Gurk-Klagenfurt

Bischofsweihe in Kärnten: Nach einer Irrfahrt

Mit der Weihe von Bischof Josef Marketz endete in Kärnten eine zu lange, turbulente Sedisvakanz.

Kärtens neuer Bischof Josef Marketz
Von der Kathedra aus lauschte Kärntens neuer Bischof, Josef Marketz, den Mahnworten des früheren Generalvikars und Diözesanadministrators, Dompropst Engelbert Guggenberger. Der sieht die bevorstehende Herausforderung in der "Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit, vor allem auch d... Foto: Diözese Gurk/Eggenberger

Katholische Bischofsweihen – das wurde am Sonntag in Klagenfurt wieder auf das Feierlichste sichtbar und spürbar – sind voll tiefer Symbolik und Zeichenhaftigkeit. Irgendwie zeichenhaft war jedoch auch, dass der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro López Quintana, zehn Minuten zu spät eintraf: „Nach einer kleinen Irrfahrt“, wie der Hauptzelebrant, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, in seinem Willkommensgruß anmerkte.

Zu spät gekommen, verspätet, verzögert wirkt mit Blick auf Kärnten so manches römische Handeln. 2008 fanden nicht unerhebliche Vorwürfe gegen den damaligen Kärntner Bischof Alois Schwarz den Weg in die Medien. Der Nuntius, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Metropolit – alle waren von hochrangigen Klerikern aus der Diözese Gurk-Klagenfurt informiert worden. Abgesehen von einem Kurzbesuch des damaligen Metropoliten, Erzbischof Alois Kothgasser, geschah wenig. Ein Jahrzehnt später, als Schwarz zum Nachfolger von Bischof Klaus Küng in der Diözese St. Pölten ernannt wurde, kochten die Gerüchte scharf gewürzt wieder hoch.

Visitationsbericht seit elf Monaten unbeantwortet in Rom

Bestätigt, mit Fakten untermauert und sogar überboten wurden sie ab 2. Juli 2018, als der vormalige Generalvikar Engelbert Guggenberger als frisch gewählter Diözesanadministrator auf Transparenz setzte. Dem Vatikan und jenen, die ihn in Austriaca beraten, schien die Zeit dafür (noch) nicht gekommen: Am 10. Dezember 2018 untersagte die römische Bischofskongregation der interimistischen Diözesanleitung sogar eine Pressekonferenz über das Bischöfliche Mensalgut. Weil Guggenberger und die anderen Domherren dennoch wenig später vor die Presse traten und schwere Anklagen gegen ihren früheren Bischof vortrugen, ernannte der Papst kurz vor Weihnachten 2018 Erzbischof Lackner zum Apostolischen Visitator. Der machte sich emsig an die Arbeit. Sein Visitationsbericht liegt nun seit elf Monaten unbeantwortet in Rom.

Auch nach Abschluss der Visitation ließ Rom Diözesanadministrator Guggenberger nicht für Transparenz sorgen: Nach einem Jahr hatte er genug administriert, der Vatikan berief mit Militärbischof Werner Freistetter einen Apostolischen Administrator. Der wollte sich „über den Sommer“ um das kirchliche Kärnten kümmern, bis zur Bestellung eines Diözesanbischofs.

Rom ließ sich neuerlich Zeit. Viel Zeit. Erst Anfang Dezember wurde der bisherige Kärntner Caritas-Direktor Josef Marketz zum Bischof ernannt – nachdem die Medien viele, durchaus fähige Kandidaten durchgekaut hatten. 19 Monate einer ereignisreichen, turbulenten Sedisvakanz waren so verstrichen, bis Metropolit Lackner nun am Sonntagnachmittag Marketz zur Kathedra des Klagenfurter Doms geleitete.

Dort lief alles in jener prächtigen Feierlichkeit ab, mit der die Kirche Nachfolger der Apostel würdevoll ins Amt zu setzen weiß. Hauptzelebrant und Prediger vermieden kritische Anspielungen, der Nuntius schwieg eisern, der Vorsitzende der Bischofskonferenz hielt sich im Hintergrund. In doppelter Apostelzahl waren Bischöfe aus dem In- und Ausland angereist, vor allem aus dem Nachbarland Slowenien, dem der Kärntner Slowene Marketz eng verbunden ist. Vielleicht kam mancher auch als Zeichen kollegialer Einbettung, nachdem der Neuernannte sich nach ersten Interviews im Dezember bei seinen Mitbrüdern schriftlich erklärte und entschuldigte.

