Straßburg

Wunder: Ungehobener Schatz für die Wissenschaft

Wissenschaftlich unerklärbare Heilungen sind ein Phänomen in der katholischen Kirche. Bei einem Symposion der Delegationen Elsass und Baden-Württemberg des Souveränen Malteserordens wurde es von Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen beleuchtet.

Katholische Kirche und Wunder
Trotz zahlreicher Heilungen sind im Quellwasser von Lourdes keine therapeutischen Wirkstoffe nachweisbar. Foto: Maxppp/jose Navarro (epa)

Mit dem Unvorhersehbaren zu rechnen liegt in der Logik des Glaubens. Spektakulär und zugleich herausfordernd wie zur Zeit Jesu sind die Berichte über Wunderheilungen. Bei einem Symposion der Delegationen Elsass und Baden-Württemberg des Souveränen Malteserordens in Straßburg beleuchteten Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen das Phänomen der wissenschaftlich unerklärbaren Heilungen.

Vatikan sitzt auf ungeheurem Schatz von Anomalien

Der Vatikan sitze auf einem ungeheuren Schatz von Anomalien, weil Wunder in der katholischen Kirche seit Jahrhunderten geprüft und approbiert würden, erklärte Walter von Locadau, Physiker und Direktor der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg.  „Dieser Schatz ist noch gar nicht ganz für die Wissenschaft gehoben.“ Dabei spielt auch der Umstand eine Rolle, dass Wunder, die sich beispielsweise im Zug einer Pilgerfahrt nach Lourdes ereignen, nicht geglaubt werden müssen – und zwar auch dann nicht, wenn die Kirche sie anerkannt hat.

Skeptizismus sei nichts Unfrommes, so von Locadau, der wissenschaftliche Anomalien als „echte Durchbrechungen der Naturgesetze“, nicht als rein kirchliches Phänomen verstanden wissen wollte. Sie gehörten seiner Erfahrung nach auch zum Alltag von Richtern. In Lourdes geschehen von Locadau zufolge Heilungen, die im Grunde spontane Remissionen mit einem religiösen Bezug sind. Seit den Erscheinungen der Muttergottes in der Grotte von Massabielle im Jahr 1858 prägen Berichte über Wunderheilungen die Geschichte des Ortes.

7 000 Krankenakten von Geheilten angelegt

7 000 Krankenakten von Geheilten sind seither angelegt worden. Fünfzig der siebzig von der Kirche als Wunder anerkannten Heilungen geschahen in Verbindung mit Lourdeswasser. Doch der Leiter des Ärztebüros von Lourdes, Alessando de Franciscis, das medizinisch unerklärbare Heilungen untersucht, unterstrich, dass im Quellwasser von Lourdes keine therapeutischen Wirkstoffe nachweisbar sind. Von Locadau zitierte den heiligen Thomas von Aquin, für dessen Wunderdefinition Lourdes eine gutes Beispiel sei: Der Schöpfer handele nicht gegen die Natur, aber er kann die Natur modifizieren, er kann Vorgänge beschleunigen und unter besonders günstigen Bedingungen eine Gesamtsituation schaffen, in der er damit nicht außerhalb, sondern im Einklang mit der Natur handelt.

Wie Allesandro de Franciscis die Rahmenbedingungen definiert, damit ein Wunder geschehen kann, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 04. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT