Wichtige Ernennungen des Papstes

Gerhard Ludwig Müller als Glaubenspräfekt bestätigt, ein neuer Nuntius in Deutschland und ein Wechsel an der Spitze der Klerus-Kongregation. Von Guido Horst

Der Heilige Vater ermutigte die krisengebeutelte Bevölkerung auf Sardinien. Foto: dpa
Der Heilige Vater ermutigte die krisengebeutelte Bevölkerung auf Sardinien. Foto: dpa

Rom (DT) Papst Franziskus erhöht die Schlagzahl: Nach dem Erscheinen seines Aufsehen erregenden Interviews in den europäischen Jesuiten-Zeitschriften und vor seiner zweiten inneritalienischen Reise hat der Papst Klarheit über einige wichtige Kurienämter geschaffen. Am Samstag gab der Vatikan bekannt, dass Franziskus den deutschen Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, in seinem Amt bestätigt hat wie auch den Präfekten der Missions-Kongregation „Propaganda Fide“, Kardinal Fernando Filoni, der zuvor unter Benedikt XVI. Substitut im Staatssekretariat war. Ebenfalls vom Papst im Amt bestätigt wurde der „zweite Mann“ der Glaubenskongregation, der aus Spanien stammende Sekretär Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Das neu geschaffene Amt des Beigeordneten Sekretärs der Kurienbehörde erhielt der aus den Vereinigten Staaten kommende Erzbischof Joseph Augustine Di Noia, der bislang stellvertretender Vorsitzender der für die Belange der Traditionalisten zuständigen Kommission „Ecclesia Dei“ war.

Einen Wechsel gab es hingegen an der Spitze der Klerus-Kongregation. Deren bisheriger Präfekt, Kardinal Mauro Piacenza (69), wird Großpönitentiar beim Gnadengerichtshof des Vatikans, der Apostolischen Pönitentiarie, ein ehrenvolles, aber nicht sehr einflussreiches Amt in der Kurie. Kardinal Manuel Monteiro de Castro, der bisherige Großpönitentiar, war aus Altersgründen in den Ruhestand getreten. Neuer Präfekt der Klerus-Kongregation wird Erzbischof Beniamino Stella, der bisher die Päpstliche Diplomatenakademie in Rom leitete.

Der Wechsel an der Spitze der Klerus-Kongregation zeigt, dass Franziskus die bisher nur vorläufig und zeitlich befristete Bestätigung der Kurien-Chefs nicht automatisch in eine dauerhafte Bestellung umwandelt, sondern die Dikasterien der Kurie Schritt für Schritt durchgeht, um die Männer seiner Wahl an deren Spitze zu stellen.

Auch für den Apostolischen Nuntius in Berlin, den schweizerischen Erzbischof Jean-Claude Perisset, naht die Zeit des Ruhestands. Franziskus ernannte den bisherigen Generalsekretär der Bischofssynode, den kroatischen Erzbischof Nicola Eterovic, zum neuen Chef der päpstlichen Botschaft in Deutschland. Dessen Aufgabe im Vatikan übernimmt Erzbischof Lorenzo Baldisseri (73), bisher Sekretär der Bischofs-Kongregation. Papst Franziskus hatte angekündigt, dass er die Stellung der römischen Weltbischofssynoden stärken wolle.

Im Vatikan wird nun damit gerechnet, dass nach dem ordentlichen Konsistorium der in Rom anwesenden Kardinäle am 30. September zur Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. bald ein zweites außerordentliches Konsistorium stattfinden wird, in dem Franziskus Kardinalshüte verteilt. Drei leitende Kurienprälaten tragen immer noch das violette Bischofsgewand, bekleiden aber Posten, die mit der Kardinalswürde verbunden sind: der neue Staatssekretär Pietro Parolin, der am 15. Oktober von Papst Franziskus persönlich in sein Amt eingeführt wird, sowie die Präfekten Müller und Stella. Letzterer ist bereits 72 Jahre alt; der Norditaliener leitete seit 2007 die Ausbildung der angehenden Diplomaten des Vatikans. Zuvor war er unter anderem von 1992 bis 1999 päpstlicher Botschafter in Kuba. In dieser Zeit bereitete er den historischen Besuch von Johannes Paul II. auf der kommunistisch regierten Insel vor. Als Präfekt der Klerus-Kongregation ist er für die etwa 280 000 Weltpriester der katholischen Kirche zuständig. Neuer Präsident der päpstlichen Diplomatenakademie wird Giampiero Gloder, den der Papst zum Apostolischen Nuntius ernannte und in den Stand des Erzbischofs erhob. Der bisherige Nuntiaturrat war als Büroleiter am Staatssekretariat mit Sonderaufträgen betraut.

Der neue Nuntius in Deutschland wurde 1951 in Pucisca in Kroatien geboren. Eterovic promovierte in Missionswissenschaften und trat 1980 in den Diplomatischen Dienst des Vatikans ein. Aufgaben in den auswärtigen Nuntiaturen führten ihn an die Elfenbeinküste, nach Spanien und Nicaragua. Anschließend war er in der für die Beziehungen zu den Staaten zuständigen Sektion des vatikanischen Staatssekretariats tätig. 1999 ernannte Johannes Paul II. den Kroaten zum Nuntius in der Ukraine und erhob ihn zugleich in den Rang eines Erzbischofs. Der Posten gilt aufgrund der schwierigen Beziehungen zwischen der dortigen orthodoxen und der mit Rom verbundenen ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche als anspruchsvoll. Zu Eterovics Aufgaben gehörte die Vorbereitung des Papstbesuches 2001 in Kiew und Lemberg. Seit Februar 2004 war Eterovic Generalsekretär der Bischofssynode. In dieser Funktion war er maßgeblich für die Organisation und Nachbereitung von fünf großen Bischofssynoden zuständig. Neben seiner Muttersprache spricht der neue Papstbotschafter in Deutschland Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch. Zudem beherrscht er mehrere slawische Sprachen, darunter Russisch, Polnisch und Ukrainisch.

In einer ersten Stellungnahme bezeichnete Eterovic die Übertragung des neuen Amts in Berlin als Ehre. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, dankte dem scheidenden Nuntius Perisset für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Ihre ökumenische Kenntnis, Ihre hervorragenden und vielfältigen Sprachkenntnisse und Ihre klugen politischen Analysen haben Ihre Arbeit bei uns in Deutschland geprägt“, hieß es in der Erklärung des Konferenzvorsitzenden.