Verfolgt um Christi Willen

Der selige Michel-Louis Brulard – 25. Juli. Von Katrin Krips-Schmidt

Am 1. Oktober 1995 sprach Johannes Paul II. 64 Priester und Ordensleute selig, die während der Französischen Revolution das Martyrium erlitten hatten. Einer von ihnen war der 1748 geborene Karmelit Michel-Louis Brulard.

Er gehörte zu den 829 Priestern und Ordensleuten, die aus ganz Frankreich nach Rochefort deportiert worden waren, um in den Jahren 1793–1795 auf zwei ehemaligen Sklavenschiffen untergebracht zu werden. Dort sollten sie nach Guayana, einem französischen Département in Südamerika, in die Sklaverei transportiert werden. Die ausrangierten Schiffe – Pontons genannt – sollten allerdings nie die am Atlantischen Ozean gelegene Mündung der Charente verlassen. Bereits auf der beschwerlichen Anreise über Land – die Gefangenen kamen aus vierzehn Diözesen und waren zuweilen bis zu 800 km, teilweise zu Fuß, unterwegs – waren sie übelsten Demütigungen ausgesetzt. So berichtet einer der Überlebenden, Abbé Marie-Bon-Philippe Bottin, in einer Zusammenfassung über die Leiden der verurteilten Kleriker, was sich auf ihrer Deportation bei der Ankunft in Limoges zutrug, wo sich bereits eine gaffende Menschenmenge versammelt hatte: „Esel und Ziegenböcke, denen man Messgewänder übergestreift hatte, trotteten im Gänsemarsch voran, ein riesiges Schwein im Papstornat beschloss den Zug. Die auf dem Kopf des Schweines befestigte Mitra trug die Aufschrift ,Papst‘.“ Die eintreffenden Priester mussten von ihren Karren absteigen, sich zu den Tieren gesellen und paarweise mit ihnen in Prozession in die Stadt einziehen. Wessen hatten sie sich schuldig gemacht, dass man so mit ihnen umging?

Die Gefangenen hatten den Eid auf die Zivilverfassung des Klerus vom 12. Juli 1790 verweigert. Diese machte aus Bischöfen und Pfarrern vom Staat bezahlte regierungshörige Beamte, der Papst wurde von der Ernennung der Bischöfe ausgeschlossen. In den Folgejahren hatte die Kirche in Frankreich schwer unter der Revolution zu leiden: Die kirchentreuen Priester, die sich der Zivilkonstitution nicht unterwarfen, wurden verfolgt und ermordet.

Brulard und seine Gefährten wurden unter unsäglich elenden, menschenunwürdigen Lebensbedingungen auf den Sklavenschiffen wie Schlachtvieh zusammengepfercht und mussten Tag für Tag auf einem Zwischendeck verbringen: im Sommer in brütender Hitze, im Winter in eisiger Kälte, nachts schliefen sie auf faulem Stroh, als Kost gab es verschimmeltes Brot.

Man hatte ihnen die Breviere weggenommen und ihnen verboten zu beten, selbst leises Beten war nicht erlaubt, weil man zu Recht befürchtete, das würde ihr Los erleichtern. Dennoch ließen sie sich nicht von ihrem Glauben abbringen.

Obwohl Robespierre am 28. Juli 1794 exekutiert, die extremistischsten Elemente der revolutionären Diktatur entfernt wurden und sich die Pforten der meisten Gefängnisse wieder öffneten, behielten die Pontons weiterhin ihre Häftlinge an Bord. Erst im Februar 1795 wurden die letzten befreit. Epidemien wie Typhus und Skorbut und die Schikanen der Mannschaft hatten die Anzahl der Gefangenen in den fast zwei Jahren jedoch derart dezimiert, dass am Ende nur noch etwa 280 Männer am Leben waren.

Michel-Louis Brulard verstarb am 25. Juli 1794 an Lungenentzündung. Sein Gedenken feiert die Kirche am heutigen 25. Juli.