Zeichen eines Lebens in Fülle

Jesu Auferstehung als Botschaft eines Weckrufs zu bedingungslos liebendem Miteinander: Bischöfe bekräftigen zu Ostern ihr Nein zu aktiver Sterbehilfe

Der Auferstandene zeigt sich mit Wunden: Gaudenzio Ferrari, Italien, 15. Jh. Foto: IN
Der Auferstandene zeigt sich mit Wunden: Gaudenzio Ferrari, Italien, 15. Jh. Foto: IN

Bonn (DT/KNA) Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben in ihren Osterpredigten ihr Nein zu aktiver Sterbehilfe bekräftigt und eine Kultur des Lebens gefordert. Zugleich riefen sie zur Hilfe für Flüchtlinge auf. Die Auferstehung Jesu fordere dazu auf, gegen Unrecht und Leid zu kämpfen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, plädierte in seiner Predigt in der Osternacht für einen Ausbau der Hospiz- und Palliativbegleitung und kritisierte die Rede vom „selbstbestimmten Leben und Tod“ als Ausdruck „eines merkwürdigen, letztlich lebensfremden Individualismus“ und verwies auf die Erfahrungen in Hospizen und Palliativstationen, die zeigten: „Wo Menschen geliebt und angenommen sind, wo ihnen geholfen wird, den letzten Weg zu gehen, menschenwürdig zu sterben, da verliert sich der Wunsch nach dem Suizid.“ Ostern stelle ein „Bekenntnis für die Fülle des Lebens“ dar, „eines Lebens, das auch Wunden und Tod integriert und in sich aufnimmt“, so Marx. So habe sich Jesus den Jüngern nach seiner Auferstehung gezeichnet von den „Wunden der Welt“ gezeigt.

Vor Dammbrüchen in der Bioethik und vor einer Freigabe von aktiver Sterbehilfe warnte auch der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. In seiner Osterpredigt sagte Algermissen, bei aktiver Sterbehilfe gehe es keineswegs darum, Menschen beim Sterben zu helfen, sondern „ganz bewusst und gezielt darum, ihren Tod herbeizuführen“. Christen müssten sich für eine „intensivste Sterbebegleitung“ einsetzen, mahnte der Bischof. Dazu gehörten medizinische, pflegerische, soziale und seelsorgliche Begleitung von Sterbenden. Auch bei Debatten im Bereich Bioethik sollten Christen klare Position beziehen, wenn Grundsätze gefährdet seien: „Christen dürfen zwar keine Friedensstörer sein, müssen sich aber dort massiv als Störenfriede betätigen, wo immer die Mächte des Todes am Werk sind“, so der Bischof.

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff kritisierte in diesem Zusammenhang scharf das neue belgische Sterbehilfegesetz. Er sprach von einem „Verbrechen der Tötung von schwer kranken Kindern, denen sogar die Würde der Selbstbestimmung genommen wird“.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hob an Ostern die Bedeutung des österlichen Bildes der Auferstehung für die Christen hervor. Die Auferstehung, die jedem Menschen nach dem Tode verheißen ist, stehe im scharfen Kontrast zum Anspruch des Menschen, selbst über das Leben verfügen zu können, sagte er. „Es gibt ein Leben, das nicht aus der menschlichen Macht und Mache kommt, nicht aus dem Zugriff selbstmächtiger Verfügung über die biologischen Gesetzmäßigkeiten.“ Auferstehung sei weder zu haben als Produkt der „Evolution“, noch in der Natur und erst recht nicht im Labor. Keiner könne sich die Auferstehung erwerben, keiner könne sie für sich herbeiführen, nicht einmal durch gute Werke. „Wir bekennen und stehen dazu: Hier geht es um ein Geschenk, um das Geschenk der Liebe Gottes. Nur als Geschenk Gottes ist das Leben unsterblich.“

Nach den Worten des Berliner Kardinals Rainer Maria Woelki ist Ostern „die Antwort des christlichen Glaubens auf die Provokation des Todes“. Ostern habe etwas Neues in die Welt gebracht: „Eine Hoffnung, die trägt, über den Tod hinaus.“ Erst das Licht „vom Himmel her“ erhelle unser eigenes Leben. Erst der Blick „nach oben“ zu Ihm eröffne uns den Sinn all dessen, was Jesus Christus getan und gesagt hat. „Sein Tod am Kreuz schien seine Botschaft und sein Wirken in Frage zu stellen. Doch Gott Vater besiegelt und bestätigt durch die Auferweckung die Botschaft und das Wirken seines Sohnes.“ Nicht der Tod, sondern die Auferstehung sei das „Schlusskapitel“ jeder Lebensgeschichte.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann rief die Christen dazu auf, sich stärker Gott zu öffnen. Der auferstandene Christus sei keine „Fiktion und auch keine Märchenwelt“. Christus kenne die Welt und fliehe nicht vor ihr.