Ein Bischof an der Seite der Armen

Marketz hatte kräftig am Zölibat gerüttelt, die Priesterweihe für Frauen nicht ausschließen wollen, beim Amtsvorgänger eine Entschuldigung angemahnt und Fragen nach einer eigenen Erpressbarkeit „bezüglich Zölibat“ recht schillernd beantwortet. „Ausschließen kann ich nichts“, sagte Marketz dazu in der regional führenden „Kleinen Zeitung“. Er habe „Zuneigung von vielen Menschen, auch von Frauen, erfahren“. Nachsatz: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre.“

In einem Brief an alle Bischöfe Österreichs versuchte Marketz wenige Tage später, Irritationen auszuräumen: „Ihr habt ja mitbekommen, was für ein mediales Greenhorn ich bin, das die Journalisten mit einigen wenigen Fragen zu den von ihnen gewünschten Antworten verleiten können.“ Er hoffe, in „theologisch und kirchlich heiklen Fragen“ im Dialog mit den anderen Bischöfen zu guten Antworten zu kommen. Meinte Erzbischof Lackner in seiner Begrüßung diese Irritationen oder jene der kurvenreichen Sedisvakanz, oder doch jene der 17 Kärntner Bischofsjahre von Alois Schwarz? Jedenfalls zeigte sich der zuständige Metropolit und vormalige Visitator überzeugt, dass die Kärntner „nach einer Zeit der Irritationen, der echten Sorge um das Reich Gottes, aber auch des ehrlichen Bemühens“ sich nun freuen dürften.

Freuen dürfen sich jedenfalls die katholischen Angehörigen der slowenischen Volksgruppe Kärntens, weil einer der Ihren Bischof wurde. Tatsächlich zog sich die Zweisprachigkeit in der Liturgie am Sonntag durch die Kurzansprachen, mal flüssiger mal holpriger. Freuen dürfen sich alle karitativ Bewegten, weil ein Priester mit weitem Herzen für die Armen und am gesellschaftlichen Rand Lebenden zum Bischof erwählt wurde: Geprägt von Begegnungen mit Mutter Teresa in Indien, von einem Diakonatsjahr in Ecuador und von den Jahren als Caritas-Direktor, ist Josef Marketz wohl jener „Bischof an der Seite der Armen und Einsamen“, den Vorarlbergs Bischof Benno Elbs in seiner Predigt einforderte.

Marketz bevorzugt einfache Sprache und schlichten Auftritt

Freuen werden sich auch alle, die Bischöfe bislang als distanziert, hoheitlich oder zu intellektuell empfunden haben, denn Marketz bevorzugt die einfache Sprache und den schlichten Auftritt. Dass er mit der Hälfte der Kärntner bereits „per Du“ sei, mag eine vage Schätzung sein, charakterisiert jedoch die Persönlichkeit. Der neue Bischof verließ, nachdem er mit allen katholischen Bischöfen den Friedensgruß ausgetauscht hatte, raschen Schrittes seine Kathedra, um auch den evangelischen Superintendenten und den altkatholischen Bischof unten in den Bankreihen zu umarmen. Dass er die Ökumene mit theologischen Fragestellungen erschweren wird, ist wohl eher auszuschließen.

So kamen Mahnworte bei der feierlichen Bischofsweihe am Sonntag in Klagenfurt denn auch nur vom früheren Diözesanadministrator: Engelbert Guggenberger nutzte seine Ansprache als Dompropst dazu, dem neuen Diözesanbischof seitens des Domkapitels „unsere Unterstützung und unsere Loyalität“ zuzusichern. Unüberhörbar definierte er aber auch diese Zielvorgabe: „Als erfahrener Seelsorger weißt du, was es bedarf, damit alle zu dem Frieden finden, der eine Frucht der Gerechtigkeit ist. Auf diesem Weg zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit, vor allem auch des Bischofsamtes, sichern wir dir unsere beste Unterstützung zu.“

Kein Zweifel, dass der frühere Generalvikar sich auch heute noch nicht damit abfinden will, dass die Vorwürfe gegen seinen Ex-Chef erneut unter den Teppich gekehrt werden könnten. Kein Zweifel, dass er die Aufarbeitung nicht allein der Staatsanwaltschaft Graz und der Bischofskongregation in Rom überlassen will.

Wenn der diözesane Frieden, wie Guggenberger andeutete, eine Frucht der Gerechtigkeit ist, dann steht innerkirchlich noch Vergangenheitsbewältigung an, um Zukunftsfähigkeit zu erlangen. Die im Vorjahr um 64 Prozent angestiegenen Kirchenaustritte in Kärnten – verglichen mit einer Steigerung um 15 Prozent österreichweit – sprechen dafür, dass Guggenberger da nicht Unrecht hat.

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