Bonn/Würzburg

"Das leere Grab ist kein Beweis"

Was bedeutet die Auferstehung Christi für uns? Der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke erläutert, was Christen an Ostern feiern - und was nicht.

Was das leere Grab beweist
Der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke erklärt, was wir glauben, wenn wir die Auferstehung Christi bekennen. Foto: CHOAT BOONYAKIAT (195248211)

Herr Professor Menke, wir feiern am Sonntag die Auferstehung Christi. Was genau feiern wir da?

Ostern feiern wir, dass Christus den Tod besiegt hat. Gemeint ist allerdings nicht der physische Tod. Den sterben wir alle auch nach Ostern. Gemeint ist der Tod, der durch die Sünde in die Welt kam. Der Erste Korintherbrief, das älteste Osterzeugnis des Neuen Testamentes, erklärt: "Wegen unserer Sünde" ist  Christus gestorben. Die Sünde ist biblisch gesehen das Gegenteil von Gott, das Gegenteil der Liebe; das, was Gott absolut nicht will. Sie ist   bildlich gesprochen   der  Ort , an dem Gott nicht ist. Die Hebräer nennen diesen  Ort  den "ewigen Tod" oder "den von Gott getrennten Ort", hebräisch:  Sheol . Ostern feiert die Christenheit, dass Gott durch und in Christus dahin gelangt ist, wo die Sünde und mit ihr der Sünder ist.

"Christus hat die von Gott trennende Macht
der Sünde entmachtet. Wer seine bis in die tiefste Tiefe
herabreichende Hand ergreift, hat jetzt schon
Anteil am Leben Gottes, das der Himmel ist"

Kann man sagen: Seit Ostern hat die Hölle einen Ausweg?

Ja. Dieser Ausweg ist Christus selbst. Er ist der Weg zum Vater. Die Osterikonen des Ostens zeigen Adam, wie er als erster unter den Sheol Existenzen die  ihm hingestreckte Hand des zum Vater zurückkehrenden Sohnes ergreift und dann alle seine Brüder und Schwestern hinter sich herzieht. Christus hat die von Gott trennende Macht der Sünde entmachtet. Wer seine bis in die tiefste Tiefe herabreichende Hand ergreift, hat jetzt schon Anteil am Leben Gottes, das der Himmel ist. Der physische Tod bleibt auch nach Ostern niemandem erspart. Aber das Sterben ist von Christus verwandelt worden. Der physische Tod ist nicht mehr das Tor in die  Sheol , sondern der Weg in den Himmel   jedenfalls für alle, die sich, obwohl noch Sünder, glaubend und hoffend von Christus ergreifen lassen. Es gibt den Tod, der Folge der Sünde ist; und es gibt dessen Gegenteil: den Tod aus Liebe: den Tod Jesu.
 

Etwas provokant gefragt: Die meisten Menschen wissen nicht, was sie beichten sollen; und erst recht nicht, warum Sünde die Macht haben soll, uns von Gott zu trennen. Warum ist Gott nicht einfach barmherzig? Könnte er sich - salopp formuliert - nicht einfach auf den Balkon seines Himmels stellen und "urbi et orbi" alle Sünden für nichtig erklären? Warum das ganze Drama zwischen Bethlehem und Golgatha?

Gott, wenn er dem Menschen nicht nur scheinbare, sondern wirkliche Freiheit geschenkt hat, kann die Sünde nicht verhindern. Um zu ermessen, was das heißt, muss man gar nicht den Holocaust, die jüngsten Kriege auf dem Balkan, im Irak, in Syrien, den islamistischen Terror oder von Menschen wie Stalin oder Hitler verursachte Höllen erinnern. Es genügt ein flüchtiger Blick in das private Leben, um zu verstehen, warum Paulus die ausschließlich von Menschen verursachte Sünde den  eigentlichen  beziehungsweise  ewigen  Tod nennt: die selbstgewählte Trennung von Gott, vom Sinn des Lebens.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Stellen wir uns eine Bilderbuchfamilie vor: ein tüchtiger Vater, eine liebende Mutter, ein Sohn, eine Tochter. Und dann einen weniger glücklichen Menschen,  der neidisch ist auf diese Familie, besonders auf den Vater, der ihm vorgezogen wurde bei der Beförderung am Arbeitsplatz und den alle mögen und loben. Dem, so beschließt der neidische Kollege, will ich eine Lektion erteilen. Den, so meint er, muss auch einmal ein Unglück treffen. Also manipuliert er die Bremse an dessen nagelneuem Auto. Und der so Geschädigte verunglückt schwer - Querschnittslähnmung; er muss seinen Beruf aufgeben; er kann sein Schicksal nicht annehmen; er fängt an zu trinken; die Ehe zerbricht; die Kinder fliehen aus dem vormals intakten Elternhaus. Ich muss nicht fortfahren, um zu erklären, welche Wirklichkeit eine einzige Sünde schafft. Und der Sünder kann seinen Fehler eingestehen, sich öffentlich entschuldigen; sich sogar wie Judas Iskariot erhängen: Er ändert damit nichts an der Wirklichkeit, die er geschaffen hat. Er kann sich nicht von der Sünde abnabeln, die er geschaffen hat. Er klebt an ihr; sie ist ihm zur Hölle, zur  Sheol, zum Gefängnis geworden.

