Wider die Christenfeindlichkeit

In Spanien setzt sich ein Anwaltsverein dafür ein, dass Hassverbrechen gegen den katholischen Glauben nicht ungeahndet bleiben. Von José García

Spaniens Bischöfe gegen Reform der Abtreibungsgesetze
Die Freiheit, für den Lebensschutz und ihre Überzeugungen öffentlich eintreten zu dürfen, wollen die Katholiken in Spani... Foto: dpa

September 2018. In einer spanischen Kleinstadt nimmt der sozialistische Bürgermeister eine standesamtliche Trauung vor. Dabei hat sich Emiliano Rodríguez etwas „Besonderes“ ausgedacht: Er erscheint in Soutane, darüber ein großes Kreuz. In der Hand hält er ein Buch, das an eine Bibel erinnern soll. Solch eine Maskerade ist bezeichnend für ein ehemals katholisches Land. Eine kleine Gruppe Juristen will die Verhöhnung des Glaubens durch eine postchristliche Gesellschaft jedoch nicht hinnehmen. Sie haben sich im „Centro Jurídico Tomás Moro“ zusammengeschlossen. Das Juristenzentrum unterhält eine „Beobachtungsstelle Christenfeindlichkeit“, die solche Vorfälle registriert. Deren Anwälte haben gegen den Bürgermeister Anzeige erstattet.

Einige Monate zuvor wurden die Juristen tätig, nachdem Bischof Reig Pla von Alcalá de Henares in einer Talkshow eines privaten Fernsehsenders kräftig angegriffen wurde. Der Anlass: Der Bischof hatte in einer Homilie die in „Humanae vitae“ enthaltene Lehre über Verhütungsmittel in Erinnerung gerufen. Nachdem in der Talkshow 27 Sekunden der Predigt ausgestrahlt wurden, machten alle Gesprächsteilnehmer ihrer Entrüstung Luft, und griffen den Bischof kräftig an. Das Gespräch gipfelte in den Worten der am Rande der Hysterie stehenden „Moderatorin“: „Die Kirche war voll. Vielleicht hätten die Menschen aufstehen und weggehen sollen, um klarzumachen, dass sie mit einer solchen Botschaft nicht einverstanden sind.“ Die Anwälte von „Tomás Moro“ schlossen sich dem Aufruf der Plattform „HazteOír“ an, dem Sender Protestbriefe zukommen zu lassen.

"Wir wollen die Familie, das Leben
und die Grundrechte der Bürger gegenüber
einem Staat verteidigen, der sich um jeden
Preis gegen die Zivilgesellschaft durchsetzen möchte.“
Javier María Pérez-Roldán, Vorsitzender von Tomás Moro

Dies sind zwei von mehr als 60 Anzeigen, die seit ihrer Gründung im Jahre 2004 von den Juristen erstattet wurden. Dazu führt ihre Homepage www.tomasmoro.info aus: „Die Christen werden zurzeit nicht nur von einzelnen Menschen, sondern auch von den staatlichen Institutionen angegriffen, die sich weigern, die Rechte der Christen zu verteidigen. Auch die politischen Parteien schüren den Hass gegen einen Teil der Bevölkerung. Ferner greifen Christen einige Medien an, die nicht objektiv und unbefangen über sie berichten.“ Das „Juristenzentrum Tomás Moro“ habe sich zur Aufgabe gemacht, der Untätigkeit der Staatsgewalt gegen die Verunglimpfung einer (christlichen) Mehrheit entgegenzuwirken.

Der Vorsitzende des Juristen-Zusammenschlusses Javier María Pérez-Roldán erläutert die Ziele von „Tomás Moro“: „Wir wollen die Familie, das Leben und die Grundrechte der Bürger gegenüber einem Staat verteidigen, der sich um jeden Preis gegen die Zivilgesellschaft durchsetzen möchte.“

Manche Artikel des Strafrechtes würden einfach nicht angewandt

Als Beispiel nennt Anwalt Pérez-Roldán verschiedene Klagen gegen blasphemische Theaterstücke, die „von unseren Steuern finanziert werden“. Der Stellvertretende Vorsitzende Inigo Martínez de Artola konkretisiert diese Aussagen: „Wir verteidigen das Lebensrecht des Nasciturus, die christlichen Grundprinzipien und Werte der Gesellschaft, das Recht der Familie als Grundinstitution der Gesellschaft.“

Manche Artikel des Strafrechtes würden einfach nicht angewandt – fügt er hinzu –, etwa wenn es sich um Anschläge auf die Religions- und die Gewissensfreiheit handele. „Der Grund, warum diese Freiheiten in Vergessenheit geraten, liegt im Materialismus, der die Gesellschaft überschwemmt.“ Vorstandsmitglied Carlos María Pérez-Roldán erklärt: „Auf der Grundlage der geltenden Vorschriften verteidigen wir die Rechte, die stets hätten verteidigt werden sollen, und die von der spanischen Gesetzgebung abgeschafft oder abgeändert wurden. Deshalb haben wir mehrere Rechtsstreite angestrengt, um die Religion und das Leben zu verteidigen. So haben wir gegen die Jungsozialisten einen Strafantrag wegen Beleidigung des religiösen Empfindens gestellt.“

"Wir möchten die spanische Gesellschaft
dafür sensibilisieren, dass sie sich aktiv für
die Verteidigung der Menschenwürde einsetzt"
Javier María Pérez-Roldán

Als ihre wichtigsten Ziele nennt der Juristenverein die Verteidigung der Menschenwürde, der Familie und der Menschenrechte aus dem Naturrecht heraus. „Unsere Zielsetzung besteht insbesondere darin, die Religionsfreiheit der Katholiken zu verteidigen, Minderjährige vor moralischer Verderbnis zu schützen, Hassverbrechen zu verfolgen sowie allgemein für die Wiederherstellung christlicher Werte einzutreten. Wir möchten die spanische Gesellschaft dafür sensibilisieren, dass sie sich aktiv für die Verteidigung der Menschenwürde einsetzt.“ Dafür stellen die Juristen verschiedene Materialien zur Verfügung. Sie veranstalten Seminare und Konferenzen und nutzen die sozialen Netzwerke, um ihre Aktionen bekannt zu machen.

Das „Juristenzentrum Tomás Moro“, dem neben Rechtsanwälten insbesondere auch Richter und Notare angehören, legt Wert darauf, ein von der Kirche oder von sonstigen kirchlichen Einrichtungen unabhängiger Verein zu sein. Es zählt inzwischen 79 160 Mitglieder.

Mit ihrer Unterstützung können die Juristen die Verhöhnung des katholischen Glaubens abwehren, so etwa auch im Januar 2018, als Cristina Fallarás, Verwaltungsratsmitglied im spanischen Fernsehen, eine Hasstirade auf die Jungfräulichkeit abfeuerte: „Ich bin keine Jungfrau. Du bist keine Jungfrau. Deine Mutter ist keine Jungfrau. Aber Millionen Spanier verehren eine Jungfrau. Und diese Verehrung bezahlen wir alle.“ Sie macht die Katholiken für „Schande, Strafe, Demütigung und Verheimlichung“ verantwortlich. „In Spanien werden Kindern in tausenden Schulen solche Ideen eingeflüstert.“ In einer postchristlichen Gesellschaft kommen Hassverbrechen gegen Christen immer wieder vor. Deshalb wartet auf die „Beobachtungsstelle Christenfeindlichkeit“ innerhalb des Juristenvereins „Tomás Moro“ noch viel Arbeit.