Zurückgetretener Bischof bedauert TV-Interview

Brüssel (DT/KNA/KAP) Der wegen Kindesmissbrauchs zurückgetretene belgische Bischof Roger Vangheluwe (74) bedauert angeblich sein vielfach als skandalös empfundenes Fernsehinterview. Er habe sich für den daraus entstandenen Medienrummel entschuldigt, sagte die Obere der Ordensgemeinschaft in Frankreich. Nach dem Fernsehinterview steht die katholische Kirche in Belgien wieder in der Kritik. Der amtierende Ministerpräsident Yves Leterme forderte, die Kirche müsse sich entschiedener von Vangheluwe distanzieren. Außenminister Steven Vanackere rief den Vatikan am Sonntagabend über das Fernsehen auf, „klar zu zeigen, dass Vangheluwe nicht Teil dieser Kirche ist“. Vangheluwe hat unterdessen die Ordensgemeinschaft in Zentralfrankreich, wo er sich zuletzt auf Anweisung des Vatikan aufgehalten hatte, verlassen. Sein Ziel ist unbekannt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Andre-Joseph Leonard von Mechelen-Brüssel, lehnte unterdessen weiter jeden Kommentar zu der Affäre ab. Er wolle sich erst zu Ostern äußern, sagte er dem Fernsehsender RTBF. Mehrere weitere Politiker appellierten auch an die Kirche, zügig Vorschläge für eine Schadenersatzregelung für Missbrauchsopfer vorzulegen. Das am Donnerstag vom flämischen Sender VT4 ausgestrahlte Interview hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Im Gespräch hatte der Bischof den Missbrauch eines anfangs fünf Jahre alten Neffen zwischen 1973 und 1986 sowie den Missbrauch eines zweiten Neffen eingeräumt. Ihm wird nun vorgeworfen, er begreife noch immer nicht die Schwere seiner Taten und lasse Reue vermissen. Die belgischen Bischöfe distanzierten sich ausdrücklich von ihm. Der Vatikan erklärte, der Heilige Stuhl sei sich der Schwere des Vorgangs bewusst und verfolge die Angelegenheit weiter. Mit seinem Missbrauchsgeständnis und seinem Rücktritt hatte der Bischof die katholische Kirche in Belgien bereits vor genau einem Jahr in eine tiefe Krise gestürzt. Eine Parlamentarische Untersuchungskommission legte kürzlich Empfehlungen zu Verjährungsfristen, Schadenersatz und Präventionsmaßnahmen vor.