"Nur weil Gott trinitarisch ist, kann er als wahrer
Mensch in der Endlichkeit von Raum und Zeit sein,
ohne deshalb aufzuhören, der nicht
an Raum und Zeit gebundene Gott zu sein"

Könnte nicht Gott die vom Sünder verursachte Wirklichkeit auslöschen?

Nein. Denn wenn er alles, was die Sünde verursacht hat, auslöschen würde, würde er zugleich die Freiheit des Menschen aufheben. Dennoch: Er überlässt  uns nicht dem Verhängnis unserer Sünden. Im Gegenteil: Das Drama zwischen Bethlehem und Golgotha beweist eine Liebe, wie sie größer nicht gedacht werden kann. Nur weil Gott trinitarisch ist, kann er als wahrer Mensch in der Endlichkeit von Raum und Zeit sein, ohne deshalb aufzuhören, der nicht an Raum und Zeit gebundene Gott zu sein.

Das heißt?

Wenn wir Ostern feiern, glauben wir, dass Gott in Jesus Christus als er selbst herabgestiegen ist dahin, wo der Mensch sich in seine Endlichkeit eingeschlossen hat. Der Mensch Jesus ist die einzige Stelle in Raum und Zeit, in der Gott als er selbst da ist. Deshalb nennt ihn die Heilige Schrift "den einzigen Mittler zum Vater". Das heißt: Jesus Christus lehrt uns nicht nur einen Weg wie Gautama Buddha; er bringt uns nicht nur eine Botschaft von Gott wie Muhammad; nein; er ist selbst die Anwesenheit Gottes. Wer Gemeinschaft mit ihm hat, hat Gemeinschaft mit Gott. Deshalb durfte Jesus nach Johannes sagen: "Ich und der Vater sind eins."; "Wer mich sieht, sieht den Vater."; "Niemand kommt zum Vater außer durch mich." Er ist für alle Menschen aller Zeiten, ob sie daran glauben oder nicht daran glauben, die Gemeinschaft mit Gott, das ewige Leben, der Himmel. Das ist die alles bedingende Mitte des christlichen Glaubens.

Sie sagen: Als wahrer Mensch ist Jesus unsere Gemeinschaft mit Gott. Das heißt doch: Derselbe Mensch, der gestorben ist, ist nicht im Grab geblieben. Es gibt aber Theologen, die das bestreiten. Sie wollen die Bedeutung Jesu von dem historischen Jesus trennen. Berühmt geworden ist die These des Exegeten Rudolf Bultmann, nicht der historische Jesus selbst, sondern seine Botschaft, sein  Kerygma  sei von bleibender Bedeutung.  

In einem kleinen Buch mit dem Titel "Cordula oder der Ernstfall" schildert Hans Urs von Balthasar den Dialog zwischen einem kommunistischen Kommissar und einem "modern gewordenen" Christen. Der Dialog ist mit der vielsagenden Überschrift versehen: "Wenn das Salz dumm wird". Der Kommissar geht auf den Christen zu und sagt: "Dein Christentum, was ist das eigentlich?" Der Christ antwortet beflissen: "Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit, das ist christlich." Der Kommissar: "Ach, endlich seid ihr auch so weit? Und wie ist es mit Darwin und der Evolution?" Der Christ antwortet: "Auch ich bin überzeugt, dass der Mensch vom Affen abstammt." Der Kommissar: "Na prima. Besser zu spät als gar nicht. Aber da ist doch noch dieser Jesus." Der Christ: "Ja, aber wir glauben weniger an den historischen Jesus als an den Christus des Kerygmas." Der Kommissar ärgerlich: "Was ist das denn? Chinesisch?" Der Christ: "Nein. Griechisch. Gemeint ist das Sprachereignis. Es kommt darauf an, dass man davon  betroffen wird. Das war jedenfalls die Erfahrung der Urgemeinde." Der Kommissar: "Das reicht. Dein Geschwätz ist ungefährlich. Idioten hat es immer gegeben; die muss man nicht erschießen."

"Der eucharistische Leib ist die sakramentale
Gestalt des verklärten Leibes; kein anderer!"

Das Salz ist dumm geworden und stört niemanden mehr.