Ostern ist nach den Worten des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick kein „Happy End“ für den zuvor gekreuzigten Jesus. Vielmehr handle es sich um ein „Fresh Beginning“ des neuen Lebens für die ganze Menschheit, das Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung erworben habe, sagte Schick. Die Auferstehung Jesu sei etwas total anderes als etwa die Totenerweckung des Lazarus. Denn sie stelle die Ermöglichung des „neuen, göttlichen Lebens für alle Menschen und die ganze Schöpfung“ dar. Ein „Happy End“ hätte lediglich bedeutet, dass es mit der Person Jesu doch noch gut ausgegangen sei, erläuterte der Erzbischof. Doch das wäre zu wenig. Ostern sei dagegen frisches Beginnen des göttlichen Lebens, das der auferstandene Christus den Menschen schenke. Damit gemeint sei das „Leben der Liebe, der Versöhnung, des Friedens, der Freude, der Gerechtigkeit für alle“.

In Eichstätt appellierte Bischof Gregor Maria Hanke an die Christen, Verkünder der Auferstehung Jesu zu sein. Die Osterbotschaft brauche „Gesichter“, um die Herzen der Menschen zu gewinnen. An die kirchlichen Mitarbeiter gerichtet sagte er, neben ihrer hohen Fachkompetenz sollten sie auch als Zeugen des Auferstandenen auftreten. Jesu Botschaft müsse durch Wort und Leben verkündigt werden. „Oder aber es herrscht Grabesstimmung in der Kirche und in der Welt“, so der Bischof.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hob hervor, durch das Osterereignis dürften Christen wieder Zutrauen, Hoffnung und innere Stabilität erwarten. Dort, wo Christen ihr Denken und Verhalten im Blick auf den Auferstandenen positiv veränderten, mache sich Auferstehung bemerkbar. „Es nützt uns nichts, das Elend der Welt zu konstatieren und zu beweinen, es hilft vielmehr, es wegzulieben.“ Dabei zitierte Hofmann den verstorbenen Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher (1921–2013) mit den Worten: „Die Chance hat eindeutig das Leben, nicht der Tod.“

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa lud ebenfalls die Gläubigen ein, zu Botschaftern des Evangeliums zu werden. In seiner Predigt ging er auch auf die Situation der Kirche ein. Er gehöre selbst zur Generation 65plus, von der sich noch am ehesten eine größere Anzahl zu ihren Gottesdiensten einfinde. „Was ist, wenn wir das nur 10, 15 Jahre hochrechnen?“ In der Kirche seien tiefgreifende Veränderungen im Gange. Dabei sei diese mit ihrer Fähigkeit, sich immer wieder zu reinigen und zu erneuern „selber ein lebendiges Zeugnis dieser Botschaft des Lebens, des Neubeginns, der Zuversicht und der Freude“.

Der designierte Passauer Bischof Stefan Oster deutete die Auferstehung Jesu in einem Beitrag für die „Passauer Neue Presse“ als ein Ereignis, das den Menschen von innen her verändere. Die Begegnung mit dem Auferstandenen rühre an Überzeugungen, am Verständnis von dem, „was wahr und wirklich ist“. Der Mensch werde dadurch ein Anderer. Diese Art von „Neu-werden“ schenke ein „neues Herz“. Von innen her lerne einer dadurch die Welt, die Menschen, sich selbst und Gott neu sehen und verstehen.

Aus zwei Perspektiven nahm der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer das Osterfest in den Blick. Das Fest und sein Inhalt seien in der Öffentlichkeit fast gar nicht mehr vorhanden. Zwar werde die Karfreitagsruhe noch eingehalten und viele Zeitungen hätten eine Osterbeilage, aber die Zeichen der fortschreitenden Säkularisierung, so der Bischof, seien unübersehbar. Dabei sei Ostern das älteste und identitätsstiftende Fest der Christenheit, es sei die Mitte und der Ursprung des Christentums. Wäre Christus nicht auferstanden, wäre die Verkündigung leer und unser Glaube sinnlos. „Christus ist auferstanden von den Toten“, diese Glaubenswahrheit, so der Bischof, schenke uns die Gewissheit, „Du darfst hoffen auf eine Zukunft bei Gott“.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst kritisierte die europäische Flüchtlingspolitik. Die erschreckende Situation der Flüchtlinge sei für Europa ein Karfreitag. Hoffnung auf Leben wachse, wenn Menschen in Deutschland das Leid der Notleidenden milderten.

