Vatikan: Küng-Kritik ist realitätsfern

Vatikanstadt (DT/KNA) Der Vatikan weist die Attacken des Schweizer Theologen Hans Küng gegen seine jüngste Anglikaner-Initiative als „realitätsfern“ und verzerrend zurück. Mit Bitterkeit und ohne Fundament kritisiere Küng das historische Einigungsbemühen des Papstes, schreibt die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ (Donnerstagausgabe). Küng stelle diese als „listige Machtoperation“ dar, die in politischen Kategorien der extremen Rechten zu lesen sei. Küng hatte in der römischen Zeitung „La Repubblica“ (Mittwoch) die Errichtung einer neuen katholischen Kirchenstruktur für ehemalige Anglikaner als „Tragödie“ und „unökumenische Piraterie“ bezeichnet. „Es lohnt nicht, die Fehler und die Ungenauigkeiten dieses jüngsten Textes von Küng hervorzuheben“, heißt es in dem Kommentar von Chefredakteur Giovanni Maria Vian. Er ignoriere absichtlich Fakten; der Ton grenze mitunter an Komik und gereiche der Lebensgeschichte Küngs erneut nicht zur Ehre. Schließlich verhöhne der Autor auch noch den anglikanischen Primas, der mit dem katholischen Erzbischof von Westminister eine gemeinsame Erklärung zu dem Vorgang abgegeben hatte. Vian schreibt weiter, Küng werde von einflussreichen Medien für unfehlbar gehalten. Zur Beschreibung der aktuellen Situation der katholischen Kirche unter dem gegenwärtigen Papst verwende er den Begriff „Tragödie“. Um Küngs Artikel zu bewerten, brauche man nicht zu derart überzogenen Worten zu greifen, so Vian – „auch wenn viel Bitterkeit angesichts dieses erneuten grundlosen Angriffs gegen die Kirche von Rom und ihr unbestreitbares ökumenisches Engagement bleibt“.