Altötting

Zwischen Party und Beichte

Lobpreismusikmachende Priester, achtköpfige Familien und eucharistische Anbetung - das Forum der Gemeinschaft Emmanuel in Altötting ist jung und bunt.

Beschwingt zum Herrn: Die Gemeinschaft Emanuel erreicht die Herzen durch Musik. Foto: Forum Altötting

Es ist womöglich die bunteste und lauteste Zeit des ganzen Jahres, die der sonst eher stille und andächtige bayrische Wallfahrtsort erlebt. In diesen Tagen kommen junge und alte Menschen nicht unbedingt, um der Schwarzen Muttergottes ein Anliegen vorzutragen, sondern um gemeinsam mit bis zu 1 500 Gleichgesinnten aus der ganzen Welt vier Tage im Glauben und in der Gemeinschaft zu wachsen.

„Es existiert hier eine enorme Stimmung des Zuspruchs, der Freude und der Verankerung im Glauben“, schwärmt die 21-jährige Marie, die 2010 das erste Mal auf das Forum mitfuhr und dort letztes Jahr einen Workshop zum Thema Wege aus der Pornografiesucht leitete. Davor hatte Marie noch nie von dem Forum oder der Gemeinschaft Emmanuel gehört. Der Priester ihrer Pfarrgemeinde organisierte damals eine Reise zu dem Event. In einem Bus, gemeinsam mit circa fünfzig Familien, Teenagern und Singles, die laut Marie eher „religiös, aber ohne lebendige Beziehung zu Jesus“ waren, machte sie sich auf in die Wallfahrtsstadt. Für die meisten der Mitfahrenden blieb es nicht bei diesem einen Besuch. Mit einem veränderten und gefestigtem Glauben wurden viele von nun an zu treuen Gästen des Forums.

Wie sieht ein typischer Tag auf dem viertägigen Event aus? Der Morgen beginnt mit einer Lobpreis-Einheit. Zwischen den deutschen und englischen Liedern gibt es freies Gebet in Form von Danksagung. Die Teilnehmer teilen prophetische Eindrücke. Das sind von Gott empfangene Bilder, Bibelverse oder Ermutigungen – eine gängige Praxis in charismatischen Kreisen. Danach folgt ein Impuls, der meist von einem Gemeinschaftsmitglied gehalten wird. Dieser kann ein Priester, ein Laie, ein Ehepaar oder ein internationaler Gast sein.

Nächtliche Party in der Turnhalle

Vor und nach dem Mittagessen wird's praktisch: Jede Person geht in die von ihr gewählte Themengruppe, in denen sich die Teilnehmer mit ihrem Glauben und ihrem Alltag beschäftigen können. In den zahlreichen Workshops geht es zum Beispiel um die Frage, wie sich im täglichen Familienleben Glaubensrituale einbauen lassen, welche Herausforderungen es in der Beziehung zwischen Mann und Frau gibt und wie diese gemeistert werden können oder wie man abseits von gesellschaftlichen Klischees und politischen Ideologien sein Leben umweltbewusster und nachhaltiger gestalten kann.

Kinder und Jugendliche kommen nicht zu kurz – für sie gibt es das Kleinkinder- beziehungsweise Schulkinderforum, sowie das Teenieforum. Hier kommen Spaß und Action nicht zu kurz. Begeistert erzählen die Teenies von nächtlichen Partys in der Turnhalle und Ausflügen zum Badesee, wo ein Priester spontan die Beichte auf einer kleinen Insel anbot. Berührungsängste mit Priestern und geweihten Personen werden abgebaut, da diese nicht nur Teil der Gemeinschaft sind, sondern ganz selbstverständlich bei allen Programmpunkten teilnehmen, auch beim Schabernack.

Eigens komponierte Emmanuel-Messen

Weltweit gehören 265 Priester und 200 Personen geweihten Lebens zu der Gemeinschaft Emmanuel. Unter den Mitgliedern ist auch Bischof Hermann Glettler, Bischof der Diözese Innsbruck in Tirol. Höhepunkte der gemeinsamen Tage sind der Abend der Barmherzigkeit sowie die täglichen Messen. Die Gemeinschaft ist bekannt für die musikalische Gestaltung ihrer Gottesdienste, die nicht nur Lobpreismusik enthält, sondern auch selbst komponierte Messgesänge. Die zahlreichen Musiker der Gemeinschaft schufen Messen zu jedwedem Anlass, sei es zu Feiertagen oder zu Heiligengedenken.

Auf dem Programm stehen außerdem tägliche eucharistische Anbetungszeiten, die neben der Eucharistie und der Beichte ein Hauptfokus der Emmanuels sind. Das kommt nicht von ungefähr, war doch der Gründer der Gemeinschaft, der 1991 verstorbene Franzose Pierre Goursat, ein Mann des Gebets, der ganz aus der eucharistischen Anbetung lebte. Der gottgeweiht lebende Filmkritiker lernte Anfang der 70er Jahre die charismatische Erneuerung kennen und gründete mit einer jungen Ärztin, die ähnliche Erfahrungen der Geistausgießung gemacht hatte wie Goursat, einen Gebetskreis, aus dem sich bald darauf die Gemeinschaft entwickelte.

Vorbild und großer Bruder des Open-Air Events in Altötting sind die seit 1975 stattfindenden internationalen Sommer-Treffen im französischen Ort Paray-le-Monial, dem geistlichen Zentrum der Gemeinschaft.

Was ist es, das junge Leute jedes Jahr aufs Neue zu dem Glaubensfestival zieht? „Es ist die Gemeinschaft“, davon ist Marie überzeugt. „Es ist, als ob Familie zusammenkommt. Niemand ist ein Außenseiter, auch wenn jemand zum ersten Mal da ist.“

Das Open-Air Festival findet vom 1.–4. August in Altötting statt. Weitere Informationen gibt es hier.