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck forderte eine neue Willkommenskultur für Flüchtlinge. Deutschland müsse Armutsflüchtlinge, Kriegsflüchtlinge, Religionsflüchtlinge und Gewissensflüchtlinge aufnehmen, sagte er. Zugleich zeigte er sich besorgt über „gefährliche Stammtischparolen und Abschottungstendenzen“ in der Bundesrepublik. „Es gibt eine zunehmende Angst nicht weniger in unserem Land, die von Überfremdung reden – ein gefährliches Wort – und dann nach Identität durch Abschottung suchen“, sagte Overbeck.

Ostern gibt den Menschen nach Worten des Bischofs von Münster, Felix Genn, die Kraft, sich für Frieden und Nächstenliebe einzusetzen. „In der Auferweckung Jesu hat Gott es mit seiner Liebe geschafft, den Tod endlich zu überwinden“, sagte er. In diesem Sinne sollten die Christen dem Guten, der Barmherzigkeit, der Liebe und Gewaltlosigkeit Raum geben. So entstehe die „Substanz, die eine Welt des Friedens aufbaut“, unterstrich Genn. Der Bischof zitierte ein Wort von Papst Johannes Paul II.: „Der für seine Henker am Kreuz gestorben ist, macht mir jeden Feind zum Bruder.“ Dieser hohe Anspruch erscheine „verrückt“, wenn man etwa an Syrien, Zentralafrika oder die Ukraine denke, sagte Genn. Genau so „verrückt“ aber sei die Liebe Gottes, die den Tod überwinde. „Dank der Auferstehung der Liebe in Jesus Christus können wir tatsächlich gut sein, lieben, dem Tod standhalten.“

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode übte ebenfalls scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik der EU. Europa sei zu einer Festung geworden, sagte er. Die Hoffnungen der Flüchtlinge zerschellten „oft schon vor den ersten Festungsringen, etwa in Italien“, so Bode mit Blick auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa.

Der Osterglaube hilft nach den Worten des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch gegen Pessimismus und Unheilspropheten. Wer erfahren habe, „dass das Leben siegt, der setzt sich für Leben und Freiheit ein, wo immer er ist“, sagte Zollitsch in der Osternacht. Christen müssten Hoffnungsträger werden und Licht verbreiten. So wie das Licht der Osterkerze das Dunkel vertreibe, so überwinde Gott mit dem Licht des Lebens alles Dunkle und Finstere der Welt, so Zollitsch. Not und Elend, aber auch Krankheit und Tod hätten nicht das letzte Wort. Zugleich räumte er ein, dass es oft schwer falle, der Nachricht vom Sieg des Lebens über den Tod Glauben zu schenken. Doch dieser „vermeintliche Realismus“ sei in Wahrheit Pessimismus. Denn es gebe keine Situation, die Gott nicht ändern könne.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann warnte mit Blick auf die Situation in der Ukraine vor einem neuen Kalten Krieg. „Wir beten für die Menschen in der Ukraine und hoffen auf eine friedliche Lösung des Konflikts.“

Für den Trierer Bischof Stephan Ackermann verändert der christliche Osterglaube die gesamte Welt. „Es ist eine Wirklichkeit, die mit der Auferweckung Jesu von den Toten begonnen hat und sich erfahren lässt“, sagte der Bischof. Jesus betrete an Ostern die Welt auf eine neue Weise und zeige, dass es eine „bisher ungeahnte Durchlässigkeit zwischen der Welt der Menschen und der Welt Gottes“ gebe. Deshalb heiße, einem anderen „Frohe Ostern“ zu wünschen, ihm auch zu wünschen, dass er Christus begegnen möge. Der Gruß „Frohe Ostern“ müsse deshalb auch als Weck- und Erinnerungsruf verstanden werden, betonte Ackermann: „Halte die Augen offen, dass du die Zeichen von Jesu Gegenwart nicht übersiehst!“

„Das Vertrauen in das Leben nach dem Tod, das Christus schenkt, muss auf einem langen Weg wachsen“, sagte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle in seiner Predigt. Wie auch bei den ersten Zeugen der Auferstehung im Evangelium gebe es immer wieder Zeiten im Leben, in denen man nicht so einfach „ja“ sagen könne zu diesem Wunder. „Aus dieser Aufrichtigkeit erst kann der Auferstehungsglaube reifen“, betonte er. Wer meine, der österliche Glaube bewahre vor dem Absinken in Schuld, Angst und Verzweiflung, der täusche sich und andere. Der Auferstehungsglaube trage nicht „mit absoluter Sicherheit und ohne eigene Anstrengung durch die Stürme des Lebens“. Der Weg zur Erlösung führe immer über die „Zwischenstation Karfreitag“ mit all den Fragen, die sich mit dem Kreuz verbinden.