Ja. Die Wahrheit des Christentums - so Balthasar in seinem Kommentar - ist keine Idee, keine Theorie, kein Ethos à  la "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"; auch keine Moral oder ein Kerygma, das betroffen macht; sondern die Wahrheit des Christentums ist der historische Jesus. Balthasar wörtlich: "Glauben besagt: mit dem ganzen Dasein danken dafür, dass man sein ganzes Dasein dem historischen Jesus verdankt." Ein Christ - oft genug nicht braver, keuscher oder selbstloser als der Rest der Menschheit - weiß sich mit dem einzigen Geschöpf verbunden, das für immer untrennbar ist von Gott, nämlich mit dem Menschen Jesus. Sakramente bewirken unsere Gemeinschaft mit Jesus und durch Jesus mit Gott. Der Leib des Auferstandenen ist die verklärte Gestalt des historischen Jesus; kein anderer! Und der eucharistische Leib ist die sakramentale Gestalt des verklärten Leibes; kein anderer!
 

Aber was ist das eigentlich: "der verklärte Leib"? Worin genau besteht die von Ihnen beschworene Identität des gekreuzigten mit dem auferstandenen Erlöser?

Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Korinther: "Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen." Die paulinische Unterscheidung zwischen  verweslichem  und  unverweslichem ,  irdischem  und  überirdischem  Leib entspricht dem naturwissenschaftlichen Befund, dass jeder Mensch jedes Molekül und Atom in jeweils circa sieben Jahren vollständig austauscht. Die Identität eines Menschen  wird also nicht von ganz bestimmten Molekülen und ganz bestimmten Atomen bestimmt. Obwohl jeder Mensch   materiell betrachtet   in sieben Jahren ein ganz anderer ist, bleibt er doch derselbe.

Wie?

Es sind zum Beispiel die gelebten oder  verweigerten Beziehungen, die diese Selbigkeit bestimmen. Allerdings gibt es diese Selbigkeit nie ohne Leib; und es gibt auch keinen Leib ohne Materie. Wie es keine Seele ohne Leib gibt, so auch keinen Leib ohne Materie. Wie der irdische Leib Jesu an Materie gebunden war, so auch sein überirdischer Leib. Allerdings wissen wir nicht, was ein Leib ist, dessen materielles Substrat nicht mehr ausgetauscht wird. Wir wissen nicht, was die ganz und gar durchpersonalisierte Materie eines "verklärten Leibes" ist. Aber wir dürfen vermuten, dass der Verfasser des Philipperbriefes an den auferstandenen Christus gedacht hat, als er schrieb: Er "wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes".

"Es geht also bei der Bezeugung des leeren Grabes
nicht um das ,Ob', sondern um das  ,Wie' der Auferstehung Jesu"

Wenn Paulus zwischen verweslichem und unverweslichem, zwischen irdischem und überirdischem Leib unterscheidet, warum kann man dann nicht sagen, dass Jesu irdischer Leib im Grab verblieben ist? Warum die Erzählung aller vier Evangelisten von dem Grab, das am Ostermorgen leer war?

Unbestritten ist: Das leere Grab ist kein Beweis für die Auferstehung Jesu. Die Evangelien selbst lassen die Entdecker des leeren Grabes fragen, ob der Leichnam gestohlen oder an einen anderen Ort verbracht worden sei. Es geht also bei der Bezeugung des leeren Grabes nicht um das "Ob", sondern um das  "Wie" der Auferstehung Jesu. Dieses Ereignis gehört - so wollen die vier Evangelisten mit ihren Erzählungen vom leeren Grab sagen - zu der Offenbarung Gottes in Raum und Zeit. Das Ereignis der Auferstehung beschreibt zwar den Übergang vom irdischen in das überirdische Leben Jesu, ist aber - was seine weltzugewandte Seite betrifft - ein empirisch wahrnehmbares und also historisches Ereignis. Das kann man von den nachösterlichen Erscheinungen des Auferstandenen nicht sagen. Denn sie werden nur von denen gesehen, denen der Erscheinende sich zeigen will. Man darf den entscheidenden Akt der Selbstoffenbarung Gottes nicht aus der Geschichte heraus auf eine transgeschichtliche Ebene verlagern.

Das heißt?

Unser Osterglaube wird zwar durch die Erfahrungsberichte der Zeugen bestärkt, die den Auferstandenen nach Ostern gesehen haben. Aber deren Zeugnis wäre hohl und nichtig, wenn der ihnen Erscheinende nicht derselbe Jesus wäre, den man in das Grab des Josef von Arimathäa gelegt hatte. Ohne reale Auferstehung keine Erscheinungen des Auferstandenen! Einige Theologen verlegen Jesu Auferstehung in den Moment seines Todes. Aber damit ignorieren sie die neutestamentliche Bezeugung des leeren Grabes. Eine "Auferstehung im Tode" hat mit dem beigesetzten Leichnam nichts zu tun. Eine "Auferstehung im Tode" ist in Raum und Zeit nicht wahrnehmbar und also kein geschichtliches Ereignis.  

