Vatikan bestellt irischen Nuntius ein

Vatikanstadt (DT/KNA) In Antwort auf den Missbrauchsbericht in der südirischen Diözese Cloyne hat der Vatikan seinen Botschafter in Irland, Erzbischof Giuseppe Leanza, zu Beratungen nach Rom gerufen. Dabei gehe es besonders um die Reaktionen, die der Untersuchungsbericht hervorgerufen habe, teilte der Vatikan am Montag mit. Nach der Veröffentlichung des Cloyne-Reports am 13. Juli hatte Irlands Ministerpräsident Enda Kenny den Vatikan ungewöhnlich scharf angegriffen. Der Heilige Stuhl habe die Ermittlungen gegen beschuldigte Geistliche gezielt behindert; dies sei noch in den vergangenen Jahren geschehen. Kenny stellte die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Irland in Frage. Auch von anderen Politikern aus Regierung und Opposition, aus Reihen der Priester und von namhaften Theologen wuchs in den vergangenen Tagen der Druck auf die Kirchenleitung. Dublins Erzbischof Diarmuid Martin hatte sich nach einer Parlamentsdebatte über die Rolle der katholischen Führung im Missbrauchsskandal beschämt über seine eigene Kirche geäußert. In einem Interview mit einem irischen Sender entschuldigte er sich für die Missachtung der kirchlichen Kinderschutzrichtlinien in Cloyne. Der Untersuchungsbericht über Kindesmissbrauch in der Diözese Cloyne enthält schwere Vorwürfe gegen den Vatikan und den damaligen Bischof John Magee. Insgesamt werden in dem Bericht Vorwürfe gegen 19 Geistliche aus den Jahren 1996 bis 2009 untersucht, darunter auch gegen den Bischof selbst.