Wer A sagt, muss auch B sagen

Benedikt XVI.: Auch zerstörte Familien schaden Kindern sehr

Rom (DT) Benedikt XVI. hat sich für einen umfassenden Schutz der Kinder ausgesprochen. Doch da ab kommenden Montag die Bischöfe aus Irland im Vatikan Gespräche über sexuelle Missbrauchsfälle in ihrer Heimat führen werden, haben die italienischen Medien in ihren Schlagzeilen nur die Sätze aus einer Ansprache des Papstes herausgepickt, die auf das Fehlverhalten von Repräsentanten der Kirche Bezug nahmen. Doch Papst Benedikt hat nicht nur die Kleriker im Blick, wenn es um die Rechte der Kinder geht, sondern auch die Familien als den Ort, wo Kindern am meisten geholfen oder aber auch sehr geschadet werden kann.

Anlass für seine Ansprache war die Vollversammlung des Päpstlichen Rats für die Familie, die er am Montag empfing. Zum zwanzigsten Jahr der 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen approbierten Kinderschutz-Konvention hatte der Familienrat „Die Rechte der Kinder“ zum Thema seines Treffens gemacht. Benedikt XVI. kam zunächst auf Missbrauchsfälle in der Kirche zu sprechen. Dem Beispiel Jesu Christi folgend habe die Kirche im Laufe der Jahrhunderte den Schutz der Würde und der Rechte der Minderjährigen gefördert und auf vielerlei Weise die Sorge für sie wahrgenommen. „Leider haben einige ihrer Glieder“, so der Papst weiter, „in verschiedenen Fällen diese Rechte verletzt, indem sie im Widerspruch zu dieser Verpflichtung gehandelt haben: Ein Verhalten, bei dem die Kirche nicht versäumt und auch in Hinkunft nicht versäumen wird, es zu missbilligen und zu verurteilen.“

„Die Zärtlichkeit und die Lehre Jesu, der die Kinder als Modell zur Nachahmung ansah, um ins Reich Gottes zu gelangen, waren immer schon ein eindringlicher Appell, gegenüber den Kindern tiefen Respekt und Sorgfalt zu hegen. Die harten Worte Jesu gegen den, der eines dieser Kleinen zum Bösen verführt, verpflichten alle, niemals das Ausmaß dieses Respekts und dieser Liebe herabzumindern.“ Deshalb sei auch die Konvention über die Kinderrechte vom Heiligen Stuhl positiv aufgenommen worden, fügte Benedikt XVI. an, insoweit sie positive Aussagen zur Adoption, über die gesundheitliche Versorgung, die Erziehung, den Schutz der Behinderten und die Absicherung der Kleinen gegen die Gewalt, das Aussetzen und die sexuelle und arbeitsmäßige Ausbeutung enthalte. Soweit der Teil der Ansprache, den die Medien zur Kenntnis nahmen. Aber Papst Benedikt hatte noch mehr zu sagen.

Die Kinderrechtskonvention, so erinnerte der Papst weiter, bezeichne in ihrer Präambel die Familie „als natürliche Umgebung für das Wachsen und Gedeihen aller ihrer Mitglieder, insbesondere der Kinder“.

Tatsächlich sei die Familie – aus der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau erwachsend – die größte Hilfe, die man Kindern anbieten könne. Die Kinder wollten, so der Papst, „von einer Mutter und von einem Vater geliebt werden, die sich ebenso lieben, und sie brauchen Wohnraum, um mit beiden Elternteilen gemeinsam aufzuwachsen und zu leben, weil die mütterliche und die väterliche Figur sich in der Erziehung der Kinder, in der Ausbildung ihrer Persönlichkeit und ihrer Identität ergänzen. Es ist folglich wichtig, dass man alles daransetzt, um sie in einer einigen und stabilen Familie aufwachsen zu lassen.“

Zu diesem Zweck sei es nötig, meinte Benedikt XVI., „die Ehegatten zu bestärken, nie den Blick auf die tiefgehenden Gründe und die Sakramentalität ihres ehelichen Paktes, wenn sie beide Getaufte sind, zu verlieren und ihn mit dem Hören des Wortes Gottes, mit dem Gebet, mit dem beständigen Dialog und mit der gegenseitigen Annahme sowie Vergebung zu festigen. Eine nicht-friedliche familiäre Umgebung, die Trennung des Elternpaares, und insbesondere die Trennung durch die zivile Scheidung bleiben nicht ohne Konsequenzen für die Kinder, wohingegen die Unterstützung der Familie und die Förderung ihres wahren Wohles, ihrer Rechte, ihrer Einheit und ihrer Stabilität die besten Weisen sind, um die Rechte und authentischen Bedürfnisse der Minderjährigen zu schützen.“

Dieser zweite Teil der Ansprache des Papstes, in dem es um die gesunde Familie als die natürliche und ideale Umgebung für die heranwachsenden Kinder ging, fanden keinen Eingang in die große Aufmachung, mit der die Medien die Mahnungen des Papstes zum Schutz der Kinder wiedergaben. In der öffentlichen Aufmerksamkeit haben sich stattdessen die Missbrauchsfälle durch Kleriker in den Vordergrund geschoben.