Der Papst und das drohende Schisma

Er habe keine Angst vor einer Kirchentrennung, so Papst Franziskus auf dem Rückflug von Mauritius. Seinen Kritikern wirft er rigiden Moralismus vor.

Ende des Papstbesuches in Afrika
Auf dem Rückflug von Mauritius nach Rom äußert sich der Papst über seine Kritiker: "Mir gefällt es nicht, wenn sie dich anlächeln und dir dann einen Dolch in die Schulter hauen." Foto: Alessandra Tarantino (AP)

Papst Franziskus hat von einem Schisma in der Kirche gesprochen. Und zwar auf dem Rückflug von Afrika nach Rom. Vor den mitfliegenden Berichterstattern meinte er, er habe keine Angst vor einer Kirchentrennung. "In der Kirche hat es viele Schismen gegeben. Es ist eine der Handlungen, die der Herr immer der Freiheit der Menschen überlassen hat." Der Journalist, der Franziskus nach den Kirchenspaltungen gefragt hatte, sprach von einem "amerikanischen Schisma" ein Thema, das der Papst schon bei der Begrüßung auf dem Hinflug angesprochen hatte ("Es ist eine Ehre, wenn mich die Amerikaner kritisieren").

"Wenn einer Kritik erfährt,
muss er sofort selbstkritisch sein"
Papst Franziskus

Und jetzt, auf dem Rückflug von Mauritius am Dienstag, meinte er weiter, dass Kritik immer helfe. Mal würde sie einen wütend machen, aber es gebe auch Vorteile: "Wenn einer Kritik erfährt, muss er sofort selbstkritisch sein." Aber dann, fuhr Franziskus fort, "sind es nicht nur Amerikaner (die an ihm Kritik üben), sie sind irgendwie überall, auch in der Kurie: Die, die es offen sagen, haben wenigstens das Verdienst der Aufrichtigkeit. Aber mir gefällt es nicht, wenn sie dich anlächeln und dir dann einen Dolch in die Schulter hauen." Das helfe nicht, so der Papst. "Auch helfen nicht die kleinen, geschlossenen Gruppen, die keine Antwort auf die Kritik hören wollen."

"Wenn die Lehre in die Ideologie abrutscht,
besteht die Möglichkeit eines Schismas"
Papst Franziskus

Und nochmals wurde er konkret: "Man behauptet: Der Papst ist zu kommunistisch und so dringt die Ideologie in die Lehre ein. Und wenn die Lehre in die Ideologie abrutscht, besteht die Möglichkeit eines Schismas. Die Moral der Ideologie führt zur Rigidität und heute haben wir viele Schulen der Rigidität innerhalb der Kirche, die kein Schisma sind, aber pseudo-schismatische Wege des Christlichen, die schlecht enden."

Was soll man von diesen Äußerungen von Papst Franziskus vor einer starken Truppe an qualifizierten Journalisten zahlreicher Weltmedien halten, also von diesen Worten an die kirchliche Öffentlichkeit und die ganze Welt? Was heißt, dass Rigidität aus einem ideologischen Denken entsteht? Der Unmut und auch Widerstand, den etwa der synodale Weg zu Ehe und Familie und "Amoris laetitia" hervorgerufen haben, muss hier nicht erneut dargestellt werden. Aber wenn die angebliche Rigidität der Kritiker darin besteht, dass diese auf dem Boden des Naturrechts eine deontologisch begründete Morallehre hochhalten, dann ist das keine Ideologie, sondern Treue zum Lehramt, wie es in zahlreichen verbindlichen Schreiben wie "Familiaris consortio", "Fides et ratio", "Veritatis splendor" oder "Evangelium vitae" bis hin zu Texten des Zweiten Vatikanums niedergelegt worden ist.

Über alles kann man reden. Am richtigen Ort, mit den richtigen Leuten, zur richtigen Zeit

Über alles kann man reden. Am richtigen Ort, mit den richtigen Leuten, zur richtigen Zeit - aber bitte nicht im Flugzeug vor Journalisten mit ihrer bisweilen eher kirchenpolitischen als theologisch präzisen Denke. Hätte Franziskus den vier Kardinälen der "dubia" gesagt: "Kommt mal vorbei, wir reden darüber", würde man ihm heute eher glauben, als Pontifex Parteibildungen und Unklarheiten verhindern zu wollen. Jetzt aber vor der Welt seine Kritiker pauschal als rigide Moralisten zu verunglimpfen, die in die Ideologie abgerutscht sind, dürfte die schismatische Stimmung in der Weltkirche und die haben wir nur noch verstärken.