Wie aber verhält sich die Auferstehung Jesu zu unserer eigenen  Auferstehung? Unser eigener Leichnam verbleibt doch im Grab. Ist unser Tod die Trennung des eigentlichen vom uneigentlichen Menschen, der Seele vom Leib?

Die Beschreibung des Todes als Trennung der Seele vom Leib des Menschen ist eine Erfindung der griechischen Philosophie. Sie findet sich weder im Alten noch im Neuen Testament. Paulus kennt zwar den Gegensatz von  Fleisch  und  Geist , nicht aber den von  Seele  vom  Leib . Mit dem Wort  Geist  meint er die Kraft, sich zu beherrschen, Versuchungen zu widerstehen, sich selbst auf das  Du  des Anderen hin zu überschreiten, kurzum: die Begabung des Menschen mit Vernunft und freiem Willen; seine  Personalität ; sein  Ich . Je mehr ein Mensch seine materiell verfasste Leiblichkeit zu personalisieren versteht, desto ähnlicher wird er dem einen Menschen, der ohne Sünde war. Weil Jesus "der neue Adam", der einzige Mensch ohne Sünde war, unterscheidet sich sein Sterben von dem unsrigen. Sein Tod war integrale   Leib und Seele vollständig einende   Hingabe an den göttlichen Vater. In der äußersten Agonie seines Lebens, am Kreuz, da, wo er sich dem Vater entrissen fühlt   "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"   bleibt er dennoch der Betende, der alles dem Vater Überlassende: "Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist."

Das heißt in Bezug auf unsere eigene Auferstehung was?

Wäre auch unser Leben ohne Sünde, dann wäre auch unser Tod integrale - Leib und Seele vollständig einende - Übergabe an den Vater. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Kirche in Bezug auf Maria zu der Gewissheit gelangt, dass auch sie - weil von Anfang an ohne Sünde - "die Verwesung nicht geschaut hat". Wie gesagt: Was ganz und gar durchpersonalisierte (nicht mehr austauschbare) Materie und also "verklärter Leib" ist, wissen wir nicht. Die Kirche spricht diesen Zustand nur zwei Menschen   nämlich dem Erlöser selbst und seiner Mutter   schon im Tode zu.

Und für den Rest der Menschheit gilt was?

Für alle anderen Adamiten gilt: Da sie auch nach dem Ostereignis Sünder sind und bleiben, ist ihr Tod nicht nur von Glauben, Hoffen und Lieben, sondern auch von Zweifel, Angst und Festhaltenwollen bestimmt. Das heißt: Ihre Gemeinschaft mit Christus ist auch nach dem Tode noch unterwegs zur Vollendung. Unsere Beziehung nicht nur zu Christus, sondern auch zu jedem seiner Brüder und Schwestern muss von jedem Hindernis der Liebe gereinigt werden. Und es gibt keinen privaten Himmel. Wer vollkommene Gemeinschaft mit Christus lebt, verbündet sich auch mit seiner Liebe. Christi Liebe hört niemals auf   auch nicht gegenüber dem verhärtetsten Neinsager. Seine Liebe zwingt nicht, aber hofft alles, glaubt alles, erträgt alles, hält allem stand. Wir können nicht wissen, dürfen aber hoffen, dass Jesus Christus einmal "alles in allem und in allen" sein wird, wie es im Epheserbrief heißt.

Aber was ist dann das "Jüngste Gericht"? Zumindest Matthäus spricht doch von dem Richter, der die Schafe von den Böcken scheidet.

Matthäus will nicht im Voraus wissen, dass die eine Hälfte der Menschheit in der Hölle und die andere im Himmel landet. Ihm geht es um etwas ganz anderes. Er erinnert die Adressaten seines Evangeliums daran, dass sich hier und jetzt entscheidet, wer sie einmal sein werden. Es geht um die Entscheidung für oder gegen Christus. Das Bild von dem Richter, der die einen in die Hölle und die anderen in den Himmel schickt, ist unvereinbar mit der Liebe, die niemals aufhört. "Christus"   so schreibt Joseph Ratzinger in seiner Eschatologie   "teilt niemandem Verderben zu, er selbst ist reine Rettung, und wer bei ihm steht, steht im Raum der Rettung und des Heils. Das Unheil wird nicht von ihm verhängt, sondern es besteht da, wo der Mensch von ihm ferne geblieben ist; es entsteht durch das Verbleiben im Eigenen."

Der Sünder richtet sich selbst, wenn er in den Spiegel blickt, der Christus ist.

Ja. Der Himmel ist kein Ort, sondern die Freude derer, die lieben. Auch die Hölle ist kein Ort, sondern das Unglück derer, die sich gegen die Liebe entscheiden.

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