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp rief dazu auf, trotz weltweiter Krisen und Konflikte die Hoffnung nicht zu verlieren. „Immer scheinen es doch die Stärkeren, die Mächtigeren, die Skrupellosen zu sein, die in dieser Welt weiterkommen und das Sagen haben“, sagte er am Karsamstag im Kölner Dom. Er verwies auf „die unsägliche Tragödie“ in Syrien oder in Zentralafrika sowie die Ereignisse in der Ukraine. „Doch am Ende waren und sind alle Despoten die Verlierer. Licht ist stärker als Dunkelheit!“ Er rief die Christen dazu auf, die Botschaft der Auferstehung in ihre Herzen zu lassen und zu verbreiten. „Dann wird die Feier dieses Festes zum unüberhörbaren Bekenntnis unseres Glaubens“, so der Weihbischof.

Der Limburger Weihbischof Thomas Löhr hat die Christen zum Engagement für den Frieden aufgerufen. Zum Kern des christlichen Osterglaubens gehöre das Vertrauen in die Liebe Gottes. „Diese Liebe gilt zugleich den Menschen, die sich nach einem Wort der Zuversicht und der Liebe sehnen. Ihnen müssen wir die Botschaft von Ostern bringen“, sagte Löhr in der Osternacht. Christen müssten erfüllt sein von der gewaltlosen Botschaft von Ostern. Und daraus, so der Bischof weiter, ergebe sich eine Solidarität mit allen Opfern von Krieg, Verfolgung und Gewalt.

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke hat zum Engagement für das Leben aufgerufen. „Ostern rechtfertigt niemals eine Vertröstung auf das Jenseits“, sagte Hauke im Radiosender „MDR Thüringen“. Der Osterglaube verlange „nach einem konkreten Einsatz für eine menschenwürdige Existenz aller Erdenbürger“. Jedes Menschenleben sei von Anfang bis zum Ende schützenswert. Das gelte sowohl für das körperliche wie das seelische Wohl.

Österreichs Bischöfe betonten die Bedeutung von Ostern als „Fest gegen den Tod“, auch im Sinne von Hoffnungsverlust. „Frau, warum weinst du?“: In dieser ersten Frage, die der auferstandene Christus an die über das leere Grab verwirrte und um Jesus trauernde Maria Magdalena richtet, zeigt sich laut dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn etwas Grundlegendes über das Christentum. Christus offenbare der ersten Auferstehungszeugin keine große Theorie oder Welterklärung, sondern zeige persönliche Anteilnahme. „Jesus spricht sie an, und sie erkennt ihn.“ Dieses Geschehen verdeutliche den Glauben mehr als alle Dogmen und Kirchenstrukturen. Das Christentum sei „keine Theorie, es ist Begegnung“, sagte Schönborn am Ostersonntag im Stephansdom. Maria Magdalena habe Petrus und Johannes informiert; beide seien zum Grab gelaufen: der jüngere Johannes schneller als der ältere Petrus, wie es im Neuen Testament heißt. Schönborn wies darauf hin, dass Johannes in der Tradition für die Liebe und Petrus für das Amt stehe: „Die Liebe läuft schneller als das Amt.“ Schönborn interpretierte dies so: „Das Amt muss von der Liebe gezogen, manchmal auch gestoßen werden.“

Der Frage, woher der christliche Glaube seine Glaubwürdigkeit bekommt, widmete der Salzburger Erzbischof Franz Lackner seine Predigt in der Osternacht: Die Antwort sei nicht, dass „Christen etwas wüssten, das andere nicht kennen“, oder dass „wir in irgendeiner Weise bessere Menschen seien, wiewohl unser Bemühen und Ringen nach einem tugendhaften Leben unablässig ist“. Die Glaubwürdigkeit bekomme der Glaube letztlich „allein durch die Auferstehung“.

