Zitat

„Wir haben diese Feier draußen begonnen, eingetaucht in die Dunkelheit der Nacht und die mit ihr einhergehende Kälte... Angesichts der Ungerechtigkeit, die den Meister verurteilt hat, waren die Jünger still; angesichts der Verleumdungen und der falschen Zeugenaussagen, die der Meister erleiden musste, haben die Jünger geschwiegen. Während der schwierigen und schmerzhaften Stunden der Passion haben die Jünger auf dramatische Weise ihre Unfähigkeit erfahren, für den Meister etwas zu riskieren und zu seinen Gunsten zu sprechen; schlimmer noch, sie haben ihn verleugnet, sie haben sich versteckt, sie sind geflüchtet, sie waren still. (...)

Und inmitten all unseres Schweigens, wenn wir auf so erdrückende Weise schweigen, dann beginnen die Steine zu schreien (vgl. Lukas 19, 40) und der größten Verkündigung, die die Geschichte jemals in ihrem Schoß tragen konnte, Raum zu lassen: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden“ (Matthäus 28, 6). Der Stein vor dem Grab schrie, und mit seinem Schrei verkündete er allen einen neuen Weg. (...)

Das leere Grab will herausfordern, aufrütteln, Fragen stellen, aber vor allem will es uns ermuntern, zu glauben und die Zuversicht zu haben, dass Gott in jegliche Situation, in jede Person „eintritt“ und dass sein Licht in die unberechenbarsten und verschlossensten Winkel unserer Existenz vordringen kann. (...)

Ostern feiern bedeutet, erneut zu glauben, dass Gott einbricht und nicht aufhört, in unsere Geschichten einzubrechen, indem er unseren einförmigen und lähmenden Determinismus herausfordert... Ostern feiern bedeutet zuzulassen, dass Jesus jene kleinmütige Haltung überwindet, die uns oftmals belagert und versucht, jede Art der Hoffnung zu begraben.

Der Stein vor dem Grab hat seinen Teil getan, die Frauen haben ihren Teil getan, jetzt ergeht die Einladung nochmals an euch und an mich: eine Einladung, mit eintönigen Angewohnheiten zu brechen, unser Leben, unsere Entscheidungen und unsere Existenz zu erneuern. (...)“

Papst Franziskus Predigt in der Osternacht 31.3.2018