Verantwortliches Personal

Die Probleme der Kirche mit Missbrauch sind komplex. Durch Rücktritte des Spitzenpersonals ist die Krise nicht zu überwinden.

Kampf gegen Missbrauch
Von Wegschauen bis Vertuschen dürften sich Verantwortliche in den Diözesen in Sachen Missbrauch in den zurückliegenden Jahrzehnten zahlreiche Fehler haben zuschulden kommen lassen. Foto: Alessandro Di Meo (ANSA)

Die Krise des sexuellen Missbrauchs ist nicht durch Rücktritte des Spitzenpersonals zu überwinden. Das sollte der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing besser wissen als viele andere. Immerhin hat er mit seiner MHG-Studie im vergangenen Jahr detailliert herausgearbeitet, wie komplex die Probleme der Kirche in diesem Bereich waren und sind. Dass er nun in Münster erklärte, es gebe „kein Unternehmen, bei dem es nicht in einem solchen Fall zu Rücktritten käme“, erinnert an populistische Forderungen.

Auch amtierende deutsche Bischöfe haben wohl ungenügend gehandelt

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch amtierende deutsche Bischöfe in der Vergangenheit ungenügend gehandelt haben. Von Wegschauen bis Vertuschen dürften sich Verantwortliche in den Diözesen in den zurückliegenden Jahrzehnten zahlreiche Fehler haben zuschulden kommen lassen. Solche Aussagen basieren aber mehr auf Wahrscheinlichkeitsrechnung als auf gesicherten Erkenntnissen. Symbolische Rücktritte zu fordern, wird der Sache nicht gerecht.

Bischöfe und Personal wollen sich nicht um ihre Verantwortund drücken

Darin schwingt auch immer die Unterstellung mit, Bischöfe, Generalvikare oder Personalverantwortliche würden sich um ihre Verantwortung drücken. Dass gerade das nicht der Fall ist, zeigen die Bemühungen der zurückliegenden Monate. Gewiss mag die MHG-Studie für einige ein bedeutsamer Weckruf gewesen sein; aber immerhin hat er gefruchtet. Während aber Kritik und Klagen über den Skandal des Missbrauchs immer wieder große Aufmerksamkeit erhalten, bleiben die viel zahlreicheren Meldungen über Fortschritte bei Aufarbeitung und Prävention oft unberücksichtigt. Dabei verfolgen die deutschen Bischöfe ihre selbstgesteckten Ziele in straffem Tempo. Davon zeugen etwa die Einrichtung eines eigenen Aufarbeitungsinstituts, die neuen Gespräche mit Opfern über Entschädigungszahlungen oder weitere Aktenstudien wie zuletzt im Bistum Würzburg. Solche Meilensteine sind Kritikern natürlich keine Erwähnung wert. Stattdessen fordern sie seit Monaten „personelle Konsequenzen“, wie es so schön heißt. Dabei ist der Krise nur beizukommen, wenn Amtsträger konsequent ihre Verantwortung wahrnehmen.