Würzburg

Glaubenskurs Teil 15: Was bedeutet Heiraten in der Kirche?

Der multimediale Glaubenskurs von "Tagespost", Youcat und Radio Horeb.

Blumenschmuck für Hochzeit
Vor der sakramentalen Ehe müssen sich Mann und Frau darüber im Klaren sein, was das bedeutet. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Wieso hat Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen?
Gibt es einen Vorrang eines Geschlechts vor dem anderen?

Youcat 64 und 401

Dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat, ist vielleicht eine seiner besten Erfindungen. Was wäre das für eine traurige Welt, wenn es Liebe und Erotik und all die faszinierenden Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht gäbe. 6500 Gene ticken in Männern und Frauen unterschiedlich. Trotzdem bedauert eine Frau die andere, die in einem reinen Frauenbüro arbeiten muss: "Nur Frauen, wie hältst du das nur aus!"   "Nur Männer, wie öde ist das denn", bedauert ein Mann seinen Kollegen, den es unter lauter Männer verschlagen hat. Gott hat Männer und Frauen nicht nur unterschiedlich geschaffen - er hat sie auch aufeinander hin erschaffen, so, dass sie sich ergänzen und zusammen ein Stück Ähnlichkeit mit Gott ahnen lassen.

Was bedeutet es, dass der Mensch ein sexuelles Wesen ist?

Youcat 400

Gott weiß wohl, dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus sind; es ist, als wäre es ein Trick von ihm, dass er nur eine einzige Plattform gemacht hat, auf der Mann und Frau dauerhaft zusammenkommen: Liebe. Dass Liebe zwischen Mann und Frau in der Ehe mündet, ist keine Erfindung von Schwiegermüttern; es liegt im Wesen des Menschen und im Wesen der Liebe selbst, sich vorbehaltlos zu binden. 

Was ist Liebe?
Hat Gott Mann und Frau füreinander bestimmt?

Youcat 402 und 260

Liebe ist etwas sehr Tiefes   ein Zustand, in dem einem Menschen dieser andere Mensch erscheint, der jeden Preis, sogar das eigene Leben, wert ist. Liebe macht, dass man sich verrückterweise endgültig an einen anderen verschenkt   ohne nähere Konditionen. Wenn ich krank werde? Egal! Wenn ich eines Tages grau bin? Für mich wirst du nie hässlich sein. Albert Camus sagte dazu: "Einen Menschen lieben heißt, einwilligen mit ihm alt zu werden." Liebe ist ein Geschenk. Geschenke nimmt man nicht zurück. Mann und Frau schaffen einen Raum der Wärme, in dem Kinder kommen und glücklich aufwachsen können.  

Welche Bedeutung hat das Kind in der Ehe?

Youcat 418

Allerdings sagt Papst Franziskus: "Ehe ist auch tägliche Arbeit, ich könnte sagen: eine Handwerksarbeit, eine Goldschmiedearbeit, weil der Ehemann die Aufgabe hat, die Ehefrau mehr Frau werden zu lassen, und die Ehefrau ihren Ehemann mehr zum Mann werden lassen muss.   Na ja, und so kann ich mir vorstellen, wie dich dann eines Tages auf der Straße im Dorf die Leute ansprechen und sagen: "Was für eine schöne, starke Frau!  "   "Kein Wunder, bei dem Ehemann!" Und auch zu dir werden sie sagen: "Schaut ihn euch an!  "   "Kein Wunder, bei der Ehefrau!" Und genau das ist es! Darum geht es: dass wir uns gemeinsam wachsen lassen, der eine den anderen."

Damit Bestand haben kann, was rein menschlich gesehen riskant ist, spenden sich Mann und Frau vor einem Priester das "Sakrament der Ehe". Das ist mehr, als jeder Ehevertrag leisten könnte. Gott bietet dem Paar einen Bund an; er bringt sich selbst in die Gemeinschaft von Mann und Frau ein und verbindet sie in der Tiefe seiner eigenen unwiderruflichen göttlichen Liebe: "Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen." (Matthäus 19,6). 

Wie kommt das Sakrament der Ehe zustande?

Youcat 261

Bevor die beiden sich treue Liebe "bis dass der Tod uns scheidet" versprechen, muss klar sein, was zur Ehe gehört. Dazu gehört, was manche verwundern wird, Sex. Die Ehe kommt eben nicht nur durch ein Versprechen zustande, sondern auch, indem Mann und Frau miteinander schlafen und so "ein Fleisch" (Matthäus 19,5) werden. Und die Leute denken immer, Gott hätte mit Sex nichts am Hut!

Was gehört notwendig zu einer christlich sakramentalen Ehe?

Youcat 262 

Und es gibt weitere Bedingungen: Die beiden müssen frei von Bindungen sein, wenn sie vor den Traualtar treten; und das Versprechen muss umfassend und öffentlich sein. Beide müssen zu ihrem Schritt aus freien Stücken bereit sein. Wenn einer der beiden zum Zeitpunkt der Eheschließung unter Zwang, Furcht, innerem oder äußerem Druck handelt, kommt es nicht zu einer gültigen Ehe. Man darf auch nicht "den Papa" oder "die Mama" heiraten oder weil man endlich aus dem Haus will. Man darf auch nicht kirchlich heiraten, wenn man insgeheim denkt: "Probieren wir s mal! So lange es hält, hält es!" Ebenso wenig kommt der sogenannte Ehekonsens (= gemeinsame Wille zur Ehe) zustande, wenn einer oder beide Partner im Traum nicht daran denkt, außereheliche Liebschaften definitiv zu lassen. Und eine letzte Hürde gibt es noch: Beide müssen offen sein für Kinder. Wenn einer heimlich denkt "Nicht mit mir!", kommt es nicht zur Ehe.

Die ganze Schönheit und Größe der christlichen Ehe wird man aber erst entdecken, wenn man sie als Gleichnis für Gottes Treue und Hingabe begreift: "Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat ... Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib." (Epheser 5,25.28a)