Tschechien: Religionen rügen Störmanöver

Prag (DT/KNA) Hohe Vertreter von Christentum und Judentum in Tschechien warnen vor einem Missbrauch des Parlaments für parteipolitische, antiklerikale und antireligiöse Zwecke. In dem derzeitigen „politischen Kampf“ seien „der moralische Aspekt und das eigentliche Thema“ der Restitutionsdebatte, „die Wiedergutmachung des vom kommunistischen Regime begangenen Unrechts, völlig in den Hintergrund getreten“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Vorsitzenden der katholischen Tschechischen Bischofskonferenz, Kardinal Dominik Duka, des (protestantischen) Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen, Joel Ruml, sowie des Präsidenten der Föderation Jüdischer Gemeinden, Jiri Danicek. Für Herbst steht die parlamentarische Abstimmung über das seit vielen Jahren von den Bischöfen und einem Teil der bürgerlichen Parteien angestrebte Gesetz zur Kirchenfinanzierung und zur Rückgabe von Kirchengütern an. Die Übereinkunft sieht vor, dass die Kirchen 56 Prozent des beschlagnahmten Eigentums direkt zurückerhalten. Der Rest soll finanziell abgegolten werden. Über einen Zeitraum von 30 Jahren sollen die Kirchen vom Staat 59 Milliarden Kronen (gut 2, 2 Milliarden Euro) erhalten. Der Staat soll sich im Gegenzug binnen 17 Jahren endgültig aus der Bezahlung der Priestergehälter zurückziehen, mit der die Kommunisten die Kirchen zu kontrollieren versuchten. Zwar hatte der Staat schon 1990 die Rückgabe des Eigentums zugesagt; doch ist die Maßnahme im säkularisierten Tschechien unpopulär. Noch im Dezember sprachen sich in einer Umfrage 69 Prozent der Bevölkerung gegen eine Restitution aus. Mehr als 500 Kommunen landesweit warten seit Jahren auf eine Entscheidung darüber, was mit dem früheren Kircheneigentum geschieht.