultur westlicher Gesellschaften entscheidend prägten, dann sollte nicht vergessen werden, wieviel daran hausgemacht ist. Denn wo die globale Sicht schwindet und stattdessen die partikulare verabsolutiert wird, fragmentieren selbst Glaubensgemeinschaften und berauben sich selbst ihrer Präge-Kraft.

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