Der Grazer Bischof Egon Kapellari betonte am Ostersonntag, die Christen müssten „darauf beharren, dass der Herr wirklich auferstanden ist, weil sonst der christliche Glaube in seinem einzigartig unterscheidenden Wesen nicht bestehen kann“. Jesus musste „mit seinem ganzen menschlichen Wesen, also auch mit seinem Leib, in seinen Ursprung im Schoß der Dreifaltigkeit eingehen“, so Kapellari. Das leere Grab sei „kein entbehrlicher Luxus“. Der steirische Bischof zitierte den russischen Philosophen Wladimir Solowjow: „Wenn Christus, der Reinste und Heiligste von allen, die je gelebt haben, bei den Toten geblieben wäre, wenn er, der Sohn Gottes selbst, nicht auferstanden wäre, dann hätten Kaiphas und Herodes Recht gehabt und Pilatus hätte sich als klug erwiesen. Dann wäre die Welt für immer ein Reich des Truges. Nun aber ist Christus auferstanden.“

„Falschen Idealen“ vom Leben hat der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer eine Absage erteilt. Es sei ein verfehlter Daseinsentwurf, durch Genuss, Macht, Erkenntnis oder besondere Erlebnisse gottgleich sein zu wollen oder die eigenen Grenzen nicht anzuerkennen. „Geld kann in unseren Verlusterfahrungen und Ängsten nicht trösten“, warnte Scheuer. „Mit Arbeitssucht kann man nicht die Gesundheit sichern und dem Tod entrinnen.“ Es gehe darum, „die Masken der Verführung“ zu durchschauen.

Wie die erste Auferstehungszeugin Maria von Magdala müssen „auch wir alle – Jung und Alt, Verheiratete und Unverheiratete, Priester und Laien – Zeugnis davon geben, dass Jesus lebt“. Diesen Aufruf richtete der St. Pöltner Bischof Klaus Küng in seiner Ostersonntagspredigt an die Gläubigen. Das Wichtigste sei dabei sicher eine überzeugende christliche Lebensweise, fast immer sei auch nötig, „dass wir auf die anderen zugehen, ihnen beistehen, damit sie nicht ins Leere laufen, nicht an ihren Verwundungen zugrunde gehen oder in Knechtschaften geraten, aus denen sie nicht mehr herauskommen“.

„Sie alle sind vom Auferstandenen ganz persönlich mit ihrem Namen angesprochen“, sagte der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, verbunden mit seinem Wunsch, die Gläubigen mögen österlichen Frieden, Freude und Geborgenheit in Gott erfahren. Schwarz verwies auf die biblische Erzählung der Begegnung von Maria Magdalena mit dem Auferstandenen: „Ein einziges Wort schafft die Wende von Trauer zu Freude. Der Auferstandene spricht Maria mit ihrem Namen an.“ Diese unmittelbare Begegnung erfahre jeder Christ bei der Taufe.

Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics verglich das Ostergeschehen mit dem Unglücksflug der Malaysia Airlines mit 239 verschollenen Menschen an Bord. Der gekreuzigte und in das Grab gelegte Jesus von Nazareth sei wie die Flugpassagiere zwar verschollen gewesen, „aber schon am dritten Tag gibt es von der Black Box eindeutige Signale, dass er lebt“. Der Flugdatenschreiber sei für Christen die Heilige Schrift, besonders die Evangelien, die Jesu Leben, Leiden, Tod und Auferstehung bewahren und nach dem Osterereignis in Jerusalem „von dort senden“, so Zsifkovics. Der zur Black Box gehörige Stimmenrekorder sei bei diesem Vergleich der Auferstandene selber: Seit dem ersten Ostern in Jerusalem sende er bis heute in den letzten Winkel der Welt Signale, die alle Empfänger glauben, hoffen und lieben lasse.

Als „Fest der Begegnung“ hat der Kärntner Bischof Alois Schwarz im Klagenfurter Dom das Osterfest bezeichnet. In unserer Gesellschaft werde wenig über Sterben und Tod im christlichen Sinn gesprochen, während gleichzeitig Debatten über Sterbehilfe laufen. „Die Hochleistungsmedizin hat die Herrschaft über den Tod an sich genommen“, sagte Schwarz. Andererseits hätten wir „noch nie so viele Bilder über das Sterben auf der Straße und in gewaltvollen Auseinandersetzungen“ gesehen. Es sei zielführend, sich mit Sterben und Tod zu beschäftigen „und zwar, weil wir das Leben lieben“. Der Auferstandene sei auch heute „mitten in unserem Leben, in unseren jeweils unterschiedlichen Alltagssituationen zu finden.“