Canberra/Würzburg

Kardinal Pell legt erneut Berufung ein

Vor gut einer Woche wurde die Berufung von George Pell gegen seine Verurteilung zurückgewiesen. Nun wendet sich der australische Kardinal an die letztmögliche Instanz.

Fall Kardinal Pell: Anwälte legen Berufung ein
Seit Dezember 2018 ist Kardinal George Pell verurteilter Sexualstraftäter. Dagegen legt der 78-Jährige erneut Berufung ein. Foto: Erik Anderson (AAP)

Kardinal George Pell hat erneut Berufung gegen sein Verurteilung als Sexualstraftäter eingelegt. Wie die „Catholic News Agency“ (CNA) am Montag berichtete, hat der 78-jährige Australier damit die letzte mögliche Instanz angerufen. Nachdem das Oberste Gericht im Bundesstaat Victoria bereits eine erste Berufung zurückgewiesen hatte, soll sich nun der High Court von Australien in Canberra erneut mit dem Fall befassen. Derzeit verbüßt Pell eine sechsjährige Haftstrafe. Im Dezember 2018 hatte ihn eine Geschworenen-Jury für schuldig befunden, 1996 als Erzbischof von Melbourne einen 13 Jahre alten Chorknaben missbraucht und einen anderen belästigt zu haben.

Kritiker sprechen von Fehlurteil

Am Verfahren und dem Urteil über Pell hatten Beobachter deutliche Kritik geübt. In Medien wurde es vielfach als Fehlurteil bezeichnet. Seine Anwälte betonten in der ersten Berufung insbesondere, dass die Verurteilung letztlich allein auf der Aussage eines einzelnen Klägers beruhe. Dem war auch einer der drei Richter des Gerichts in Melbourne in seinem abweichenden Minderheitsvotum gefolgt. Laut CNA wird erwartet, dass Pells Anwälte dies zur Grundlage ihrer neuerlichen Berufung machen werden.

George Pell war ab 1987 Weihbischof in Melbourne und ab 1996 Erzbischof der Diözese. Von 2001 bis 2014 stand er der Erzdiözese Sydney vor. Anschließend diente er unter Papst Franziskus als Leiter des Wirtschaftssekretariats des Vatikan. Aufgrund der Missbrauchsvorwürfe gegen seine Person war er bereits ab 2017 beurlaubt und ist seit Anfang 2019 offiziell aus der Funktion entlassen. Zugleich hatte der Vatikan in mehreren Stellungnahmen das Recht des Kardinals betont, alle Instanzen des Rechtsweges auszuschöpfen. Pell betont in dem Verfahren von Beginn an seine Unschuld.

DT/kma/KNA